Der Mond ist kaputt: Warum Wissenschaftler die Ära des „Lunar Anthropocene“ schon jetzt ausrufen

Stoppen Sie alles, was Sie gerade tun, und werfen Sie einen Blick nach oben. Wir dachten immer, der Mond sei diese ewige, unberührte Kugel am Nachthimmel – ein Ort, an dem die Zeit stillsteht. Falsch. Ein Team von Forschern hat soeben verkündet, dass unser stiller Begleiter offiziell eine neue geologische Ära begonnen hat, und zwar nicht erst in der fernen Zukunft.

Dieser Moment fühlt sich an wie der Schock, wenn man feststellt, dass das Fundament des eigenes Hauses bröckelt. Die Forscher nennen diese neue Ära das „Lunar Anthropocene“. Das bedeutet, dass wir – die Menschen – dort oben jetzt die dominierende Kraft sind, die die Landschaft formt. Und das ist ernüchternd, besonders wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland oft nicht einmal den Müll richtig trennen.

Wann fing der kosmische Vandalismus an?

Wenn Sie jetzt denken, „Ach, das betrifft uns doch erst, wenn wir endlich auf dem Mars landen“, liegen Sie falsch. Laut der Studie in Nature Geoscience begann diese Ära bereits 1959 mit der sowjetischen Luna 2, die auf der Oberfläche einschlug. Ein einzelner Crash, und schon war die Schiene gelegt.

Dieser Gedanke widerspricht allem, was wir über die Unendlichkeit des Weltraums gelernt haben. Aber die Wissenschaftler sagen: Die Summe unserer Messungen, Landungen und hinterlassenen Objekte ist so groß geworden, dass sie geologisch messbar ist. Das ist, als würde man einen riesigen Berg aus Schrott in der bayrischen Alpenlandschaft errichten – es verändert das Bild für immer.

Der Mond ist kaputt: Warum Wissenschaftler die Ära des

Mehr als nur Flaggen und Fußabdrücke

Viele stellen sich die Mondoberfläche wie eine perfekte, staubige Parkbank vor. In meiner Praxis sehe ich Dokumentationen und merke immer wieder: Die emotionale Distanz zum Mond ist zu groß. Wir vermischen das mit alten Science-Fiction-Filmen.

Fakt ist: Wir haben über 100 Objekte dorthin geschickt. Viele sind abgestürzt, einige mussten landen. Diese Interaktionen sind nicht sanft. Sie wirbeln Sedimente auf und verändern die dünne „Exosphäre“ des Mondes – jene hauchdünne Hülle aus Gasen und Staub, die wir oft übersehen, weil sie so fragil ist.

  • Abgase als Problem: Die Triebwerke unserer Landefähren verteilen Abgase, die den feinen Staub beeinflussen.
  • Der Müll-Faktor: Vergessene Rover, Stiefel und ja, sogar menschliche Abfallbeutel liegen dort. Das ist unser Vermächtnis.
  • Eis in Gefahr: Sogar das wertvolle Eis in den permanenten Schattenzonen könnte durch menschliche Aktivität beeinträchtigt werden.

Der führende Autor der Studie, Justin Holcomb, zieht einen direkten Vergleich zur Erde: Wir diskutiere seit Jahren, wann das Anthropozän auf unserem Planeten begann. Auf dem Mond müssen wir nicht warten. Wir müssen es anerkennen, bevor der Schaden irreversibel ist.

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Der neue Wettlauf und das Fehlen von Regeln

Mit der aktuellen „neuen Raumfahrt-Rallye“ wird sich das Bild drastisch ändern, noch bevor wir in Deutschland in Rente gehen. Sobald mehrere Nationen mit eigenen Basen oder Missionen auf dem Mond präsent sind, wird die Wahrscheinlichkeit von Konflikten und massiven Störungen exponentiell steigen.

Das Schlimmste daran? Das Mantra der Outdoor-Community hier bei uns – „Hinterlasse keine Spuren“ – existiert auf dem Mond nicht. Es gibt keine klaren Gesetze, keine rechtlichen Schutzmechanismen gegen rücksichtsloses Verhalten. Dieses Geröllfeld aus verlorener Technologie und Müll ist im Grunde eine ungeschützte Müllhalde, die wir gerade erst anfangen zu füllen.

Praktischer Tipp: Was wir jetzt tun müssen

Die Wissenschaftler argumentieren nicht, dass wir aufhören sollen, den Mond zu erforschen. Sie fordern aber ein akribisches Protokoll. Wenn Sie das nächste Mal einen Dokumentarfilm über die Apollo-Missionen sehen, denken Sie daran: Jeder Fußabdruck – jedes winzige Staubkorn, das wir gewaltsam verschoben haben – ist für künftige Archäologen ein Beweisstück.

Hacken Sie diesen Gedanken ein: Betrachten Sie die Mondoberfläche nicht als Zielgebiet, sondern als eine Archivkammer. Jede neue Mission muss heute schon dokumentieren, was sie verändert, damit wir die Geschichte der Menschheit – von Afrika bis zum Mond – nicht selbst verwischen.

Es ist ein beunruhigender Gedanke, dass wir selbst unseren nächsten kosmischen Nachbarn bereits verunreinigen, bevor wir ihn richtig kennengelernt haben. Was denken Sie: Ist es zu spät, das Lunar Anthropocene zu stoppen, oder können wir durch strengere Regeln vielleicht doch noch einen Teil der Mondgeschichte retten?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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