Der Traum platzte: Darum brach dieser City-Umzug nach zwei Jahren Landleben zusammen

Du kennst das Gefühl: Die Hektik von Berlin oder New York macht dich fertig. Du sehnst dich nach Ruhe, Garten und frischer Luft. Als wir den Schritt nach Frankreich wagten, dachten wir, wir hätten das perfekte Rezept gefunden – mehr Platz, Natur und Nähe zur Familie. Zwei Jahre später? Wir waren auf der Flucht. Was im Prospekt wie Idylle klang, entpuppte sich als gnadenloser Albtraum. Lies das, bevor du deinen Mietvertrag in der Großstadt kündigst.

Der erste Schock: Ohne Schlüssel zur Freiheit

Ich bin in Kalifornien aufgewachsen und habe mein Leben lang darauf hingearbeitet, endlich in die Metropole zu kommen. New York, dann Berlin. Ich dachte, ich hätte die Natur hinter mir gelassen. Falsch gedacht. Als mein Mann vorschlug, aufs Land in Frankreich zu ziehen (wir taten es 2021, inmitten der COVID-Wirren), nickte ich – getrieben von dem Wunsch nach mehr Raum und unseren Liebsten nahe zu sein.

Mein Bauchgefühl schrie Alarm, aber ich ignorierte es. Heute weiß ich: Meine alten Ängste kamen mit voller Wucht zurück.

Ohne Führerschein war ich praktisch im Wartestand

In der deutschen Großstadt oder in Berlin brauchst du kein Auto. Hier? Ohne Mobilität bist du ein Gefangener. Wir brauchten über einen Monat, um überhaupt die ersten Euros für ein klappriges Auto zusammenzukratzen. Radfahren? Auf diesen Hügeln vergiss es.

Der Traum platzte: Darum brach dieser City-Umzug nach zwei Jahren Landleben zusammen - image 1

Das Schlimmste: Nur mein Mann hatte den Schein. Ich war auf Fahrten angewiesen. Das nagte an mir. Stell dir vor, du lebst in der Provinz und musst für ein einfaches Sesamöl in die nächste Großstadt pendeln, weil der Dorfladen es nicht führt. Diese Abhängigkeit war mein persönlicher Endgegner.

  • Öffentliche Verkehrsmittel? Fehlanzeige.
  • Stundenlanger Fußweg zu Läden, die oft geschlossen waren.
  • Keine Uber Eats-Lieferung im Nirgendwo.

Die unsichtbare zweite Vollzeitstelle: Haus und Hof

Klar, wir hatten Platz. Nach Jahren der lauten Berliner Mietwohnung war das ein Segen. Doch der Platz kam mit einer riesigen Rechnung – der Instandhaltung.

In der Stadt putzt du deine Wohnung an einem Nachmittag. Hier waren wir verantwortlich für:

Das riesige Miethaus, den Garten, die anliegende Scheune und die alten Pferdeställe. Ich habe die Zeit schmerzlich vermisst, in der ich nur für meine 60 Quadratmeter zuständig war. Plötzlich war die Gartenarbeit kein Hobby mehr, sondern eine erdrückende Pflicht.

Wo bleibt das soziale Leben, wenn die Nachbarn 50 Jahre älter sind?

Unser Dorf hatte unter 400 Einwohner. Die Lebensrhythmen stimmten selten überein. Wenn du aus Berlin kommst, wo man sich im Café über KI unterhält, ist der Austausch über lokale Katzeninitiativen oder die Politik schwierig.

Der Traum platzte: Darum brach dieser City-Umzug nach zwei Jahren Landleben zusammen - image 2

Hinzu kam die Sprachbarriere. In Berlin sprechen alle Englisch. Hier konnte ich mit meinem damals noch rudimentären Französisch kaum meine Ansichten vertreten. **Ich fühlte mich nicht als Teil der Gemeinschaft, sondern wie ein Tourist, der sich verirrt hatte.** Das Gefühl der Isolation fraß sich tief ein.

Der Kompromiss, der alles rettet (oder doch nicht?)

Waren wir komplett unglücklich? Nein. Die Natur war atemberaubend. Ich habe Beeren gesammelt und mein Französisch durch ehrliche Gespräche verbessert. Aber die Nachteile überwogen. Nach exakt zwei Jahren war Schluss.

Wir zogen nach Lyon. Der perfekte goldene Mittelweg: Nur 135 Kilometer entfernt, Natur in der Nähe, aber alle Annehmlichkeiten einer Stadt. Ein Kompromiss, der uns endlich wieder Luft zum Atmen gab.

Ich erinnere mich gerne an die Idylle – aber nur aus der Perspektive meiner Stadtwohnung. Hast du den Schritt aufs Land gewagt? Was war dein größter Kulturschock, der dich fast zur Umkehr gezwungen hätte?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1365

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert