Mein Hobby machte mich zum besseren Boss: Diese Lauf-Sucht rettet deinen Job

Denken Sie auch, Hobbys sind nur für Leute, die es im Job nicht geschafft haben? Ich auch. Gestrickte Untersetzer, Modelleisenbahnen im Keller – das war mein mentales Bild. Für meinen eigenen, harten Karriereweg in der Medienwelt hatte ich keinen Platz dafür. Bis ich merkte: Mein vermeintlicher „Zeitfresser“ war mein heimlicher Turbo.

Ich sah Menschen mit intensiven Freizeitbeschäftigungen immer mitleidig an. Karriere war alles. Ich malte mir aus, mit Anfang zwanzig in die Großstadt zu ziehen und sofort alles dem Schreiben unterzuordnen. Stricknadeln? Sofort zum Spenden weggeworfen. Es gab kein Zurück, nur die endlose Leiter nach oben: Bessere Publikationen, besserer Job, bessere Stadt.

Der Moment, als der Karriere-Motor stotterte

Ich brannte aus. Ständig. Das Problem war: Mein Ziel verschob sich immer weiter weg. Ich wollte für X bezahlt werden, dann Y, dann Z. Während ich diese Leiter erklomm, lief mir immer dieses eine Bild im Kopf herum: Trailrunning.

Nachdem ich Berichte über Ultra-Läufer las – diese fast schon hyper-athletischen Freaks, die 160 Kilometer durch Berge rennen – wurde mir etwas klar. **Diese Leute strahlten eine Freiheit aus**, die mir in meinem 70-Stunden-Job fehlte. Sie zeigten mir, dass man Ziele haben kann, die man zu 100 Prozent selbst kontrolliert.

Vom Schreibtisch in den Dreck: Die Sucht nach Bergen

Ich begann im Park. Anfangs schaffte ich nicht einmal den steilen Anstieg zum Observatorium, ohne nach Luft zu schnappen. Nach Monaten wurde der Atem ruhiger. Ich lernte die Regeln – wie man bergauf lehnt, wie man atmet. Als ich es schließlich schaffte, stand ich oben, blickte in die Stadt und fühlte mich zum ersten Mal seit Jahren wirklich frei.

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Es war, als hätte ich eine wildere, kindlichere Version meiner selbst geweckt. Ich meldete mich für einen 50-km-Lauf an – eine Distanz, die mir kurz zuvor Übelkeit bereitet hatte. Plötzlich drehten sich meine Wochenenden nicht mehr darum, einen Desinteresse-Agenten zu überzeugen, sondern nur noch darum, genug Schlaf vor dem langen Lauf zu bekommen.

Wenn ich nach harten Kundenterminen in den Bergen lief, fühlte es sich an wie Schwänzen. Draußen, ohne Handyempfang, Klapperschlangen gehört und hinter Büschen gepinkelt. Das war Gegenkultur pur.

Mittlerweile habe ich alles gewechselt. Ich tauschte meine Wohnung gegen eine Hütte am Waldrand und habe alle Zehennägel auf dem Gewissen des Sports verloren. Ich bin nicht allein. Schauen Sie sich um: „Oma-Hobbys“ boomen, Pickleball explodiert, Laufclubs sind die neuen Dating-Apps. Warum? Weil die Arbeitsmoral sinkt.

Die Wahrheit über die neue Arbeitsmentalität

Wir bauen unser Leben um den Job herum. Stadtwahl, Pendelzeit – alles hängt von der Branche ab. Aber genau dann, wenn Angestellte das Gefühl verlieren, etwas steuern zu können, erkämpfen sie sich die Kontrolle zurück – über ihre Hobbys.

Experten sagen, Hobbys reduzieren Stress und stärken das Selbstvertrauen. Aber bei passionierten Leuten wird es mehr. Es ist ein Akt des Widerstands gegen die „Hardcore-Arbeitskultur“.

Ein Freund von mir, ein Brettspiel-Enthusiast in Brooklyn, stand um sechs Uhr morgens auf, um Spiele zu fotografieren – nicht für das Geld, sondern um jede wache Minute mit der Aktivität zu füllen, die er liebt. Freizeit ist, wie er sagt, Wasser und wir bestimmen die Form des Gefäßes.

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Viele von uns haben verlernt, Freizeit zu genießen. Wir nehmen uns eine Woche frei, fühlen uns rastlos und schuldig, weil wir vergessen haben, wie man entspannt. Wenn Sie Ihre gesamte Zeit mit Arbeit verbringen, haben Sie nie gelernt, wie man fesseln-de Aktivitäten entwickelt.

Hobbys öffnen Türen zu geheimen Welten

Ich habe gelernt: Ein gutes Hobby bringt dich in eine Nischenwelt mit eigener Geschichte und Kultur. Man kann gedanklich „surfen“, ohne nass zu werden. Man taucht ein in Foren, sieht den Fortschritt der anderen und investiert gezielt in Ausrüstung – und das Geld fühlt sich richtig an, anders als reines Shopping.

Was mir am meisten half: Ich hörte auf, mein Trailrunning als *Karriere-Verbesserung* zu sehen. Es ist mein Hobby. Das Wort selbst zwingt mich, es nicht zu ruinieren, indem ich es zu einem zweiten Job mache. Es erinnert mich daran, dass es um den Spaß geht.

Der größte Schock kam danach: Als ich aufhörte, meine gesamte Energie in die Jagd nach der perfekten Autorenkarriere zu stecken, sah ich meinen Werbejob plötzlich klarer. Inspiriert von der Neugier des Laufens, betrachtete ich die Ad-Welt als eine weitere Nischenwelt, die es zu erkunden galt – nicht als Prüfung, die bestanden werden muss.

Ich wurde Managerin, weil ich Lust darauf hatte. Und das Laufen setzte gesunde, harte Grenzen. Im letzten Jahr habe ich sogar das Stricken wiederentdeckt. Jetzt ist Arbeit nur noch das, was ich mache, wenn ich gerade nicht meinen Hobbys nachgehe. Hobbys leben zu lassen, hat mir gezeigt, dass ich im Ruhestand fantastisch sein werde.

Was halten Sie davon, Ihr Leben um etwas zu bauen, das kein Gehalt zahlt? Haben Sie schon mal erlebt, dass ein Hobby Ihren Job besser gemacht hat?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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