Haben Sie auch dieses Gefühl? Sie quälen sich durch Kilometer um Kilometer, aber die Motivation ist im Keller und die Ergebnisse stagnieren? Ich kannte das nur zu gut. Nach fast zehn Jahren hingebungsvollen Laufens war ich nicht nur körperlich, sondern auch mental komplett fertig. Wenn Ihnen gerade beim Gedanken an die nächste Laufrunde ein tiefer Seufzer entfährt, sparen Sie sich die Zeit: Ich habe meinen Trainingsplan komplett gekippt und laufe – ironischerweise – gar nicht mehr täglich. Was stattdessen passierte, hat mich fitter, ruhiger und überraschenderweise sogar schlanker gemacht.
Das böse Plateau: Als Laufen zum Zwang wurde
Zehn Jahre. Täglich die gleichen Meter, das gleiche Tempo. Selbst der Marathon im letzten Jahr, der eigentlich ein Triumph sein sollte, fühlte sich danach nur noch nach Pflicht an. Der große Schock kam, als ich feststellte, dass mein Körper sich an das Tempo gewöhnt hatte. Der Kalorienverbrauch sank, und um wieder Fortschritte zu machen, hätte ich mich wieder pushen müssen – aber die Lust war einfach weg.
Der stille Tod der Motivation
Hinzu kam die Monotonie. Meine Laufgruppe hatte sich aufgelöst, und plötzlich war Joggen eine einsame Angelegenheit. Ich hätte mich einem neuen Club anschließen können, aber ehrlich gesagt: Ich wollte einfach nicht mehr gegen den inneren Widerstand ankämpfen, um bei Minusgraden rauszugehen und mich wie ein gestresster Hamster auf dem Rad zu fühlen.
- Der Körper hatte sich an das Tempo gewöhnt (Plateau-Effekt).
- Die sozialen Kontakte fehlten, was es einsam machte.
- Der mentale Druck, „professionell“ trainieren zu müssen, war zu hoch.

Der radikale Tausch: Von der Laufbahn auf die Straße
Mitte 2025 habe ich die Notbremse gezogen. Statt täglich drei bis vier Meilen zu joggen, habe ich das Wort „Joggen“ gestrichen und durch „Spazierengehen“ ersetzt. Klingt harmlos, oder? Doch dieser scheinbar kleine Schritt hatte dramatische Auswirkungen auf meinen Stoffwechsel und meine Psyche.
Die Kalorienfrage – und wie ich sie gelöst habe
Die erste Sorge kenne ich nur zu gut: Man verbrennt beim Gehen weniger Kalorien pro Minute. Das ist wahr. Aber hier ist der Trick, den viele übersehen: Wenn die Aktivität Spaß macht, verlängert man die Dauer automatisch.
Ich gehe jetzt täglich eine Stunde – oft doppelt so lange wie früher gelaufen. Das Beste daran? Keine Umzieh-Zeremonie, kein sofortiges Duschen. Ich stehe auf und gehe, ob in der Mittagspause oder einfach eine Station früher aus der U-Bahn in der Stadt. Diese tägliche Routine ist unschlagbar, selbst auf Reisen.

Der versteckte Vorteil: Bessere Leistung im Fitnessstudio
Der mentale Gewinn war sofort spürbar: weniger Stress. Aber auch körperlich tat sich etwas. Weil das Gehen mein Nervensystem beruhigte, fühlte ich mich an den Tagen, an denen ich Krafttraining machte, erholter und stärker. Ich konnte bei den Kursen aggressiver mit Gewichten arbeiten. Ich habe gemerkt, dass ich in einer intensiven Krafteinheit fast so viele Kalorien verbrenne wie bei einem 5-km-Lauf – mit dem Zusatzbonus, Muskeln aufzubauen, statt sie nur zu ermüden.
Wenn ich heute laufe, dann nur noch für kurze, hochintensive Sprints. Diese 2-4 Minuten auf dem Laufband, in denen ich mich wirklich fordern muss, machen mir seitdem mehr Spaß, weil sie die Ausnahme sind, nicht die Regel.
Die psychologische Entlastung: Weniger Belohnung nötig
Der ständige Druck beim Laufen führte oft zu einer Frustspirale. Wenn ich nach einer harten Einheit heimkam, fühlte es sich an, als müsste ich mir etwas gönnen (mehr naschen, das Glas Wein mehr). Ohne den Zwang, morgens bei Eis und Schnee loszumüssen, verschwanden diese kleinen „Belohnungen“ fast von selbst. Der Verzicht fühlte sich nicht mehr nach Verzicht an.
Ich bin ruhiger, nehme leichter ab und fühle mich fitter als je zuvor – alles, weil ich mein jahrelanges Trainingsdogma über Bord geworfen habe. Manchmal ist weniger Anstrengung die effektivste Strategie.
Haben Sie auch eine Sportart, die Sie aus purer Gewohnheit durchziehen, obwohl sie Ihnen Energie raubt? Was wäre Ihr „radikaler Tausch“?









