45 Kilo verloren: Wie der Umzug nach Thailand mein Verhältnis zum Essen komplett neu verdrahtete

Kennen Sie das Gefühl, im Supermarkt riesige Mengen an verpacktem Kram zu horten, nur um dann festzustellen, dass die Hälfte im Kühlschrank verdirbt? Ich kannte es nur zu gut, besonders als Amerikanerin in der Heimat. Mit 40 Jahren wog ich fast 45 Kilo zu viel, litt unter Angstzuständen und hatte alles versucht – von Keto bis Kohlsuppendiät. Nichts hielt. Was ich brauchte, war kein neuer Ernährungsplan, sondern eine komplett neue Umgebung. Und die fand ich, woanders.

Als ich beschloss, mein Leben in Thailand neu aufzurollen, war es nicht primär die Hoffnung auf Gewichtsverlust, sondern die Suche nach einem langsameren Puls. Die Erkenntnis, die ich dort gewann, veränderte jedoch alles. Es ist die eine Sache, die Diäten scheitern lässt, aber der einfache Wechsel des Einkaufsortes hat mich geheilt.

Der Schockmoment: Mein amerikanischer „Notfallvorrat“

In den USA fühlte sich jeder Lebensmitteleinkauf wie das Einlagern für einen Atomkrieg an. Ich erinnere mich an riesige Säcke Tiefkühlgemüse, das nach Freezer-Brand schmeckte, und Obst, das buchstäblich Monate unterwegs war. Ich schob meinen Wagen durch Gänge, die eher Lagern ähnelten.

Neue Regeln auf dem Thaibazar

Thailand war ein Schlag ins Gesicht – im besten Sinne. Plötzlich stand ich vor Bauern, nicht vor riesigen Industrieregalen. Frische, leuchtend rote Tomaten, Kräuter in Duftbündeln. Im Wurstgang sah ich, wie Kühe vor Ort geschlachtet wurden. Diese unverblümte Frische war das genaue Gegenteil meiner alten Gewohnheit, alles inhaltsleer zu horten.

Dieser Unterschied im Einkaufserlebnis war der erste Riss in meiner alten Denkweise. Ich stellte fest, dass dies kein einmaliges Phänomen war. Jahre später, nach Aufenthalten in Kambodscha, Myanmar und der Türkei, war das Muster klar: Lebendige Märkte führten zu einem gesünderen Essverhalten.

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Die Angst vor dem leeren Kühlschrank: Warum ich hortete

Mein übergewichtiger Körper war nur das Symptom. Die eigentliche Ursache war eine tief sitzende, amerikanische Angst, bald nichts mehr zu haben. Diese Überlebensmentalität, die mich seit meiner Kindheit begleitete, zwang mich, alles zu kaufen, was ich sah.

Als ich das erste Mal in Thailand war, war der Instinkt derselbe. Ich kaufte exotische Früchte, die ich noch nie zuvor benutzt hatte. Der Duft von reifen Melonen lockte mich an – und landete dann verdorben im Kühlschrank, weil ich schlichtweg zu viel gekauft hatte.

  • Konsequenz der alten Gewohnheit: Verwelkte Kräuter und geschrumpfte Gurken.
  • Wichtige Lektion: Lebendige Lebensmittel verderben schneller, weil sie echt sind.
  • Der Psychologische Wandel: Essen horten ist eine Form der Angstbewältigung.

Die 80/20-Regel für frische Produkte

Ich musste meine Einkaufsstrategie komplett umstellen, um nicht weiter Verschwendung zu produzieren. Wenn die Ware so frisch ist, kaufe ich nur das, was ich in den nächsten zwei bis drei Tagen wirklich essen würde. Bei haltbarer Ware wie Reis oder Gewürzen kann ich länger planen.

Was mich überraschte: Im Ausland gab ich wöchentlich oft nur umgerechnet 50 US-Dollar (ca. 46 Euro) für Lebensmittel aus. Das Geld reichte für Qualität statt Quantität. Im Vergleich zu den Lebensmittelpreisen, die man in deutschen Discountern für verarbeitete Ware findet, fühlte sich das fast wie ein Witz an.

Minimalismus in der Küche führt zum maximalen Erfolg

Da ich alle paar Monate umzog, gab mir das eine unfreiwillige Lektion in Küchen-Minimalismus. Meine Küche bestand oft nur aus einem Zwei-Flammen-Herd und einem kleinen Kühlschrank. Keine Zeit für komplizierte Kochbücher.

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Stattdessen setzte ich auf Einfachheit:

  • Eintöpfe und Pfannengerichte, die regional verfügbares Gemüse maximal zur Geltung brachten.
  • Saucen und Dressings stellte ich komplett selbst her, um versteckten Zucker und Salz zu eliminieren.
  • Die Beilage war meist Reis – das einzige, was ich in größeren Mengen bunkerte.

Diese Ernährungsumstellung, gepaart mit dem neuen, aktiven Lebensstil (tägliche Läufe am Strand), führte überraschend leicht zur Gewichtsabnahme. 45 Kilo in sieben Jahren – ohne zu hungern, sondern indem ich meinen Körper respektierte.

Die wahre Heilung liegt im Loslassen

Heute verstehe ich, dass das Horten das Ergebnis des Gefühls war, jederzeit unterversorgt sein zu können. Das Leben im Ausland zwang mich, dem Moment zu vertrauen. Ich brauche keine Melone im Winter, wenn sie gerade nicht Saison hat. Mein Körper erhält jetzt das, was die Natur ihm gibt, wann sie es gibt.

Ich koche nur, was ich esse, und wenn mal etwas übrig bleibt, teile ich es mit Nachbarn. Weniger horten bedeutet mehr Energie und eine Bewegung, die sich gut anfühlt, nicht erzwungen ist.

Was denken Sie? Waren Sie auch schon mal in der Falle des „Überlebens-Einkaufs“, selbst wenn es Ihnen gut ging?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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