Stellen Sie sich vor: Sie sind Mitte 50 oder sogar schon über 60. Die Gesellschaft erwartet, dass Sie es sich auf einem Sessel bequem machen, vielleicht mit einem TV-Tablett. Wir dachten das auch. Doch meine Frau und ich haben uns kürzlich von fast allen Möbeln getrennt. Wir schlafen auf Campingmatratzen und verbringen unsere Tage auf dem Boden. Hört sich das nach einem schlechten Witz an? Vielleicht. Aber wir waren noch nie gesünder und zufriedener.
Als ich vor Kurzem noch träge auf unserer schrecklich bequemen L-förmigen Couch versackte, hätte ich selbst nicht geglaubt, dass dies unsere Zukunft sein würde. Doch dieses Experiment hat uns etwas gezeigt, was uns die teuren Möbel jahrelang verwehrt haben. **Wenn Sie glauben, dass Ihre Rückenschmerzen nur vom harten Arbeitstag kommen, lesen Sie unbedingt weiter.**
Vom Couch-Potato zum Boden-Krieger: Wie das passierte
Wir sind seit 2008 Fans des Minimalismus, aber die Idee, komplett auf Möbel zu verzichten, klang absurd. Dann hörte ich zufällig einen Podcast. Die Idee, alles wegzulassen, faszinierte mich sofort, meine Frau war skeptischer.
Das Schicksal griff ein, als unser Umzug aufs Land scheiterte. Wir standen plötzlich vor einer Traumwohnung in Kapstadt – unmöbliert und bezahlbar. Meine Frau war vom riesigen, bienenfreundlichen Garten sofort überzeugt. Ich vermute, sie hätte zugestimmt, selbst wenn wir draußen im Zelt hätten schlafen müssen.
Die ersten harten Lektionen (und warum das Futon scheiterte)
Wir starteten holprig. Unser erstes Opfer war ein billiges, niedriges Futon. Ein totaler Reinfall für unseren Rücken, es flog schnell raus. Wir wollten eigentlich Tatami-Matten kaufen, aber unsere tiefe Sparsamkeit – das Prinzip „Wenn’s nicht kaputtgeht, braucht man’s nicht ersetzen“ – hat uns auf unseren alten Campingmatratzen kleben lassen.

Das Bauchgefühl sagte uns aber von Tag eins: Auf dem Boden liegen fühlt sich richtig an.
Die körperlichen Überraschungen: Stärker ohne Ergonomie
Schon nach einem Monat bemerkten wir eine deutliche Veränderung. Wir fühlten uns körperlich fitter. Das liegt daran, dass der Boden Sie zwingt, sich zu bewegen und aufrecht zu bleiben.
Ohne den Komfort eines tiefen Bürostuhls, in dem man versinkt, erinnert uns jeder Moment daran: Steh auf, verändere deine Position, bewege dich. Hier sind die physischen Gewinne, die wir gesammelt haben:
- Bessere Haltung: Der Zwang, vom Boden aufzustehen, trainiert die aufrechte Haltung unwillkürlich.
- Verbesserte Balance: Wir trainieren kontinuierlich, ohne die Hände frei aufzustehen und uns hinzusetzen.
- Mehr Bewegung im Alltag: Jede Interaktion wird zu einer kleinen Fitnessübung.
Ordnung und Freiheit: Mehr Platz, weniger Stress
Abgesehen von der körperlichen Fitness gibt es massive Logistikvorteile. Wenn Sie in den letzten Jahren öfter umgezogen sind (was bei uns oft der Fall war), wissen Sie, wie stressig das ist. Ohne schwere Sofas und Schränke wird ein Umzug zum Kinderspiel. Dieser Lebensstil passt perfekt zu unserem Wunsch nach ständiger Veränderung.
Und was die Sauberkeit angeht: Unsere Wohnung sieht IMMER aufgeräumt aus. Warum? Weil es nichts gibt, was im Weg steht. Zusätzlich liebt unsere Katze diese Situation. Sie kann unter unseren Beinen hindurchhuschen, anstatt nur auf dem Schoß zu sitzen – und die Bodenfläche bietet ihr unendlich viele Möglichkeiten.

Der Haken: Wie man Gäste empfängt
Die häufigste Frage, die uns gestellt wird, wenn wir von unserem Leben auf den Campingmatten erzählen (wir leben ja in einer schönen Gartenwohnung in Kapstadt, das müssen wir erwähnen!), ist: „Aber wie bewirtet ihr Gäste?“
Die ehrliche Antwort: Wir tun es nicht im klassischen Sinne. Ein Leben ohne Sofas ist definitiv nichts für Stubenhocker. Wir wollen niemandem das Gefühl geben, unbeholfen auf dem Boden sitzen zu müssen.
Deshalb haben wir einen Mittelweg gefunden: Wir treffen uns draußen. Spaziergänge, Kaffee in einem Café oder ein gemeinsames Abendessen. Das funktioniert für uns perfekt, weil wir so soziale Kontakte pflegen, ohne unsere Wohnstruktur zu sprengen.
Und ja, es gibt eine Ironie: Unser nächstes großes Experiment, geplant für Ende 2026, sieht die Rückkehr zu Bett und Couch vor – aber nur, weil wir dann versuchen, im Van zu leben. Aber selbst für uns gibt es Grenzen: Für diesen Grad der Unbequemlichkeit sind wir dann doch nicht bereit.
Was denken Sie? Würden Sie einen Monat lang alles abschaffen, was Sie am Boden festhält? Oder hält Sie die Angst vor Rückenschmerzen davon ab, diesen Schritt zu wagen?









