Stell dir vor, du gibst für einen einzigen Großeinkauf so viel Geld aus, dass du dafür eine kleine Eigentumswohnung im Speckgürtel kaufen könntest. Klingt verrückt? In Tokio ist genau das passiert – nur handelte es sich nicht um Aktien oder eine seltene Rolex, sondern um einen Fisch. Ein einziger Thunfisch wechselte für 2,8 Millionen Euro den Besitzer. Du fragst dich jetzt, was dieser Fisch anders macht als der Lachs auf deinem Teller? Die Antwort ist komplexer, als du denkst, und hat weniger mit Geschmack als mit einem massiven PR-Stunt zu tun.
2,8 Millionen Euro: Ein Fisch, der die Preise sprengt
Auf der traditionellen Neujahrsauktion am Tokioter Toyosu-Markt gab es dieses Jahr einen neuen Rekord. Ein stattlicher Blauflossenthunfisch wurde für unglaubliche 510,3 Millionen Yen versteigert. Das entspricht umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das ist der Preis für ein solides Mittelklasse-Auto – oder eben 11.413 Euro pro Kilogramm Fleisch.
Der erfolgreiche Bieter? Kiyoshi Kimura, Chef der Sushi-Kette Sushi Zanmai. Angeblich war er selbst überrascht, wie schnell der Preis in die Höhe schoss. Kimura brach damit seinen eigenen Rekord von vor vier Jahren. In der Praxis bedeutet das: Bei Auktionen wie dieser geht es nicht nur darum, den besten Fisch zu bekommen.

Der wahre Grund für diese astronomischen Summen
Viele Menschen sehen solche Summen und denken sofort an die unschlagbare Qualität des Fisches. Das ist der erste Trugschluss. Wir in Deutschland kennen das vielleicht von saisonalen Luxusprodukten wie Spargel oder Trüffeln, aber in Japan ist das die jährliche Show.
Was viele übersehen: Diese erste Auktion des Jahres ist vor allem eine Performance. Es ist ein riesiger Neujahrs-PR-Move, um Medienpräsenz zu generrieren und den Start ins Geschäftsjahr zu zelebrieren. Der Fisch, gefangen vor der Küste von Oma – einer Region, die für Top-Thunfisch bekannt ist – ist quasi die Leinwand für eine Werbekampagne.
- Glücksbringer-Faktor: Der erste Fang des Jahres soll im ganzen Land Glück bringen.
- Medienfokus: Die Summe sorgt weltweit für Schlagzeilen (mission accomplished, Mr. Kimura).
- Normaler Verkaufspreis: Trotz der Millionensumme verkauft Kimura den Fisch später zum üblichen Standardpreis an seine Kunden weiter.
Die tickende Zeitbombe unter dem Meeresspiegel
Hier kommt der Teil, der uns alle angehen sollte, auch wenn wir nicht in Tokio Thunfisch essen. Der Pazifische Blauflossenthunfisch ist keine gewöhnliche Speise. Er ist massiv, kann bis zu 550 Kilogramm schwer werden – ein wahrer Unterwasser-LKW. Und er war lange Zeit stark gefährdet.
Der Grund? Die gnadenlose Überfischung für den globalen Sushi-Markt. Ich sage es ganz offen: Wenn du das nächste Mal im Supermarkt auf die Fischtheke schaust, um vielleicht einen schnellen Sushi-Abend zu planen, solltest du dir das bewusst machen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Genuss und Ausrottung.

Dank strengerer Quoten erholen sich die Bestände langsam. Aber die Wilderei bleibt ein ernstes Problem. **Dieser Rekordfisch ist somit auch ein Mahnmal dafür, wie viel die Industrie bereit ist, für das Symbol des Luxus zu zahlen – und was das Ökosystem kostet.**
Ein einfacher Tipp für deinen nächsten Einkauf
Wenn du Fisch liebst, aber die Überfischung nicht unterstützen willst (was in unseren Breitengraden ehrlich gesagt viel häufiger Lachs oder Kabeljau betrifft): Informiere dich über die Herkunft. Nutze die Siegel der MSC (Marine Stewardship Council).
Ich habe in meiner Praxis festgestellt, dass viele Verbraucher nur nach dem Preis schauen. Stattdessen gilt: Wenn die Quelle nicht klar ist, ist der „günstige Preis“ oft ein versteckter Preis für die Umwelt. Suche gezielt nach dem Hinweis, dass der Fisch aus nachhaltiger Zucht oder strikt regulierten Fangzonen stammt. Das ist der kleine Schritt, der den Unterschied macht.
Ein Fisch für 2,8 Millionen Euro – das ist ein Statement. Aber was denkst du: Ist diese jährliche Auktion ein notwendiges Kulturgut oder eine absurde Verschwendung von Ressourcen, die wir angesichts der Bedrohung des Tieres nicht mehr zelebrieren sollten?









