Vergessen Sie alles über Höhlen: Darum hielten sich Neandertaler genau hier im Eis auf

Stellen Sie sich vor: Minusgrade, dicke Gletscher, und mitten drin steht ein Neandertaler. Klingt wie aus einem schlechten Hollywood-Film, oder? Wir dachten immer, diese Frühmenschen hätten sich erfolgreich an kalte Umgebungen angepasst. Aber neue Funde aus den Schweizer Alpen – genauer gesagt am Monte Generoso – enthüllen eine Wahrheit, die unser Bild von ihnen schlagartig korrigiert.

In der Grotta dell’orso (Bärenhöhle) auf 1450 Metern Höhe wurden über 40.000 Knochenreste von Höhlenbären gefunden. Doch Forscher entdeckten dort auch steinernes Werkzeug, das beweist: Neandertaler waren keine Überlebenskünstler in der eisigen Höhe. Sie waren nur zu Besuch. Und zwar zur denkbar schlechtesten Zeit.

Der Gletscher-Check: Warum der Monte Generoso eine Falle war

Zwischen 50.000 und 40.000 Jahren vor unserer Zeit war die Schweiz größtenteils von Eis bedeckt. Während der letzten Eiszeit zog sich der Gletscher bis zur Po-Ebene hinunter. Der Monte Generoso war eine der wenigen nackten Felsnadeln, die aus dem Eis ragten. Ein unwirtlicher Ort, den man freiwillig meiden würde.

Das Kontra-Intuitive: Es war kein Zuhause, es war eine Raststätte

Was Forscher der Universität Ferrara herausfanden, ist der eigentliche Knackpunkt. Die Neandertaler nutzten diese extrem gelegene Höhle nicht als Langzeitlager oder Jagdstation. Sie waren dort nur kurz.

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  • Man fand fast nur fertige Werkzeuge, keine Spuren von Bearbeitung („Abschlagen“ von Steinen).
  • Die Rohmaterialien (spezielle Kieselsäure-Steine) stammten offenbar aus tieferen Lagen.
  • Der Aufenthalt war wohl nur zur Überquerung der Alpen oder zur kurzfristigen Ressourcensuche geplant.

Das bedeutet: Sie hatten ihren Werkzeugkasten von unten mitgebracht und nur das Nötigste dort zurückgelassen. Sie waren eher wie ein Wanderer, der im Sturm eine kurze Nacht in einer Hütte verbringt, anstatt dort heimisch zu werden.

Das Bären-Mysterium: Wer hat wen wirklich gefürchtet?

Die Höhle wurde nach den etwa 40.000 Bärenknochen benannt. Lange dachte man, die Neandertaler hätten die Bären gejagt oder deren Fleisch und Fell genutzt. Das ist Quatsch, wie die aktuelle Forschung zeigt.

Laut dem Paläoarchäologen Davide Delpiano ist die Verteilung der Knochen typisch für natürliche Sterbefälle während des Winterschlafs. Vor allem junge Individuen starben dort.

Der wahre Grund für das Bärenvorkommen: Die Höhle war im Winter ein sicherer Ort für Bärenweibchen, um ihre Jungen großzuziehen. Die männlichen Bären waren draußen zu aggressiv. Die Neandertaler nutzten diese Höhle vermutlich nur im Sommer, wenn die Bären weg oder nicht in Brutstimmung waren.

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Merken Sie sich das: Die Neandertaler lebten nicht mit den Bären, sie nutzten die Höhlen, nachdem die Bären sie im Winter verlassen hatten.

Ihr praktischer Lese-Hacken: Weniger ist oft mehr

Diese alpine Erfahrung zeigt uns eine Lektion, die relevant ist, wenn Sie das nächste Mal im Urlaub oder auf einer anstrengenden Geschäftsreise sind, vielleicht bei uns in der Schweiz oder in den Alpen Österreichs:

  1. Überfrachten Sie sich nicht: Die Neandertaler nahmen nur das Nötigste mit (leichtes, vielseitiges Werkzeug). Geht es Ihnen anders, wenn Sie packen?
  2. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt: Suchen Sie Schutz zu Zeiten, in denen die „Einheimischen“ (egal ob Bären oder Bürokraten) gerade woanders sind.
  3. Seien Sie ein Gast, kein Bewohner: Wenn Sie sich in einer extremen Umgebung aufhalten, halten Sie Ihre Spuren minimal.

Die Neandertaler waren also keine Meister der Eiswelt. Sie waren opportunistisch und extrem anpassungsfähig, aber sie wussten sehr genau, wann sie wieder ins Tal mussten. Ihr kurzes Gastspiel am Monte Generoso ist ein Beweis dafür, dass sie kluge Kalkulatoren und keine unbesiegbaren Überlebenskünstler waren.

Was denken Sie: Welche modernen Routen in den Alpen meiden Sie heute noch, weil Sie wissen, dass sie zu gefährlich sind? Teilen Sie Ihre besten Tipps für Hochgebirgsregionen unten in den Kommentaren!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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