Zehn Jahre lang bin ich fast täglich gelaufen. Ich habe Marathons beendet, mich durch eisige Morgen gepeitscht – und war dann plötzlich innerlich leer. Wissen Sie, wann die Motivation komplett kippt? Genau dann, wenn das Training, das Sie mal geliebt haben, zur knochenharten Pflicht wird. Viele Läufer kennen das: Man trainiert wochenlang, aber das Band zieht sich enger, nicht lockerer.
Ich stand vor der Wahl: Weitermachen und innerlich verbrennen oder den Stecker ziehen. Ich habe mich für Letzteres entschieden und meine jahrelange Routine radikal gekippt. Das Ergebnis überraschte alle – mich eingeschlossen. Wenn Sie sich fragen, warum Ihr morgendliches Laufen plötzlich mehr Stress als Freude bringt, sollten Sie jetzt weiterlesen. Die Wahrheit ist: Es geht nicht um die Distanz, sondern um die Balance.
Von der Routine zum Burnout: Als der Asphalt mich besiegte
Nach meinem Marathon 2024 fühlte sich jeder weitere Lauf wie eine Strafe an. Es war eine Mischung aus körperlicher Erschöpfung und einem sozialen Vakuum – meine Laufpartner waren umgezogen. Laufen wurde einsam und monoton. Ich hätte mir einen neuen Verein suchen können, aber ehrlich gesagt: Ich hatte die Nase voll vom ständigen „Müssen“.
Der radikale Schnitt: Weg vom täglichen Kilometerfresser
Ende 2025 habe ich die Notbremse gezogen. Statt fast täglich drei bis vier Meilen zu rennen und nur zweimal pro Woche ins Krafttraining zu gehen, habe ich das Verhältnis komplett umgedreht. Ich setzte auf intensive Kraftkurse und Spaziergänge.
- Neu im Plan: 3-4x pro Woche intensive Trainingseinheiten (Kraft/Cardio-Mix).
- Ersetzt: Die täglichen, ermüdenden Einheiten.
- Der Ersatz: Längere Spaziergänge (mindestens drei Meilen) an den Ruhetagen.
Mein größtes inneres Klischee? Ich dachte, ich würde sofort zunehmen und meine Fitness verlieren, weil Gehen ja „weniger“ verbrennt. Falsch gedacht. Innerhalb von sechs Monaten habe ich fünf Pfund abgenommen – effektiver als je zuvor.

Das Geheimnis der Gehenden: Warum Spazieren das Fettverbrennungsplateau durchbricht
Mein Lauftempo stagnierte. Mein Körper hatte sich an die gleichmäßige Belastung gewöhnt. Um weiter Fortschritte zu machen, hätte ich nur noch schneller oder weiter laufen müssen – genau das, wozu mir die mentale Energie fehlte. Wer auf einem Plateau feststeckt, macht den Fehler, immer mehr vom Gleichen zu fordern.
Der Tausch war genial: Ich gehe jetzt täglich etwa eine Stunde – also doppelt so lange, wie ich früher gelaufen bin. Der entscheidende Vorteil liegt in der Hemmschwelle. Das ist der Punkt, den viele deutsche Pendler kennen, wenn sie nach einem langen Tag in der U-Bahn noch 5 km Joggen müssten.
So leicht lädt sich der Akku wieder auf:
- Kein Umziehen, kein Schwitzen vor dem Meeting. Einfach aufstehen und losgehen.
- Spontanität: Man steigt einfach eine Haltestelle früher aus, um Schritte zu sammeln.
- Auf Reisen ist die Routine unzerstörbar – niemand plant eine Laufstrecke, aber jeder kann spazieren gehen.
Ich habe die verlorene Zeit durch die Dauer der Bewegung wettgemacht. Es ist wie der Unterschied, ob man einen schweren Eimer Wasser einmal pro Woche schleppt oder jeden Tag einen kleinen Schluck für die Blumen nutzt.

Mehr Kraft, weniger Druck: Wie der Wechsel die Trainingsqualität steigert
Der größte mentale Unterschied trat bei den intensiven Trainingstagen ein. Dank der Spaziergänge fühlte ich mich erholter. Ich konnte im Krafttraining bessere Leistungen zeigen, mehr Gewicht bewegen – was essenziell für den Muskelaufbau ist, der oft vernachlässigt wird.
Wichtig: Ich laufe nicht mehr als „Cardio-Pflicht“, sondern als kurze, schnelle Intervalle. Auf dem Laufband pushe ich mich kurzzeitig in höhere Herzfrequenzzonen, aber nur für zwei bis vier Minuten pro Einheit. Das macht mehr Spaß, weil der Zwang weg ist, diese Geschwindigkeit über fünf Kilometer halten zu müssen.
Die Ruhe kam von selbst: Weniger Druck im Kopf
Als ich den Druck losließ, meine Morgenstunden auf der Laufbahn zu verbringen, änderte sich mein gesamtes Wohlbefinden. Der Zwang, sich für das Auslassen einer Einheit zu „belohnen“ (mehr Süßes essen, länger ausschlafen), verschwand. Plötzlich fühlte sich der Kaffee am Morgen mit meinem Mann beim Spaziergang besser an als jeder endorphingeladene Lauf.
Fakt ist: Ich bin fitter geworden, habe meine Abnehmziele schneller erreicht und fühle mich gleichzeitig ruhiger. Wer festgefahren ist, muss nicht härter trainieren, sondern smarter anders trainieren.
Haben Sie auch schon einmal eine jahrelange Sportroutine gekündigt, um etwas Besseres zu finden? Was war bei Ihnen der Auslöser?









