Dieses eine Detail machte Van-Leben zur Hölle – das Tiny House war nicht billiger

Sie träumen vom Aussteigen, vom Camper, der Sie in die Freiheit trägt? Mein Partner und ich haben zwei Jahre lang im Van gelebt und können Ihnen sagen: Die Postkartenidylle bekommt tiefe Risse. Es ist nicht nur der fehlende Parkplatz, der Sie nachts wachhält.

Wir dachten, wir jagen Abenteuer, doch am Ende jagte uns der Stress. Jetzt wohnen wir seit fünf Jahren im Tiny House. Wenn Sie vor der Wahl standen: Van oder Tiny House? Dann lesen Sie jetzt, warum die eine Option sich wie ein Gefängnis anfühlte, obwohl sie so viel billiger sein sollte.

Die Van-Falle: Freiheit ist nur ein anderes Wort für Instabilität

Anfangs war es wie im Werbevideo: Kaffee mit Blick auf die Berge, alle paar Tage ein neuer Garten als Vorgarten. Und ja, finanziell war es ein Knaller. Wir hatten damals einen großen Kastenwagen für knapp 34.000 Euro gekauft und mit etwa 8.600 Euro ausgebaut – dank unserer eigenen Solaranlage quasi autark.

Unsere monatlichen Fixkosten waren niedrig. Wir zahlten etwa 340 Euro Kreditrate für den Wagen, 130 Euro Versicherung und rund 170 Euro für Sprit. Wir haben nie einen Cent für Campingplätze ausgegeben, weil wir das Land nutzten, wo es erlaubt war. Unterm Strich lagen wir oft unter 860 Euro im Monat, inklusive Essen.

Der schockierende Preis, den Sie nicht auf Instagram sehen

Doch dieser Preis war emotional extrem hoch. Der allgegenwärtige Stress hat mich fast aufgefressen. Alles, was Sie besitzen, ist in einem rollenden Tresor untergebracht, der nur darauf wartet, geklaut zu werden. Und das ist nicht mal der schlimmste Punkt.

Dieses eine Detail machte Van-Leben zur Hölle – das Tiny House war nicht billiger - image 1

Was niemand erwähnt: Leben auf Rädern bedeutet, dass Ihr Zuhause buchstäblich kaputtgehen kann, wenn Sie einmal falsch über ein Schlagloch fahren. Eines Morgens wachte ich auf und wusste nicht, ob ich von Polizisten, Kühen oder wütenden Bauern umzingelt war, weil wir in der Nacht unwissentlich auf Privatgrund gefahren waren.

  • Keine Privatsphäre: Absolut keine.
  • Besuch bei der Familie? Das sind halbe Urlaubstage fürs Fahren.
  • Duschen? Nur in öffentlichen Fitnessstudios.

Freiheit fühlt sich im Van sehr schnell wie permanente Existenzangst an. Und dann kam Corona. Obwohl wir meistens mitten im Nirgendwo standen, ernteten wir auf Supermarktparkplätzen mit unserem fremden Kennzeichen Blicke und mussten uns anhören, wir sollen „zu Hause bleiben“ – dabei war das unser einziges Zuhause!

Der Umzug ins Tiny House: Teurer, aber ruhiger

Der Sog dieses unsteten Lebens wurde uns zu groß. Wir tauschten die vier Räder gegen vier feste Wände und zogen in unser 37 Quadratmeter großes Tiny House. Der Unterschied war sofort spürbar: fließendes Wasser, Strom, der auch bei schlechtem Wetter funktionierte, und genug Platz, um nebeneinander in der Küche zu stehen.

Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Der finanzielle Schock war real. Die Hypothek und die Pacht für das Grundstück zusammen kosteten doppelt so viel wie die alte Rate für den Van. Die Nebenkosten explodierten.

Dieses eine Detail machte Van-Leben zur Hölle – das Tiny House war nicht billiger - image 2

Statt einer Propangasflasche für 25 Euro im Monat zahlten wir plötzlich 300 Euro für Strom, Wasser, Gas und Internet – zusätzlich zur noch abbezahlten Van-Rate (die wir erst verkaufen mussten). Alles in allem war das Tiny House am Anfang eine massive finanzielle Herausforderung.

Der unbezahlbare Wert: Eine Adresse

Was wir dafür gewannen, war etwas, dessen Fehlen wir nie erkannt hatten: Stabilität. Wir haben Nachbarn, wir können Kräuter im Garten ziehen, und die Veranda rollt nicht weg, wenn der Wind auffrischt. Das ist das Gefühl von Zugehörigkeit.

Mein Fazit: Bewegung braucht einen Anker

Wenn ich eine Option wählen müsste, wäre es das Tiny House. Nicht, weil es einfacher ist – es ist teurer und komplizierter –, aber es fühlt sich endlich wie unser Ort an.

Ich vermisse die Möglichkeit, im Januar nach Teneriffa zu düsen, um dem Schnee zu entkommen. Aber ich vermisse es nicht, um 3 Uhr morgens aus Angst vor Kühen oder der Polizei aufzuwachen. Das Van-Leben hat mich gelehrt, dass die Freude am Reisen nur durch Ruhe dazwischen entsteht. Ohne festen Boden wirkt die endlose Bewegung nur noch leer.

Was denken Sie? Ist die Freiheit des Vans das ganze Geld und der Stress wert, oder ist ein fester Anker – auch wenn er mehr kostet – der wahre Luxus? Lassen Sie uns in den Kommentaren darüber diskutieren!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1367

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert