Stellen Sie sich vor, bevor Sie überhaupt zur Arbeit fahren, muss Ihnen jemand 17 Mal hintereinander Blut abnehmen. Klingt nach einem extremen Horror-Szenario, oder? Genau das durchlebt Sophie Adenot, die junge ESA-Astronautin der nächsten Generation, bevor sie zur ISS fliegt. Viele von uns kämpfen im Alltag mit einem Arzttermin, doch für sie sind diese medizinischen Extremtests die letzte Hürde vor dem großen Sprung ins All.
Adenots Start mit der SpaceX Crew Dragon steht kurz bevor. Was viele nicht wissen: Die Vorbereitungszeit bis zur Nominierung für einen ISS-Flug kann Jahre dauern. Bei der Französin ging es in Rekordzeit. Wir schauen uns an, welche brutalen Vorbereitungsschritte notwendig sind, um als Mensch auf der ISS zu überleben – und was das mit Ihrem eigenen Ehrgeiz zu tun hat.
Die letzte Hürde: Wenn Schreibtischjob auf Leistungssport trifft
Sophie Adenot ist offenbar nicht nur sehr ehrgeizig, sondern wird auch auf extreme Weise auf die Probe gestellt. Sie tritt in die Fußstapfen von Legenden wie Claudie Haigneré. Aber Inspiration allein reicht nicht, wenn man im Orbit überleben muss.
Als ich sie kürzlich bei einer Präsentation in Köln sah, sprach sie über die letzten Wochen vor dem Flug. Man merkt: Diese Frau hat keine Zeit für Aufschieberitis – bei ihr zählt jede Stunde. Und das merkt man schon am ersten Tag:
- 17 Blutproben: Direkt am Morgen, noch vor den Pressekonferenzen. Das ist keine Routine, das ist ein medizinischer Marathon.
- Muskelkraft-Tests: Es geht darum, jede physische Schwäche aufzudecken, bevor sie kosmische Ausmaße annimmt.
- Zwölf Stunden Training: Ganze Arbeitstage verbringt sie in Simulatoren, um im Notfall – und davon gibt es viele denkbare Szenarien – instinktiv reagieren zu können.
Viele Menschen in Deutschland schieben ihren letzten Gesundheits-Check-up wochenlang vor sich her. Bei Adenot ist das undenkbar. Der Körper muss eine Blackbox sein – jede Abweichung wird sofort identifiziert.

Der Simulator-Marathon: Wenn 12 Stunden Training normal sind
Der Flug zur ISS ist kein gemütlicher Kurztrip. Deshalb wird das gesamte Team durch die gesamte Crew Dragon gefahren – und das mehrfach. Stellen Sie sich vor, Sie müssten acht Stunden lang in einem engen Raum sitzen und alle möglichen Katastrophen durchspielen. Adenot arbeitet mit ihrem Team in Houston, Cape Canaveral und bei SpaceX.
Simulation ist alles
Diese Trainingseinheiten können sich auf zwölf Stunden ausdehnen. Das ist mehr als ein normaler Arbeitstag, und es findet unter höchstem mentalen Druck statt. Das Ziel? Perfektion beim Andockmanöver und bei allen kritischen Prozeduren.
Danach folgt der Wechsel in eine ganz andere Umgebung: Übungen für Außenbordeinsätze. Hier geht es nicht um Muskelkraft, sondern um Orientierungslosigkeit und die Arbeit unter Wasser im riesigen Astronauten-Pool. Das muss sitzen, denn im Vakuum da draußen gibt es keinen Reset-Button.
Die Rekordzeit: Warum Adenots Sprung so schnell kam
Seit ihrer Nominierung 2022 ist viel passiert. Adenot selbst gibt zu: Sie rechnete nicht damit, schon so schnell zu fliegen. Die Qualifikationen, die Tests, die Kurse – alles komprimiert. Das Tempo ist atemberaubend.
Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Astronauten-Praxis: Man muss ständig die nächste Stufe erklimmen, ohne Luft zu holen. Kaum ist eine Qualifikation in der Tasche, beginnt die nächste Vorbereitung. Wer in seinem Job in Deutschland das Gefühl hat, dass alles zu schnell geht – Adenot lebt diesen Druck täglich.
Der Blick zurück und die Verantwortung für Morgen
Was Adenot antreibt, ist aber nicht nur die Faszination des Raketenstarts. Sie sieht sich auch als Vorbild. Sie erinnert sich, wie mühsam es war, Physik und Mathematik zu büffeln, und wie wichtig Vorbilder wie Claudie Haigneré waren, um dranzubleiben.

Ihr größter Wunsch? Wenn sie nur einer Schülerin zeigen kann, dass Frauen in diesen technischen Berufen ihren Platz haben und erfolgreich sein können. Sie möchte jungen Frauen zeigen: Wenn du die Sterne anpeilst, gibt es keinen Grund, warum die Hälfte der Bevölkerung (wir Frauen!) nicht auch die Hälfte der Forscher stellen sollte.
Die ultimative Aussicht: Erde vs. Leere
Worauf freut sie sich am meisten? Die Wahl fällt ihr schwer, aber die Kombination macht’s. Sie stellt sich den Blick auf unseren Planeten vor – zerbrechlich, ohne künstliche Grenzen. Aber auch der Gedanke, beim Außeneinsatz aus der Luke zu schauen, die Erde direkt unter den Füßen, umgeben von der absoluten Leere. Das Gefühl, „zehn Stufen über allem“, was man sich hier unten vorstellen kann.
Fazit: Politik und Fluggeräte – Was zählt wirklich?
Auch die politische Lage wird thematisiert. Mit Amerikanern und Russen im engen Raum der ISS – ist die Zusammenarbeit gefährdet? Adenot bleibt pragmatisch: Die ISS hat schon viele Krisen überstanden. Ihre Aufgabe ist es, ihren Job bestmöglich zu machen, die Politik soll die Brückenbauer spielen. Ihr Mantra: Machen Sie nur das, was Sie kontrollieren können, Schritt für Schritt.
Diese mentale Stärke – 17 Nadelstiche ertragen, um dann in zwölf Stunden ein funktionierendes Team zu formen – ist der wahre Treibstoff für die Raumfahrt.
Wenn Sie das nächste Mal eine große Herausforderung im Job oder Alltag vor sich sehen, denken Sie an Sophie Adenot: Was wäre Ihr „17-Blutproben-Test“, den Sie bestehen müssten? Schreiben Sie uns in die Kommentare!









