Stellen Sie sich vor, Sie machen Ihren täglichen Spaziergang an der Ostsee, nippen an Ihrem viel zu heißen Kaffee und dann das: Mitten in der Flensburger Förde, dort, wo sonst nur die kleinen Schweinswale die Wellen brechen, taucht plötzlich ein riesiger Schatten auf. Wer dachte, die Natur hätte uns an der Küste nichts Überraschendes mehr zu bieten, sieht sich jetzt eines Besseren belehrt. Vergessen Sie die üblichen Möwen und Krabben – hier ist ein Gigant zu Gast, und er ist nicht zufällig hier.
Der unerwartete Gigant: Warum dieser Wal nicht in die Förde gehört
Normalerweise ist die Ostsee das Revier der recht überschaubaren Schweinswale. Doch seit Jahresbeginn sorgt ein viel größerer Meeresbewohner regelmäßig für aufgeregte Rufe an den Ufern zwischen Flensburg und Kollund. Die Experten sind sich einig: Es handelt sich um einen Finnwal.
Ein seltenes Zeichen: Die Schwimmroute eines Riesen
Dagmar Struß, Expertin für Ostseeschutz, bestätigt, was viele Beobachter kaum glauben können: “Wir haben das große Glück, dass wir mal einen Finnwal sehen können.” Aber warum der weite Weg in die eher flachen Gewässer der Förde? Das ist weniger Glück als vielmehr reine Notwendigkeit.
- Finnwale folgen nicht dem Zufall, sondern der Speisekarte.
- Sie sind auf der Jagd nach dicken Heringsschwärmen.
- Ihre Anwesenheit zeigt: Auch die Nahrungskette in der Ostsee ist momentan aktiv.
Wichtig: Viele denken, der Wal hätte sich verlaufen. Das stimmt nicht. Er ist gezielt hier, weil es sich lohnt.

Die spezielle Markierung: So identifizieren Experten „Ihn“
Wenn Ihnen jemand erzählt, es sei nur ein beliebiger Wal, lassen Sie sich das nicht gefallen. Experten wie Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum haben den Besucher anhand eines einzigartigen Merkmals identifiziert. Es ist kein generischer Finnwal – es ist unser Finnwal.
Der optische Schlüssel zur Identität
“An einer charakteristischen Kerbe an der Rückenfinne ist erkennbar, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das wir schon seit Anfang Januar beobachten”, erklärt Denkinger. Das bedeutet, dieses Tier sucht seit Wochen die hiesigen Gewässer auf.
So sehen Sie den Wal (ohne stundenlang zu warten)
An den Molen und Uferpromenaden herrscht aktuell eine Art inoffizielles „Whalewatching“ – nur eben ohne kommerzielle Boote. Die Menschen sind begeistert, die Stimmung erinnert an ein kleines Volksfest am Wasser. Viele berichten von kurzen, aber intensiven Momenten.

“Ich habe gar nicht damit gerechnet, ihn zu sehen”, verrät eine Beobachterin. Wenn Sie den Giganten selbst entdecken möchten, gibt es einen einfachen Küsten-Hack:
- Gehen Sie bei möglichst glatter Wasseroberfläche auf Beobachtung. Wellen verdecken die Sicht sofort.
- Vergessen Sie lange Ferngläser. Oft ist das bloße Auge effektiver, wenn der Wal nahe der Oberfläche atmet.
- Seien Sie geduldig – der Lufthauch ist oft spannender als der Wal selbst.
Die Leute schwärmen von den Momenten. Eine Frau fasste es perfekt zusammen: “Wunderschön, einfach traumhaft. Und gestern noch die Polarlichter bei uns. Was will man mehr aus dem Norden hören?” Dieser seltene Gast bringt eine fast schon mystische Stimmung an Ihren sonst so bekannten Ostseestrand.
Ihr nächster Deichspaziergang wird anders
Dieser Finnwalbesuch ist mehr als nur eine nette Anekdote. Es ist ein lebendiger Beweis dafür, dass die Ostsee, selbst in unseren heimischen Buchten, noch immer große Geheimnisse birgt. Bevor er weiterzieht, nutzen Sie die Chance, dieses 20 Meter lange Naturwunder zu erleben.
Haben Sie den Finnwal schon gesichtet? Und wenn nicht: Was ist das überraschendste Tier, das Sie jemals in der Nähe Ihrer Heimatstadt gesehen haben?









