Haben Sie in den letzten Nächten auch diesen mystischen Schein am Himmel gesehen? Viele haben uns Bilder geschickt: leuchtendes Rosa und helles Grün über unseren Köpfen. Was viele nicht wissen: Diese Farben sind kein Zufall, sondern ein exaktes Barometer dafür, wie hoch oben die Sonnenpartikel mit unseren Gasen kollidieren. Wenn Sie das nächste Mal eines dieser himmlischen Feuerwerke sehen, verstehen Sie plötzlich, was da wirklich passiert.
Erst kürzlich, nach einer heftigen Sonneneruption, konnten wir dieses Spektakel selbst hier bei uns beobachten – ein Phänomen, das sonst oft den hohen Norden vorbehalten bleibt. Die plötzliche Sichtbarkeit hat viele überrascht. Aber blicken wir genauer hin: Es geht nicht nur um die Schönheit, sondern um einen faszinierenden physikalischen Prozess, den wir bisher oft übersehen haben.
Die Farben sind Ihr Höhenmesser: Was die Physik Ihnen zeigt
Diese tanzenden Lichter entstehen, wenn energiereiche Teilchen vom Sonnenwind auf unsere atmosphärischen Gase treffen. Je nachdem, mit welchem Gas und in welcher Höhe das passiert, ändert sich die Farbe dramatisch. Es ist, als würde das Universum Ihnen in Echtzeit eine Höhenkarte senden.

Was viele übersehen: Die Intensität des Sonnensturms spielt direkt in die Farbpalette hinein. Ein kräftigerer Stoß liefert intensivere und breitere Farbspektren. Viele dachten, das Grün sei einfach „Standard“, aber die Mischung verrät die genaue „Postleitzahl“ der kosmischen Kollision.
Das geheime Farbcodes: Höhe und Gas im Check
Merken Sie sich diese einfachen Unterscheidungen. Sie brauchen keine Astronomievorbildung, um die Höhe abzuschätzen:
- Grün: Die Mittelschicht. Das ist die häufigste Farbe. Sie signalisiert Kollisionen mit Sauerstoff in einer Höhe von etwa 100 bis 300 Kilometern. Oft dominiert dieser Ton, wenn die Aktivität moderat ist.
- Rot/Rosa: Die Riesenhöhe. Wenn Sie tiefes Rot oder ein intensives Rosa sehen – herzlichen Glückwunsch. Das bedeutet, die Sauerstoffatome werden erst in schwindelerregenden 300 bis 400 Kilometern Höhe getroffen. Das sehen wir hierzulande extrem selten.
- Rosa (niedrig): Der Stickstoff-Hinweis. Eine rosafarbene Aura, die tiefer sitzt (etwa 100 km Höhe), stammt meist aus Kollisionen mit Stickstoff. Das ist oft der „Bodenkontakt“ der Aurora.
Wenn es blau oder violett wird: Die seltenen Gäste
Blau und Violett sind die wahren Raritäten am Himmel. Ich habe in meiner Beobachtungspraxis nur einmal ein schwaches Violett am Horizont erhascht. Diese Farben entstehen, wenn Wasserstoff oder Helium in der oberen Atmosphäre getroffen werden.
Wichtig zu wissen: Diese Töne sind so schwach, dass Ihr Auge sie bei schlechten Lichtverhältnissen oder wenn Sie erwarten, „klassisches“ Grün zu sehen, einfach ignoriert. Es ist fast wie ein Flüstern am Himmel, das man nur mit voller Aufmerksamkeit wahrnimmt.

Praktischer Tipp: So entschlüsseln Sie Ihr lokales Polarlicht
Wenn Sie das nächste Mal ein Nordlicht über dem Alpenvorland oder vielleicht bei uns im Flachland sehen, denken Sie an die lokalen Gegebenheiten. Im Gegensatz zu den Skandinaviern, die oft das Grün sehen, ist die rosa Färbung bei uns oft ein Zeichen dafür, dass die Sonnenenergie so stark war, dass sie bis in die dichteren Schichten unserer Atmosphäre vordringt.
Mein persönlicher Tipp für Sie: Wenn Sie das nächste Mal Rosa oder Rot entdecken, machen Sie ein Foto mit langer Belichtungszeit und stoppen Sie kurz. Die Kamera fängt oft Farben ein, die das menschliche Auge bei kurzer Betrachtung nicht schnell genug verarbeiten kann. Das gibt Ihnen einen direkten Einblick in die seltenen, hohen Schichten.
Die Farben der Polarlichter sind somit kein Zufallsprodukt, sondern ein wissenschaftliches Display, das uns verrät, wie weit die Energie der Sonne tatsächlich in unser System eindringt. Welchen Farbton haben Sie zuletzt beim Nordlicht am Himmel über Ihrer Stadt gesehen?









