Mit 52 allein nach Anguilla: Was ich beim ersten Restaurantbesuch gemerkt habe, machte mich hilflos

Haben Sie auch diese heimliche Angst, wenn Sie allein in ein richtiges Restaurant gehen müssen? Dieses Gefühl, als würde die ganze Welt auf Ihren kümmerlichen „Tisch für eine Person“ starren? Genau das war meine größte Hürde. Ich war 52 Jahre alt, sollte eigentlich mit zwei Freundinnen auf Anguilla sein, und stand plötzlich vor der Entscheidung: Allein reisen oder absagen. Und ich musste feststellen, dass diese Reise die Generalprobe für mein Leben nach dem Auszug der Kinder war.

Viele von uns kennen das: Man ist Vollzeit-Manager des Familienlebens, aber wehe, man muss im Urlaub Fremde um ein Foto bitten. Ich gehöre definitiv zu dieser Sorte Mensch. Deshalb war der Gedanke, komplett auf mich allein gestellt zu sein, beängstigend. Doch diese Insel hat meine gesamte Denkweise über das Alleinsein auf den Kopf gestellt.

Die Wahrheit über das Packen: Als die mentale Checkliste verschwand

Der erste Moment der Befreiung? Das Packen. Ich war es gewohnt, als mobile IT-Abteilung für alle da zu sein. Der Dramamine-Notfall, die Suche nach Papas Sonnenhut, der natürlich sonst zu einem Drama führt – all das fiel weg.

Ich packte, und es fühlte sich auf einmal leicht an. Das war das erste Mal seit zwei Jahrzehnten, dass meine Gedanken sich nur um meine eigenen Bedürfnisse drehten.

Im Flugzeug: Endlich mal nur „Housewives“ schauen

Im Flieger saß ich, lehnte mich zurück und schaltete „The Real Housewives“ ein. Sonst wäre ich wahrscheinlich schon damit beschäftigt gewesen, fünf Koffer zu organisieren oder ein iPad zu retten. Nun konnte ich das Drama auf dem Bildschirm genießen, ohne mich um das Drama auf dem Sitz neben mir kümmern zu müssen. Diese Reise war nicht nur ein mutiger Schritt, es war ein absoluter Wendepunkt.

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Der Test: Allein essen – und warum es mein Weltbild änderte

Auf Anguilla angekommen, stand die erste große Herausforderung an: Abendessen. Ich sah mich innerlich schon im Kampf, als die Gastgeberin auf mich zukam. Herzklopfen. „Wie viele Personen?“, fragte sie.

Meine Antwort: „Nur ich.“

Der Moment der Peinlichkeit, den ich erwartet hatte, kam nicht sofort. Er schlich sich erst ein, als ich am Tisch saß und die umgebenden Paare und Familien sah. Dieser Stich der Einsamkeit. Aber dann kam mein Essen. Ich hatte Entenfilet bestellt.

  • Ich musste niemandem erklären, warum ich alleine aß.
  • Ich musste niemanden unterhalten.
  • Ich konnte mich 100% auf den Geschmack fokussieren.

Als ich den ersten Bissen nahm, war der ganze Stress weg. Wenn man nicht reden muss, schmeckt das Essen wirklich besser. Das Gericht war so gut, dass es mir völlig egal war, wie ich auf andere Gäste wirkte. Ich genoss es einfach.

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Die Insel, die mich zum Quatschen zwang

Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug zu einem winzigen Sandstreifen. So klein, dass man die ganze Küste überblicken konnte. Es waren nur vier andere Gäste dort. Zuhause wäre ich wahrscheinlich in der Liege geblieben, mit meinem Mann oder den Kindern als soziale „Sicherheitsdecke“.

Hier? Musste ich anders handeln. Ich sprach mit den anderen Gästen. Und hier kommt der größte Kulturschock für mich: Ich bat Fremde, Fotos von mir zu machen. Normalerweise würde ich lieber auf das Beweisfoto verzichten, als jemanden anzusprechen. Dieses erzwungene Alleinsein hat mich gelehrt, unkonventionell gesellig zu sein.

Warum das leere Nest nun keine Angst macht

Ich dachte, ich wüsste nicht, wie man allein ist. Diese Reise hat das Gegenteil bewiesen. Ich habe entdeckt, dass ich Einsamkeit nicht nur aushalte, sondern sie sogar genießen kann. Mein Haus wird bald für meine jüngste Tochter stiller sein, und ja, ich werde den Lärm vermissen.

Aber ich gehe jetzt nicht mehr mit Angst in diese Stille. Ich sehe sie als friedvoll an. Und das Beste daran? Ich habe keine Sorge mehr, mir irgendwo einen Tisch für eine Person zu reservieren. Vielleicht mache ich das sogar öfter.

Haben Sie jemals eine große Veränderung in Ihrem Leben durch eine Reise erzwungen, die ursprünglich anders geplant war? Teilen Sie Ihre Erfahrung!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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