Diese Fische erkennen Ihr Gesicht – und sie haben keinen Neokortex

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Gesichter markieren und wiedererkennen, obwohl Ihr Gehirn für diese komplexe Aufgabe angeblich nicht ausgerüstet ist. Jahrzehntelang dachte die Wissenschaft, Gesichtserkennung sei ein Privileg von Primaten, Vögeln und Menschen, da sie einen großen Neokortex benötigt. Doch dann tauchten die Pfeilschützenfische auf und stellten alles auf den Kopf.

Diese Fische, die man oft in den Mangrovenwäldern Südostasiens und Nordaustraliens findet, sind für ihre einzigartige Jagdtechnik bekannt: Sie spucken Wasserstrahlen auf Insekten, die über der Oberfläche sitzen. Aber ihre verborgene Superkraft ist weitaus beeindruckender und stellt unser Verständnis von tierischer Intelligenz fundamental in Frage.

Die Überraschung im Wassertank: Was Forscher entdeckten

Im Jahr 2016 veröffentlichten Forscher der Universitäten Oxford und Queensland eine Studie, die in Fachkreisen einschlug wie eine Bombe. Sie testeten das sogenannte Target Recognition – die Fähigkeit, ein bekanntes Gesicht unter vielen unbekannten zu selektieren.

In Deutschland ist der Umgang mit komplexen Mustern oft ein Qualitätsmerkmal, sei es bei der Auswahl des richtigen Werkzeugs im Baumarkt oder beim Erkennen von Betrugsmaschen im Alltag. Der Pfeilschütze zeigt, dass unser Fokus auf der Gehirngröße oft irreführend ist.

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Der Trick mit dem Wasserspucker

Die Vorgehensweise war genial einfach und erschreckend in ihrer Implikation:

  • Die Fische wurden trainiert, auf ein spezifisches menschliches Gesicht mit einem Wasserstrahl zu zielen, wofür sie belohnt wurden (Futter).
  • Danach wurden ihnen das trainierte Gesicht zusammen mit 44 völlig neuen Gesichtern präsentiert.

Das Ergebnis? Die Fische erkannten das trainierte Gesicht mit einer Genauigkeit von etwa 81 Prozent! Das ist keine einfache Reaktion auf einfache visuelle Muster, wie man es von einfachen Reflexen kennt.

Was bedeutet das für unser Bild von Intelligenz?

Dieser Fisch hat keinen Neokortex – jenen Teil des Gehirns, den wir bisher für das abstrakte Denken und komplexe visuelle Verarbeitung verantwortlich machten. Er beweist, dass hoch entwickelte kognitive Fähigkeiten nicht zwingend an unsere spezifische Gehirnarchitektur gebunden sind.

Man muss sich das vorstellen: Obwohl der Pfeilschütze anders „verdrahtet“ ist, kann er Informationen aufnehmen, speichern und diese Erinnerung gezielt im Erkennungsprozess nutzen. Das ist Speichermanagement auf höchstem Niveau, das wir sonst nur höheren Säugetieren zuschreiben.

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Ihr Alltags-Hack: Vergleichen Sie nicht immer Äpfel mit Birnen

Was können wir, die wir uns täglich mit schnellen Entscheidungen und Informationsflut auseinandersetzen müssen (besonders wenn wir morgens im Berufsverkehr in Richtung Stadtzentrum unterwegs sind), daraus lernen?

Der Pfeilschütze lehrt uns, nicht nur die Hardware zu bewerten, sondern die Leistung zu messen. Nur weil ein System anders aufgebaut ist als unseres, heißt das nicht, dass seine Fähigkeiten geringer sind. Häufig übersehen wir geniale Lösungen, weil sie nicht unserem etablierten Schema entsprechen.

Denken Sie das nächste Mal daran, wenn Sie eine komplizierte Aufgabe lösen müssen: Vielleicht liegt die Lösung nicht in mehr „Rechenleistung“ (stärkeres Gehirn), sondern in einer völlig neuen, unkonventionellen Methode des „Spritzens“ (Vorgehensweise).

Dieser kleine Fisch zwingt uns, die Definition von Intelligenz neu zu kalibrieren. Was denken Sie, welche andere „niedere“ Spezies wir möglicherweise unterschätzen, weil ihr Gehirn anders aussieht?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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