Warum KI selbst gegen das Gehirn eines Affen verliert: Der versteckte Makel der Maschinen

Wir feiern jeden neuen Durchbruch der Künstlichen Intelligenz – sie kann Bilder malen, Texte verfassen und komplexe Berechnungen knacken. Doch haben Sie sich je gefragt, warum komplexe Alltagsaufgaben oder eine schnelle Anpassung an neue Situationen der KI noch immer schwerfallen? Ein aktueller Durchbruch zeigt: Selbst das Gehirn eines Rhesusaffen ist in einem entscheidenden Punkt der aktuellen Technologie meilenweit voraus. Und dieser Unterschied ist der Grund, warum Ihnen Ihr Smartphone manchmal intelligenter vorkommt als ChatGPT.

Ich habe mir die Details dieser neuen Studie angesehen, und das, was die Forscher über die neuronale Flexibilität herausfanden, ist schockierend. Es geht nicht um rohe Rechenleistung, sondern um etwas viel Subtileres: die Fähigkeit, Gelerntes neu zu kombinieren.

Der Lego-Effekt: Was Affen besser können als die größten KI-Modelle

Forscher der Princeton University haben nicht direkt Menschen untersucht (wäre ethisch kompliziert), sondern Rhesusaffen. Warum? Ihre Gehirnstruktur ist unserem sehr ähnlich. Den Tieren wurden Aufgaben gestellt, die visuelle Unterscheidung (Form und Farbe) und schnelle Augenbewegungen kombinierten. Währenddessen wurde ihre Gehirnaktivität mittels moderner Scanner überwacht.

Das Ergebnis ist der eigentliche Aha-Moment:

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  • Das Affengehirn behandelt jede neue Aufgabe nicht als komplett isoliertes Problem.
  • Stattdessen nutzen sie stabile Gruppen von Neuronen – die Forscher nennen sie „kognitive Lego-Steine“ –, um neue Herausforderungen zu lösen.
  • Wenn eine Aufgabe vorbei war, wurden die nicht benötigten „Steine“ einfach weggeschaltet und standen für die nächste, völlig andere Aufgabe wieder zur Verfügung.

Das Versagen beim „Umschalten“

Hier kommt der große Knackpunkt für die KI. Der leitende Neurowissenschaftler Tim Buschman erklärte: Moderne KI-Systeme erreichen zwar für Einzeltasks Spitzenleistungen, sie scheitern kläglich, wenn sie schnell von Aufgabe A zu Aufgabe B wechseln müssen. Sie müssen oft fast komplett neu trainiert werden.

Im Gegensatz dazu nutzt das biologische Gehirn vorhandenes Wissen. Es ist wie in Deutschland, wo Sie heute im Baumarkt die richtige Schraube finden (Wissen A) und morgen dieses Wissen nutzen, um eine komplizierte IKEA-Anleitung zu verstehen (Wissen B). Die KI muss für diese Kombination oft komplett neu lernen.

Der geheime Speicherort der Flexibilität

Diese „kognitiven Bausteine“ konzentrieren sich laut den Forschern hauptsächlich im präfrontalen Kortex – dem Bereich, der bei uns für Planung und Entscheidungsfindung zuständig ist. Interessant ist, wie das Gehirn Ressourcen managt: Wenn ein „Lego-Stein“ gerade nicht gebraucht wird, fährt das Gehirn dessen Aktivität herunter. Es geht nicht in Überlastung, sondern archiviert die Fähigkeit.

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Das ist das große Manko der heutigen KI: Viele neuronale Netze leiden unter dem sogenannten „katastrophalen Vergessen“. Neue Infos löschen alte, wenn keine aufwendigen Übergangsstrategien angewendet werden.

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Diese Fähigkeit zur Wiederverwendung ist der Grund, warum wir uns in unserer sich ständig ändernden Welt – ob es um neue Gesetze zur Grundsteuer oder eine neue Software-Oberfläche geht – schneller anpassen können als jeder Algorithmus.

Die Forschung liefert jetzt erstmals eine klare, biologische Blaupause dafür, wie wir KI bauen müssen, damit sie nicht nur besser wird, sondern auch intelligenter im menschlichen Sinne. Vielleicht sehen wir bald KI-Systeme, die nicht nur Inhalte generieren, sondern diese auch flexibel in völlig neue Kontexte übertragen können, ohne bei jedem Wechsel einen Software-Crash zu riskieren.

Was denken Sie: Welche alltägliche Aufgabe würden Sie einer KI sofort übertragen, wenn sie die Fähigkeit hätte, blitzschnell zwischen verschiedenen Konzepten zu wechseln?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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