Wegen steigender Hitze reagieren Honigbienen plötzlich langsamer – Experten warnen vor Ernte-Chaos

Haben Sie heute Morgen Ihren Kaffee getrunken und dabei an die fleißigen Bienen gedacht, die für Ihr Frühstücksumfeld sorgen? Vergessen Sie alle Berichte über Pestizide und Städtebau – eine völlig andere, viel subtilere Bedrohung bringt das Verhalten unserer Honigproduzenten massiv aus dem Takt. Ich habe mir die neuen Ergebnisse aus der Forschung angesehen und musste erst einmal schlucken.

Wissenschaftler der Monash University haben gerade eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Es ist nicht nur die Urbanisierung, die unsere Apis mellifera (die europäische Honigbiene) stresst. Es ist die Temperatur. Und die Reaktion der Bienen auf diesen Stress ist beunrustigender, als man denkt.

Warum das Licht plötzlich anders aussieht: Der Hitze-Schock

Viele von uns denken, Hitze sei einfach nur unangenehm. Für eine Biene kann sie eine existenzielle Krise auslösen. Die Forscher haben sich angesehen, wie schnell Bienen auf Lichtreize reagieren – ein Verhalten, das essenziell für die Orientierung, die Blumensuche und die Rückkehr zum Stock ist.

Was sie fanden, ist ein direkter Warnschuss:

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Nur die Honigbiene zögert bei hohen Temperaturen

Im Gegensatz zu den widerstandsfähigen heimischen australischen Bienenarten zeigten die europäischen Honigbienen eine klare Verlangsamung ihrer Reaktion. Stellen Sie sich vor, Ihr Navi würde plötzlich langsamer werden, je wärmer es im Auto wird.

  • Bei 28°C reagierten sie normal.
  • Bei 32°C wurde die Reaktionszeit auf Licht signifikant länger.
  • Einheimische Arten behielten ihr Tempo bei – egal wie heiß es wurde.

In unserer Region, in der die Sommer immer heißer werden, könnte dieser Hitzestress bei Bienen, die wir für die Ernte nutzen, massive Folgen haben. Die Forscher vermuten, dass thermische Belastung direkt die neurologischen Prozesse stört.

Was bedeutet eine langsamere Reaktion für Ihren Honigvorrat?

Die Reaktion auf Licht ist kein Nebeneffekt; sie ist das Betriebssystem der Biene. Wenn die Bienen langsamer auf Lichtquellen reagieren, verlieren sie die Effizienz bei der Nektarsuche. Sie finden Blüten später, koordinieren sich schlechter und bringen weniger Nahrung in den Stock.

Das bedeutet in der Praxis: Weniger Ertrag, vielleicht sogar eine geschwächte Kolonie, die den Winter nicht übersteht. Und das betrifft direkt die Imker hier bei uns, die oft schon mit steigenden Kosten für Futter und Material kämpfen.

Man sollte nicht vergessen: Die Bienen nutzen Licht zur Navigation. Wenn dieses interne System unter Hitze flackert, verlieren sie vielleicht nicht nur den Weg zur Linde, sondern auch den Weg zurück nach Hause. Dies könnte sich auf andere kritische Verhaltensweisen übertragen, wie die Kommunikation im Stock.

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Der Überlebens-Tipp: Warum Vielfalt zählt

Die gute Nachricht ist: Nicht alle Bienen sind gleich sensibel. Die einheimischen Gattungen, die man abseits der intensiv bestellten Felder findet, zeigen eine erstaunliche Resilienz. Genau das macht diese Studie so wichtig für unsere Umweltpolitik.

Wir müssen aufhören, uns nur auf die Honigbiene zu verlassen. Wenn wir zum Beispiel in unseren Stadtparks und Schrebergärten viel mehr verschiedene, lokale Pflanzen fördern, unterstützen wir die robusteren Arten. Das schützt unser Ökosystem und unsere landwirtschaftliche Zukunft – selbst wenn die Temperaturen weiter steigen.

Mein Fazit aus der Praxis: Schauen Sie beim nächsten Einkauf genau hin. Wenn Sie die Wahl haben zwischen Honig von Monokulturen und Sorten, die von lokalen Imkereien stammen, die auf Diversität achten, unterstützen Sie die Bienen, die wissenschaftlich erwiesenermaßen besser mit dem Klimawandel umgehen können.

Es bleibt die große Frage: Wie viel Toleranzgrenze haben unsere wichtigsten Bestäuber noch, bevor das System kippt? Welche konkreten Maßnahmen sehen Sie in Ihrer Region, um Bienen vor der unsichtbaren Gefahr der Hitzewellen zu schützen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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