Warum Amerikaner massenhaft ihr Auto stehen lassen – und was Fluglinien jetzt heimlich fürchten

Haben Sie das auch bemerkt? Auf den amerikanischen Schienen tut sich etwas Dramatisches. Es ist nicht nur ein kleiner Trend; es ist eine regelrechte Fluchtbewegung. Millionen Amerikaner kehren dem Auto und sogar dem Flugzeug den Rücken zu, um in den Zug zu steigen. Aber warum? Die Antwort liegt nicht nur in neuen, schnellen Zügen, sondern in einer tief sitzenden Frustration, die viele von uns im Alltag teilen.

Ich selbst habe neulich den Test gemacht: eine mehrtägige Fahrt quer durch die USA. Es war doppelt so teuer und dauerte 38 Stunden länger als ein Flug. Klingt nach Wahnsinn, oder? Doch genau diese „verschwendete“ Zeit lieferte atemberaubende Landschaften und Momente, die man im Flugzeug nie erleben würde. Doch hier ist der Punkt, den fast jeder übersieht: Es geht um die versteckten Kosten und den Stress, die wir beim Autofahren oder Fliegen einfach akzeptieren.

Amtrak boomt: Die Zahlen, die niemand erwartet hat

Amtrak, der halbstaatliche Gigant, meldet Rekorde. Im letzten Geschäftsjahr fuhren 34,5 Millionen Menschen mit dem Zug – 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist Historie. Trotzdem: Das Unternehmen braucht weiterhin staatliche Gelder, um profitabel zu werden. Das klingt widersprüchlich, aber genau hier liegt der Trick.

Das Juwel der Ostküste vs. das Abenteuer im Westen

Die Experten, die ich konsultiert habe, machen eine klare Unterscheidung:

  • Der Nordostkorridor: Das ist das Brot-und-Butter-Geschäft. Kurze Strecken zwischen Metropolen, wo der Zug oft schneller und bequemer ist als der Stau.
  • Die Langstrecken: Hier wird es spannend. Die mehrtägigen Reisen, wie meine Fahrt von L.A. nach Chicago, sind teuer, aber sie verkaufen sich als Erlebnis, nicht als Transportmittel.

Viele übersehen, dass Amtrak nicht primär auf Gewinn ausgelegt ist. Es wurde gegründet, um ein öffentliches Gut zu sichern, so wie Autobahnen oder Flughäfen, die wir auch subventionieren, ohne ihren täglichen Profit zu hinterfragen.

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Der heimliche Feind: Die „Windschutzscheiben-Zeit“

Warum ist Autofahren so unattraktiv geworden? Der Amtrak-Sprecher fasste es prägnant zusammen: „Windschutzscheiben-Zeit ist verschwendete Zeit.“

Wenn Sie am Steuer sitzen, können Sie keine abrechenbaren Arbeitsstunden sammeln. Sie starren auf die Straße, während der Sitznachbar im Zug seine E-Mails abarbeitet. Das ist ein versteckter Produktivitätsverlust, den die meisten Pendler für selbstverständlich hinnehmen.

Beim Fliegen sieht es nicht viel besser aus:

  • Ständige Angst vor Gebühren für Übergepäck.
  • Stress beim Sicherheitscheck.
  • Die Einschränkung, was Sie überhaupt mitnehmen dürfen.

Im Zug? Packen Sie, was in Ihr Abteil passt, schauen Sie aus dem Fenster und entspannen Sie. Das ist purer Luxus in unserer hyperaktiven Gesellschaft.

Wie 22 Milliarden Dollar die Erfahrung retteten

Die Wende kam durch massive Investitionen, maßgeblich befeuert durch das Infrastrukturgesetz von 2021 (22 Milliarden Dollar nur für Amtrak!). Diese Mittel flossen direkt in die Modernisierung:

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Was sich konkret verbessert hat:

  1. Gleise und Bahnhöfe wurden erneuert.
  2. Neue, schnellere Züge (wie die Acela im Nordosten) kommen auf die Schiene.
  3. Die alten Wagen werden durch moderne Lokomotiven ersetzt.

Das Ergebnis: Züge sind pünktlicher und die Fahrt ist komfortabler. Diese Investitionen haben Amtrak von einem notwendigen Übel in eine echte, begehrenswerte Alternative verwandelt.

Der politische Rückenwind (und seine Gefahr)

Ein letzter, wichtiger Punkt ist die politische Unterstützung. Viele Experten betonen, dass ein Zug-Enthusiast wie Joe Biden, Spitzname „Amtrak Joe“, einen riesigen Unterschied macht. Solange die Regierung hinter dem Schienennetz steht, fließt das Geld für die Modernisierung. Holt sich die Politik aber eine andere Richtung, droht Amtrak, wieder in alte Probleme zurückzufallen – nämlich veraltete Infrastruktur.

Es ist also gerade ein Zeitfenster, das wir nutzen sollten. Der Wandel hin zu umweltbewusstem und erlebnisorientiertem Reisen kommt Amtrak entgegen, besonders bei jüngeren Reisenden, die das Land „von unten“ sehen wollen.

Haben Sie schon einmal eine lange Zugreise durch die USA gemacht? Oder würden Sie es tun, wenn der Preis stimmt? Erzählen Sie uns von Ihren Erlebnissen in den Kommentaren!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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