Ich kündigte mit 29 und reiste alleine – warum ich meinen Eltern nichts sagte

Haben Sie jemals das Gefühl gehabt, auf der Überholspur zu sein, obwohl Sie gerade in die Wand fahren? Genau so fühlte es sich für Cassi Zheng an. Mit knapp 30 Jahren hatte sie einen Top-Job in Shanghai, aber ihr Körper sendete Notrufe: Panikattacken, chronische Müdigkeit. Ihr geniales Manöver? Kündigen und abhauen – ohne es den Eltern zu sagen.

Wenn Sie gerade im Hamsterrad stecken, lesen Sie weiter. Cassis Geschichte ist der Weckruf, den Sie brauchen, um zu erkennen, dass Perfektionismus unser größter Feind ist. Wir schauen uns an, wie die Flucht vor der eigenen Karriere zur besten Investition wurde.

Der Zusammenbruch: Als der Job zur toxischen Droge wurde

Cassi war Brand Directorin bei einem Sportgetränke-Startup. Klingt aufregend, war aber Gift. Sie jonglierte täglich mit unzähligen Menschen – Kunden, Lieferanten, Kollegen. Die ständige Performance-Erwartung fraß sie auf.

„Ich war erschöpft und litt unter chronischen Schmerzen.“ Das ist das Echo vieler Karrierefrauen in deutschen Großstädten – der Druck, immer verfügbar und erfolgreich zu sein, ist immens.

Die Kündigung: Ein Akt der Selbstverteidigung

Im Februar 2023 zog Cassi den Stecker. Mit 29 Jahren. Der Plan war, mit einem klaren Kopf in die 30er zu starten. Der Clou dabei: Ihre Eltern wussten von nichts. Ein absolutes Tabu in vielen traditionellen asiatischen Familien, aber für Cassi notwendig, um den Druck externer Erwartungen abzuschütteln.

Das erste Gefühl nach der Kündigung war Schock. Nicht etwa Erleichterung. Plötzlich war da nichts mehr. Kein Terminplan, keine E-Mails. Diese Leere löste reine Panik aus. Das zeigt: Wir definieren uns oft über das, was wir tun, nicht über das, was wir sind.

Ich kündigte mit 29 und reiste alleine – warum ich meinen Eltern nichts sagte - image 1

Die Flucht nach vorn: Allein reisen als Therapie

Anstatt sofort einen neuen Job zu suchen, stürzte Cassi sich ins Ungewisse. Erst die Action, dann die Reflexion.

Erste Stationen: Energie tanken durch Bewegung

Sie fuhr mit dem Fahrrad 10 Kilometer, nur um Kajak zu fahren. Das ist der erste versteckte Mehrwert ihrer Reise: Bewegung ohne Leistungsdruck. Sie erlebte eine paradoxe Mischung: Sie war müde, aber gleichzeitig voller neuer Energie. Viele in Europa vergessen, dass Erschöpfung oft ein Zeichen von Bewegungsmangel ist, nicht zu viel Arbeit.

Ihre erste große Reise führte sie nach Japan. Ein Ort, der für Introvertiertheit und Ruhe steht. Perfekt für jemanden, der täglich mit 30 Leuten reden musste.

  • In Tokio verbrachte sie ihren Geburtstag krank im Bett und lernte, das Hier und Jetzt wertzuschätzen.
  • Die Ruhe in buddhistischen Tempeln wirkte wie ein Reset-Knopf für ihr überreiztes Nervensystem.
  • Sie entdeckte die Schönheit des Alleinseins, etwas, das in der ständigen Verbundenheit eines Start-ups unmöglich ist.

Der Moment des emotionalen Durchbruchs auf Bali

Der Wendepunkt kam nicht beim Business-Meeting, sondern bei einem Tauchgang in somatischem Tanz auf Bali. Das ist der Teil, wo es wirklich wehtut – und heilt.

Ich kündigte mit 29 und reiste alleine – warum ich meinen Eltern nichts sagte - image 2

Dort begann sie, grundlos zu weinen. Zwei Tage lang. Die Lehrerin hielt sie davon ab, sich zu verstecken. **Für Cassi, geprägt durch strikte Ostasiatische Erziehung, war das die ultimative Entladung.** Sie erkannte: All die Jahre hatte sie externe Validierung gesucht – beim Chef, bei Kennzahlen, bei den Eltern.

Der große Hack ihrer Auszeit? Sie musste ihren Körper das sprechen lassen, was ihr Mund nicht sagen konnte.

Zurück zur Realität: Die Eltern-Konfrontation

An ihrem 30. Geburtstag war es Zeit für das Unvermeidliche: das Geständnis. Sie präsentierte ihren Eltern nicht nur die Geschichte des Gap Years, sondern auch den Businessplan für ihre neue Aromatherapie-Marke, Aurawell.

Natürlich waren sie schockiert. Aber Zahlen und Prototypen wirken oft Wunder. Jetzt reden sie sogar über KPIs (Key Performance Indicators), wenn sie sie besuchen. Der materielle Beweis hat die emotionale Kluft zur traditionellen Erwartung überbrückt.

Seit Mai 2024 ist Aurawell auf dem Markt. Cassi hat gelernt, dass ein Tempo-Wechsel nicht das Ende der Karriere bedeutet, sondern oft die beste Vorbereitung darauf.

Was denken Sie? Würden Sie für Ihre mentale Gesundheit Ihren etablierten Karrierepfad einfach über Nacht kappen? Oder ist dieser Schuss ins Blaue für Sie undenkbar?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1372

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert