Sie wundern sich, warum Ihr Vogelhäuschen vor lauter Gesang plötzlich trist wirkt? Dann aufgepasst: Die neueste Zählung in Tschechien hat alle bisherigen Rekorde gesprengt – aber nicht nur bei den Teilnehmerzahlen. Es gibt einen heimlichen Star, der andere Arten gnadenlos verdrängt. Und einer der schlimmsten Krankheitserreger verbreitet sich gerade rasant über Ihre Winterfütterung.
Dies ist kein gemütliches Hobby mehr, sondern ein ernstzunehmendes Naturereignis. Fast 40.000 Menschen haben im Januar teilgenommen und Zahlen geliefert, die selbst erfahrene Forscher in Verwirrung stürzen. Wenn Sie jetzt nicht wissen, worauf Sie achten müssen, riskieren Sie, Teil des Problems zu werden. Wir zeigen Ihnen, welche heimlichen Besucher auftauchten und wie Sie Ihre Futterstelle *richtig* desinfizieren.
Rekordbruch: Fast 900.000 Vögel in einem Tag gezählt
Die Vögel waren hungrig, die Leute waren motiviert. Die Kombination aus Kälte und der massiven Beteiligung hat eine erstaunliche Statistik hervorgebracht: Im Durchschnitt meldete jeder Teilnehmer sieben verschiedene Arten und rund 31 einzelne Piepmätze. Das ist die dickste Datensammlung, die jemals in der Geschichte dieser Aktion zusammenkam.
Ich habe mir die lokalen Meldungen angesehen und ein Detail ist mir sofort ins Auge gesprungen: Die Dominanz der Amseln. Viele von uns dachten immer, Kohlmeisen oder Blaumeisen wären die unangefochtenen Könige des Futterbretts. Falsch gedacht!

Die Amsel räumt ab – Die Meise fliegt auf Platz drei
Der Star des Jahres ist ohne Zweifel die Amsel (kos černý). Sie hat es geschafft, die Kohlmeise (sýkora koňadra) zu überholen und auf Platz zwei zu verdrängen. Das ist historisch, denn normalerweise hält sich die Blaumeise (sýkora modřinka) dort hartnäckig. Was bedeutet das für Ihre heimische Vogelwelt, wenn die dunklen, oft als „Bodenvögel“ geltenden Amseln jetzt massiv an die Futterstellen strömen?
Das ist der heimliche Indikator: Wenn Sie jetzt vermehrt Amseln sehen, ist das oft ein Zeichen für extrem harte Bedingungen, weil normale Nahrungsquellen knapp sind. Aber es gibt auch andere Überraschungsgäste, die das Klima hierzulande immer mehr verändern.
Exotische Gäste, die eigentlich woanders hingehören
Einige Meldungen haben selbst Ornithologen gerüttelt. Wir sprechen hier von Vögeln, die normalerweise gar nicht in unseren Breiten überwintern. Dokumentiert wurden unter anderem Hausrotschwänze (rehka domácí) oder Bergstelzen (konipas horský). Das ist faszinierend, aber auch beunruhigend, wenn man an die stabilen Winter denkt, die wir (noch) haben.
Aber es gibt auch Verlierer: Waldfinken und Zeisige blieben dieses Jahr deutlich seltener. Wenn deren Populationen bei uns sinken, bedeutet das oft, dass es im Norden skandinavischer Länder extrem kalt ist, da sie sonst dort überwintern.

Warnung: Die „Futterhaus-Pest“ breitet sich aus
Hier kommt der Teil, der Sie sofort zum Handeln bringen sollte. Unter den gezählten Vögeln waren auch tote Grünlinge – ein trauriges Bild, das viele Beobachter per Foto meldeten. Der Grund ist nicht die Kälte, sondern eine hochansteckende Vogelkrankheit: Trichomonose.
Diese Parasiteninfektion ist hochgradig ansteckend und wird oft *direkt an der Futterstelle* weitergegeben. Sie werden oft lethargisch, können Wasser oder Körner nicht mehr richtig aufnehmen – eine tickende Zeitbombe, besonders wenn viele Vögel dicht gedrängt fressen.
Die Zwei-Wochen-Regel, die jeder ignoriert
Wenn Sie einen kranken oder toten Vogel entdecken, hilft es nichts, einfach nur Futter nachzulegen. Viele machen diesen Fehler, weil sie denken, sie würden helfen.
- Sofortiger Stopp: Setzen Sie die Fütterung für mindestens zwei Wochen komplett aus.
- Desinfizieren statt abwischen: Nehmen Sie die Futterhäuschen und Tränken ab und desinfizieren Sie diese gründlich. Ein einfacher Lappen reicht nicht!
- Handschuhe benutzen: Berühren Sie kranke Vögel niemals ohne Schutzhandschuhe.
Interessant am Rande: Einige Teilnehmer meldeten sogar Papageien – genauer gesagt Agaporniden (Liebesvögel) – an ihren Gefäßrändern. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Tiere in den umliegenden Gärten überwintern und sich vermehren und langsam als invasive Art gelten.
Die diesjährige Zählung zeigt: Die Natur ist dynamischer, als unsere gemütliche Vorstellung vom Wintergarten vermuten lässt. Wir schützen unsere winterhungrigen Gäste am besten, indem wir genau hinschauen und rigoros Hygiene walten lassen. Haben Sie in diesem Winter auch schon ungewöhnliche Vögel gesehen, die gar nicht in Ihre Region gehören?









