Sie kennen das Gefühl: Ein geliebter Mensch zieht um, und der Keller ist voller Dinge, die seit Jahrzehnten niemand mehr angefasst hat. Ich dachte, ich wüsste, wie man Ordnung schafft – ich habe schließlich ein Unternehmen dafür. Doch als ich meiner 89-jährigen Mutter half, von ihrem 150-Quadratmeter-Haus in eine Einzimmerwohnung zu ziehen, wurde mir klar: Es geht nicht nur um Kisten stapeln.
Der Prozess war emotional, schmerzhaft und am Ende überraschend befreiend. Wenn Sie planen, selbst auszumisten oder einem älteren Verwandten helfen müssen, sollten Sie diesen einen psychologischen Stolperstein kennen, den fast alle übersehen. Denn die Aussortier-Aktion meiner Mutter hat gezeigt: **Ordnung ist manchmal der Preis für neue Freiheit.**
Der Schock des Umzugs: Von 150 auf 40 Quadratmeter
Letztes Jahr starb der Partner meiner Mutter. Finanzielle Gründe zwangen sie zu einem sofortigen, drastischen Schritt: Das Haus musste weg, und sie zog direkt zu mir in die Nähe. Stellen Sie sich vor, Sie müssen in wenigen Wochen entscheiden, was von 89 Jahren Leben in eine einzige Wohnung passt. Das ist kein einfaches Aufräumen, das ist ein Kampf um Identität.
Der Tick des „Immer-Behalten-Wollens“
Mein Vater war der Typ „ABC“ – Always Be Clearing. Meine Mutter war das komplette Gegenteil. Sie liebte Dinge, sammelte sie, und jedes Objekt hatte eine Geschichte. Als Profi bin ich eher der Ordnungsfanatiker, aber bei Mama musste ich lernen, langsamer zu werden. Viele der Dinge, die wir aussortieren mussten, waren für sie keine „Sachen“, sondern physische Anker ihrer Erinnerungen.

- Die Falle der Tochter: Ich wollte schnell sein, um ihr Stress zu ersparen. Fünf Stunden lang habe ich Gartenwerkzeug und alte Möbel weggeschafft, ohne wirklich nachzufragen. Ein Fehler, den man bei Fremdkunden nie machen würde!
- Der wahre Verlust: Sie trauerte nicht nur um ihren Partner, sondern um das Gefühl, von all diesen „schönen Dingen“ umgeben zu sein. Dinge schaffen Struktur, auch wenn diese Struktur erdrückt.
Die überraschende Befreiung: Mentale Freiheit durch Leere
Der Wendepunkt kam, als die Kisten leerer wurden. Was ich beobachtete, ist das Faszinierende an diesem Prozess: Obwohl sie physisch viel verloren hat, gewann sie mental dazu. Jahrelang bat sie mich fast jedes Wochenende um Hilfe, weil sie das Chaos nicht mehr beherrschte.
Heute? Keine Sorgen mehr um die Pflege von Besitz. Das hat ihr eine Energie freigesetzt, die ich bei ihr seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Sie besucht jetzt Improvisationstheater-Kurse – etwas, das sie ewig aufschieben musste. Genau hier liegt der Schlüssel:
- Gegenstände *bestätigen* oft nur alte Identitäten.
- Das Loslassen zwingt zur Neudefinition, wer man *jetzt* ist.
Wenn Gegenstände zur Projektionsfläche werden
Ich erlebe oft, dass Kunden sagen: „Ohne meine alten Band-Shirts weiß niemand mehr, dass ich mal cool war.“ Das ist ein wichtiger Punkt: Deine **Identität steckt nicht in deinen alten Dingen**; sie steckt in deinen Fähigkeiten und deiner Persönlichkeit.
Für meine Mutter war der Improvisationskurs die Bestätigung, dass sie schnell, witzig und lebendig ist – Eigenschaften, die sie schon immer hatte, aber die hinter den Stapeln von Büchern und Nippes versteckt waren.

Die Falle der „Ablage aus Schuld“
Ein Problem, das wir glücklicherweise umgangen haben: Meine Mutter hat nie versucht, uns Kindern ihre Sachen aufzudrängen. Das erleben wir ständig in der Praxis. Jüngere Generationen nehmen Dinge an, obwohl sie keinen Platz haben, nur um niemanden zu verletzen.
Der Tipp aus meiner Firma: Wenn Sie etwas übernehmen, muss es einen festen Platz haben. Nehmen Sie es nur, wenn Sie es wirklich lieben und nicht aus schlechtem Gewissen gegenüber Tante Erna oder der Tradition. Lieben Sie das Kissen Ihrer Tante? Gut. Aber müssen Sie es behalten, wenn Sie es hassen, nur weil es *ihr* Kissen war?
Ich habe nur wenige Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Aber selbst die schönsten Erinnerungsstücke (wie alte Gebetsfahnen von einem Campingausflug) sind nur für mich emotional aufgeladen. Was danach passiert, ist irrelevant.
Der Umzug meiner Mutter hat mich gelehrt, dass Entrümpeln oft der erste Schritt ist, um dort weiterzumachen, wo man aufgehört hat. Es schafft den Raum, den man braucht, um das nächste Kapitel zu beginnen – auch mit 89.
Was war das emotionalste Objekt, bei dem Sie oder Ihre Liebsten sich ums Loslassen streiten mussten? Teilen Sie Ihre größten „Entrümpel-Dramen“ in den Kommentaren!









