Dieses Geräusch dominiert bei Beben – aber warum hören Sie die klirrenden Gläser erst viel später?

Sie spüren ein leichtes Rumpeln, oft begleitet von einem tiefen Grollen, das irgendwie nicht von außen kommt. Für viele Menschen in der Region Karlsbad (Chebsko) ist das Beben, das seit November immer wieder auftritt, vor allem ein akustisches Erlebnis. Doch wenn Sie erst jetzt Ihr Weinglas im Schrank klirren hören, machen Sie wahrscheinlich einen häufigen Fehler, den fast jeder begeht. Oder besser gesagt: Die Erschütterung ist noch nicht stark genug dafür. Wir haben mit einer Expertin gesprochen, die Ihnen erklärt, warum der „tiefe Ton“ das eigentliche Warnsignal ist.

Das Rätsel des dumpfen Donners – Was Sie wirklich zuerst spüren

Seit Monaten registriert das Geophysikalische Institut der Akademie der Wissenschaften in Tschechien kleine Erdbebenschwärme, Überreste vulkanischer Aktivität, die sich dort immer wieder meldet. Während tausende winzige Erschütterungen registriert werden, bemerken die Anwohner nur einen Bruchteil davon.

Wir reden hier nicht von tschechischen Verhältnissen, sondern von einem physikalischen Phänomen, das überall auftritt. Wenn die Erde bebt, ist das Erste, was die Menschen melden, fast immer das gleiche: ein dumpfes, tiefes Geräusch.

Warum der Ton dem Zittern vorausgeht

Warum hören wir oft zuerst den Bass, bevor das Geschirr wackelt? Die Antwort liegt in der Art, wie sich seismische Wellen ausbreiten. Stellen Sie sich das vor wie eine langsame Welle im Stadion:

Dieses Geräusch dominiert bei Beben – aber warum hören Sie die klirrenden Gläser erst viel später? - image 1

  • Die P-Welle (Druckwelle): Das ist die schnelle, erste Welle. Sie bewegt das Medium (die Erde und damit Ihr Haus) primär in Kompressions- und Dehnungsrichtung. Das nehmen wir als tiefes, grollendes Geräusch wahr – wie ein vorbeifahrender, schwerer LKW, den Sie eher hören als auf der Straße spüren.
  • Die S-Welle (Schubwelle): Diese Welle kommt danach und bewegt das Medium seitlich oder vertikal. Nur diese Welle hat genug Kraft, um leichtes Geschirr zum Klingen zu bringen oder den Wackelteller im Küchenregal in Bewegung zu setzen.

In der jüngsten Aktivität, wie dem Beben der Stärke 2.6, dominiert eben jene erste, akustische Welle. Die zweite, schüttelnde Welle erreicht erst bei stärkeren Ereignissen die Intensität, die Gläser klirren lässt.

Ungewollte Vorhersagen: Wann die Musik spielt

Die Erdbebenforscher messen Tausende von Ereignissen, aber nur etwa zehn bis fünfzehn davon sind stark genug, dass Sie sie im Alltag wahrnehmen. Die Hypozentren liegen hier konstant bei etwa 10 Kilometern Tiefe – das ist typisch für die Region Westböhmen.

Wenn Sie auf das Wochenende achten: Die Beben erreichten kürzlich eine Stärke von 2.5 – das ist brandgefährlich nah an der 2.6, bei der die ersten Berichte über leichte Bewegungen auftauchten. Viele übersehen, dass nur eine minimale Zunahme eine andere Wahrnehmung auslöst.

Dieses Geräusch dominiert bei Beben – aber warum hören Sie die klirrenden Gläser erst viel später? - image 2

Der Mythos der Jahreszeit

Ich habe gehört, manche Nachbarn murmeln, dass diese Beben immer im Winter auftreten. Das ist ein schöner Aberglaube, aber wissenschaftlich haltlos. In meiner Praxis zeigt sich: Die Natur spielt, wie sie will. Es gab starke Schwärme im Hochsommer und im Frühling. Wir können sie nicht voraussagen, wann die Erde beschließt, ein wenig zu grollen.

Ihr schneller Check bei diesem tiefen Grollen

Wenn Sie das nächste Mal dieses dumpfe Geräusch hören, was sollten Sie tun, bevor Sie panisch die Marmeladengläser prüfen?

  1. Ruhe bewahren: Akzeptieren Sie, dass das Geräusch die primäre Meldung ist. Der schüttelnde Effekt kommt verzögert.
  2. Kurz warten: Geben Sie der S-Welle zwei bis drei Sekunden Zeit. Wenn nichts klirrt, war es wahrscheinlich ein harmloses, tieffrequentes Ereignis.
  3. Lokalisierung: Das Zentrum der aktuellen Aktivität bleibt relativ stabil im Gebiet rund um Nový Kostel. Wenn Sie weit außerhalb dieses 10-Kilometer-Radius wohnen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie etwas spüren, ohnehin geringer.

Die Forscher verlassen sich auf ein Netz von 24 WEBNET-Stationen, die diese Region seit 1985, seit dem letzten großen Beben, engmaschig überwachen. Diese Stationen sind strategisch platziert, um die Quellen aus verschiedenen Winkeln perfekt zu triangulieren. Es ist wie ein unsichtbares Sicherheitsnetz unter unseren Füßen.

Das nächste Mal, wenn Sie ein tiefes Brummen hören, wissen Sie jetzt: Das Grollen ist das eigentliche Frühwarnsystem – das Klirren kommt nur, wenn die Erschütterung nicht nur spricht, sondern auch hart zuschlägt. Welches Detail löst bei Ihnen persönlich das erste Gefühl der Unsicherheit aus, wenn die Erde bebt?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1368

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert