Vergiss die Knochen: Diese 200 Millionen Jahre alten Fußspuren an Europas steilster Wand verändern alles

Stell dir vor, du kletterst am steilen Felsen in den Alpen, völlig außer Atem von der Höhe über 2000 Metern. Du erwartest Granit und vielleicht ein paar Edelweiß. Stattdessen siehst du etwas, das unmöglich sein sollte: Tausende gigantische Fußabdrücke, perfekt konserviert in Stein. Das ist kein Filmset, das ist *jetzt* in Italien passiert, und es stellt unser ganzes Wissen über die Dinosaurier in dieser Region auf den Kopf.

Was Paläontologen dort im Nationalpark Stilfserjoch gefunden haben, ist nicht nur ein paar Fußspuren. Es ist ein regelrechtes „Dinosaurier-Tal“ direkt unter den Gletschern, die du vielleicht vom Skifahren kennst. Wenn du denkst, archäologische Funde sind immer staubige Gräber, dann bereite dich auf eine Überraschung vor, die Jahre deiner Feierabende verändern wird, wenn du nur wüsstest, wo du hinschauen musst.

Die Wand, die zur Zeitmaschine wurde

Es ist leicht, sich vorzustellen, dass Felsen mit Füßen aus der Trias-Zeit (also vor über 200 Millionen Jahren!) irgendwo in einer liegenden, sandigen Ebene gefunden werden. Aber diese Spuren? Sie kleben an einer fast senkrechten Felswand, mehr als zwei Kilometer über dem Meeresspiegel. Das allein ist schon ein geologisches Wunder.

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Der Beweis, dass Giganten Wandern gingen

Paläontologe Cristiano Dal Sasso vom berühmten Naturkundemuseum Mailand sprach von einem der reichsten Fundorte weltweit. Es geht hier nicht um einzelne Abdrücke, sondern um Hunderte oder Tausende. Viele Details sind so klar, dass du fast meinst, die Tiere noch atmen zu hören. In der Praxis (also in meinem Forschungsalltag) sehen wir so etwas fast nie.

  • Größe: Einige Abdrücke sind bis zu 40 Zentimeter breit – das sind riesige Klauenabdrücke.
  • Die Täter: Vermutlich waren es langhalsige Pflanzenfresser, wahrscheinlich Plateosaurier.
  • Das Verhalten: Die Dichte der Spuren deutet darauf hin, dass sie in großen Herden unterwegs waren, fast wie eine Urzeit-Autobahn.

Früher dachten wir, diese Gegend war vor 200 Millionen Jahren eine warme, schlammige Lagune. Genau das macht den Fund so brisant. Die Tiere sind nicht „durch“ den Schlamm gelaufen, während sie am Rand standen – sie sind ihn *entlang* gewandert, als wäre es ein Spaziergang am Sonntag.

Warum wir das nicht früher gesehen haben (Dein Lifehack für die Alpen)

Wenn du das nächste Mal in der Nähe von Bormio bist und die Vorbereitungen für die Winterspiele in Cortina 2026 im Kopf hast, denk daran: Unter all dem modernen Trubel liegt eine Urzeit-Szene versteckt. Aber warum wurden diese Spuren erst jetzt entdeckt?

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Der Grund liegt in der Unzugänglichkeit. Viele Fundstellen konnten die Forscher nur mit Drohnen untersuchen. Das ist der springende Punkt: Die Verformung der Alpen hat dieses steinige Tagebuch buchstäblich aufgerichtet. Was ursprünglich ein weicher Boden war, ist durch tektonische Plattenbewegungen steil nach oben gedrückt und umgekippt worden.

Praktischer Tipp für dein nächstes Outdoor-Abenteuer (auch wenn du keine Paläontologen bist):

Wenn du in den alpinen Hochlagen unterwegs bist, achte auf ungewöhnlich glatte, fast zu glänzende Felsformationen. Manchmal sind diese „perfekten“ Oberflächen das Ergebnis von urzeitlichem Schlamm, der unter massivem Druck zu festem Gestein wurde. Wenn du dann noch seltsame Muster siehst, die nicht wie natürliche Risse aussehen, mach ein Handyfoto und markiere die Stelle. Wer weiß, vielleicht entdeckst du ja den Fußabdruck deines eigenen Vergessens!

Dieses Erbe wird die Forscher Jahrzehnte beschäftigen. Für uns bedeutet es aber vor allem eines: Die Alpen sind nicht nur Berge, sie sind massiv gefaltete Geschichtsbücher. Was denkst du, welche weiteren Geheimnisse verbergen sich noch in den Gesteinsschichten, die wir achtlos beim Wandern übersehen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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