Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit Mitte 50 alles hinschmeißen, die Koffer packen und monatelang um die Welt reisen. Klingt verlockend, oder? Doch für viele ist das ein ferner Traum, der mit der Sorge um die eigene Altersvorsorge und das Erbe für die Kinder kollidiert. Wir haben uns genau für diesen Weg entschieden. Wir kündigten unsere Jobs, verkauften den Komfort und gaben unseren sechs Kindern bewusst keinen Cent mit – zumindest nicht in Form eines traditionellen Erbes.
Das mag auf den ersten Blick egoistisch klingen, doch die Geschichte dahinter ist eine Lektion in Lebensprioritäten. Wenn Sie gerade in Deutschland in Ihrem geregelten Alltag feststecken und sich fragen, ob es noch mehr geben muss, lesen Sie weiter. Denn wir zeigen, wie wir unser Geld JETZT nutzen, anstatt es für eine ferne Zukunft anzuhäufen.
Der radikale Schnitt: Ruhestand mit 53
Vor Kurzem lebten mein Mann Nigel und ich noch ein typisches Leben in Houston, Texas. Wir hatten Jobs in der Öl- und Gasindustrie und planten, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durchzuhalten. Klassisch, sicher – und ehrlich gesagt, total ermüdend.
Mit 53 Jahren änderte sich alles. Wir wollten nicht warten, bis unsere Körper nicht mehr mitmachen, um endlich das Leben zu führen, das wir uns wünschten. Darum kündigten wir und machten uns auf den Weg. Aber wie finanziert man so etwas, ohne das alte Rentenkonto anzutasten?
Kein Erbe? Die Investition in die Gegenwart
Der vielleicht schockierendste Teil unseres Plans: Wir haben uns entschlossen, unseren sechs Kindern nichts zu vererben. Das ist keine Bestrafung, sondern eine bewusste Verschiebung der Prioritäten. Wir haben in die ersten 25 Lebensjahre unserer Kinder investiert – ihnen eine solide Basis gegeben. Jetzt investieren wir in unsere gemeinsame Zeit als Paar.

Wir wollten nicht an die Strafgebühren der vorzeitigen Rentenauszahlung ran. Deshalb gab es nur einen Weg:
- Alle Schulden wurden beglichen.
- Wir verpflichteten uns, jeden Monat alle Rechnungen vollständig zu zahlen.
- Wir reduzierten unseren gesamten Lebensstil drastisch.
Die Macht des schlauen Budgets: Mit Berater zum „Ausgaben-Plan“
Ohne einen Plan hätten wir diesen Traum nicht verwirklichen können. Wir brauchten Expertenrat, also holten wir uns einen gebührenbasierten Finanzberater ins Boot.
Das ist der entscheidende Punkt, den viele im Alltag übersehen: Wir lagerten die Sorge um das „Wie lange reicht es?“ aus. Der Berater half uns, unsere Einkommensquellen zu optimieren und eine Strategie zu entwickeln, unser angespartes Kapital *innerhalb* unserer Lebenszeit komplett aufzubrauchen.
Unser Ziel ist es, 20 Prozent weniger auszugeben, als wir es in unseren letzten fünf Arbeitsjahren taten. Wir bauen die Ausgaben langsam ab, je älter wir werden.
Wie wir als „digitale Nomaden 50+“ leben
Unsere Reise begann in England, logisch, um die Familie zu sehen. Seitdem haben wir das „Langsam-Reisen“ perfektioniert. Wir sind keine typischen Touristen, die in drei Wochen fünf Länder abhaken. Wir leben wie Einheimische.
Das Geheimnis der Kostenkontrolle ist die Unterkunft:

- Airbnb und lokale Agenturen: Bei 30 Tagen Mindestaufenthalt gibt es satte Rabatte. Das spart unser Budget enorm.
- Nebensaison-Taktik: Wir gleichen teure Ziele wie Mauritius mit günstigeren Orten aus.
- „Home Bases“: Wir bleiben lange genug, um lokale Märkte zu nutzen und selbst zu kochen.
In den letzten fünf Monaten – inklusive Dubrovnik, Lecce (Italien) und Sevilla – haben wir ohne die laufenden Kosten für unser Haus in Texas durchschnittlich 6.000 US-Dollar pro Monat ausgegeben. Das ist für diese Lebensqualität in Europa erstaunlich wenig, oder?
Der psychologische Gewinn: Ruhe statt Nachrichtenzyklus
Der Hauptgrund für diesen Bruch war nicht das Geld, sondern der Kopf. Der ständige Nachrichtenzyklus, besonders die Politik in den USA, hat mich ausgelaugt. Ich brauchte Abstand, um atmen zu können.
Hier in Mauritius fühlt sich alles unendlich weit weg an. Wir wissen nicht, wohin es als Nächstes geht – und genau das ist das Schöne daran. Wir besuchen unsere Kinder regelmäßig (sie wohnen in Kalifornien, Utah, Texas und England), aber die Dynamik hat sich verändert.
Manche Kinder waren beim Abschied wehmütig, weil es sich plötzlich „permanent“ anfühlte. Aber unser Plan bedeutet nur, dass wir jetzt das Leben nutzen, anstatt es für eine undefinierte Zukunft aufzusparen. Wir wollen unseren Kindern zeigen, dass es keinen einzigen, festgeschriebenen Weg gibt. Manchmal muss man springen und darauf vertrauen, dass sich das Netz fängt.
Was denken Sie: Ist es Zeit, die Altersvorsorge zugunsten von gelebten Momenten zu überdenken, oder ist die Sicherheit des gewohnten Erbes wichtiger?









