Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als Sie nach einem langen Arbeitstag sehnlichst auf Ihre gut gepolsterte Couch sanken? Wir kennen dieses Gefühl. Meine Frau und ich haben uns vor vier Jahren gefragt: Brauchen wir das alles wirklich? Die Antwort war radikal: Wir wollten es ohne versuchen. Seitdem leben wir in unserer Wohnung in Kapstadt fast ausschließlich auf dem Boden. Und die Bilanz nach all den Jahren? Überraschender, als Sie denken.
Wenn Sie diesen Text jetzt nicht lesen, wetten wir, dass Sie bald den gleichen Fehler machen werden. Denn das, was wir durch Möbelverzicht gewonnen haben, hat nichts mit billiger Einrichtung zu tun – es ist ein Schock für den Körper. Wir, beide Mitte 50 bzw. 60, hätten nie gedacht, dass wir unsere alten Campingmatratzen der Designer-Garnitur vorziehen würden. Aber hier ist die harte Wahrheit: Die Couch hat uns insgeheim ausgelaugt.
Der Schockmoment: Als der Podcast alles änderte
Minimalismus? Ja, das kannten wir schon seit 2008. Aber komplett auf Möbel zu verzichten? Das schien absurd. Wir standen kurz vor einem Umzug in ein großes, vollausgestattetes Haus (ja, die klassische Falle). Doch das Leben hatte andere Pläne, und plötzlich stand eine traumhafte, leere Wohnung mit einem fantastischen Garten zur Auswahl. Meine Frau war sofort Feuer und Flamme, der Kiefer im Garten gab ihr den Rest.
Die ersten Wochen: Schmerz, aber auch Befreiung
Am Anfang war es hart. Das Futon, das wir uns für den Übergang kauften, war ein Albtraum für unseren Rücken – weg damit. Wir landeten auf unseren alten, zuverlässigen Campingmatratzen. Es fühlte sich falsch an, aber irgendwie auch – richtig. Viele denken, es geht ums Wegwerfen, aber es geht um das Gegenteil: **eine Reaktivierung des Körpers.**

- Ständig auf und ab vom Boden: Das trainiert Muskeln, die Sie vergessen haben.
- Kein Versinken mehr: Die Haltung bessert sich dramatisch, weil Ihr Körper arbeiten muss.
- Verbesserte Balance: Aufstehen ohne Hände wird zur neuen Normalität.
Der versteckte Vorteil: Putzen wird zum Witz
Sie kennen das doch: Die Staubmäuse unter dem massiven IKEA-Schrank, die man nur mit Mühe erreicht. Dieses Problem existiert für uns nicht mehr. Das Fehlen von Möbeln macht das Wischen zu einer Angelegenheit von fünf Minuten.
Praktisch gesehen ein Riesengewinn, besonders wenn man, wie wir, öfter umzieht. **Kein Schleppen von schweren Schränken mehr.** Unser Zuhause sieht immer aufgeräumt aus, selbst wenn wir gerade auf dem Boden arbeiten. Das ist ein psychologischer Vorteil, den man nicht unterschätzen darf. Es fühlt sich an, als hätten Sie ständig aufgeräumt.
Und die Katze? Sie liebt es!
Sie werden es nicht glauben, aber unsere Katze scheint unseren neuen Lebensstil besser zu finden als wir. Statt auf dem Schoß zu sitzen, quetscht sie sich lieber zwischen unsere Beine, wenn wir auf den Yogamatten sitzen. Sie findet mehr Gelegenheiten, aktiv zu sein. Ein echtes Wohlfühl-Indiz.

Der Elefant im Raum: Besuch empfangen
Genau das fragen uns die Leute in Deutschland immer zuerst: „Und wie macht ihr das mit Gästen?“ Die Wahrheit ist: Wir laden sie nicht mehr auf einen gemütlichen Fernsehabend ein.
Wir haben diesen Teil des sozialen Lebens bewusst geopfert. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass sich Freunde unwohl fühlen, weil sie auf dem Boden sitzen müssen. Unser Kompromiss? Wir treffen uns draußen zum Kaffee oder gehen gemeinsam essen. Das funktioniert für unseren Freundeskreis. Aber Vorsicht: Dieser spezielle Lebensstil ist nichts für jedermanns Bequemlichkeitsanspruch.
Der unerwartete Umschwung
Die Ironie des Schicksals? Unser nächstes großes Experiment, geplant für Ende 2026, beinhaltet die Rückkehr zu einem Bett und einer Couch. Warum? Weil wir planen, in einem Van zu leben. Und selbst für unsere Bodenkulturisten ist ein Van ohne Schlafgelegenheit oder Sitzfläche eine Grenze, die wir nicht überschreiten wollen.
Dennoch würden wir die letzten vier Jahre nicht missen wollen. Wir sind fitter, unsere Wohnung ist klarer. Aber jetzt mal ehrlich: Wenn Sie heute Abend auf Ihrer teuren Couch sitzen – würden Sie diese gegen ein Leben auf dem Boden eintauschen, wenn es Ihnen dafür einen echten körperlichen Schub gäbe?









