Stellen Sie sich vor, Sie schauen auf eine Liste der ausgestorbenen Tiere, und da taucht plötzlich ein Name auf, den Sie seit Jahren für gestrichen hielten. Genau das geschah mit der kleinen Bermuda-Schnecke. Viele dachten, sie sei weg, ausgelöscht durch Beton und Fressfeinde. Doch das Überleben dieser Art hing buchstäblich vom Tropfwasser einer Eisdiele ab. Lesen Sie weiter, denn diese Rettungsaktion ist eine der größten Naturwunder der letzten Jahre – und sie lehrt uns etwas über unsere eigene Stadtlandschaft.
Der Zufallshagelschlag hinter der Eisdiele
Als in den frühen Neunzigern die Populationen auf Bermuda einbrachen, war es still geworden um Poecilozonites bermudensis. Die Experten gaben sie auf. Dann, im Jahr 2014, stolperte ein Schnecken-Enthusiast durch eine verwilderte Gasse in der Nähe eines Imbisses.
Warum der Beton ihre Rettung war
Sie werden es kaum glauben, aber die Bedingungen dort waren ideal. Die Betonwände hielten die eingeschleppten Räuber fern – die bösen Wolfsschnecken, die so viele heimische Arten gefressen hatten. Außerdem sorgte das stetige Tropfen von der Eisdiele für genügend Feuchtigkeit.

- Das Tropfwasser der Eisdiele hielt sie am Leben.
- Betonwände boten Schutz vor größeren Räubern.
- Ein perfektes, unbeabsichtigtes Mikroklima.
Viele Ökosysteme sind fragiler, als wir denken. Was für uns Müll oder eine hässliche Ecke ist, kann für ein bedrohtes Tier die letzte Zuflucht sein. Das ist eine bittere Wahrheit, die wir beim nächsten Spaziergang bedenken sollten.
Von 200 Seelen zu 100.000 Ausgewilderten
Die Wiederentdeckung war nur der Anfang. Die wahre Mammutaufgabe begann, als Naturschützer am Chester Zoo damit begannen, die wenigen Überlebenden in Sicherheit zu bringen. Tamas Papp vom Zoo fasst es perfekt zusammen: „Es ist der Traum jedes Naturschützers, eine ganze Art zu retten – und genau das haben wir getan.“
Die fünfjährige Zuchtoperation
Was folgte, war eine akribische, jahrelange Zuchtarbeit. Hier sehen Sie, was nötig war, um die Art zurückzubringen:
- Isolation und Schutz der Startpopulation (weniger als 200 Tiere).
- Perfektionierung der Haltungsbedingungen, fernab von Pestiziden.
- Massive Aufzucht über fünf intensive Jahre.
- Über 100.000 Nachkommen wurden produziert.
- Erfolgreiche Wiederauswilderung an sicheren Orten auf Bermuda.
Mark Outerbridge vom Ressourcenschutzministerium von Bermuda zeigte sich beeindruckt: „Es ist bemerkenswert, dass wir mit weniger als 200 Schnecken begonnen haben und inzwischen über 100.000 freigelassen wurden.“

Der kleine Erfolg mit großer Wirkung
Die Mühe hat sich ausgezahlt. Mittlerweile haben sich sechs neue Kolonien auf den nordatlantischen Inseln etabliert. Das zeigt uns: Selbst wenn eine Art offiziell als ausgestorben gilt, ist noch nicht alles verloren – wenn jemand bereit ist, die unliebsame Arbeit zu machen.
Generell werden Schnecken oft übersehen, dabei spielen sie eine entscheidende Rolle. Ihr Rückgang kann das ganze Inselökosystem destabilisieren. Der Erfolg mit dieser kleinen Bewohnerin beweist, dass wir auch die unscheinbarsten Lebewesen schützen müssen. Oder gilt das nur für jene, die wie diese Schnecke zufällig unter einer Fassade Schutz finden?
Was denken Sie: Welche anderen „ausgestorbenen“ Arten warten vielleicht nur darauf, dass wir genauer hinter die Fassaden schauen?









