Sie glauben, ein Leben auf Rädern bedeutet Automatismen für Freiheit und Sparsamkeit? Falsch gedacht. Mein Partner und ich haben zwei Jahre Vollzeit im Van und anschließend fünf Jahre im Tiny House gelebt. Die Wahrheit ist: Der vermeintlich günstigere Van-Lifestyle hat uns fast ruiniert, aber das Fundament des Tiny Houses brachte einen völlig neuen finanziellen Schock.
Vergessen Sie die Aufkleber-Slogans wie „Zuhause ist, wo man parkt“. Wir haben die Extreme durchlebt. Wenn Sie gerade überlegen, Ihr altes Leben gegen Minimalismus auf Rädern oder auf einem kleinen Fundament einzutauschen, müssen Sie diese Warnungen lesen, bevor Sie den ersten Euro investieren.
Van-Leben: Die Illusion der billigen Freiheit
Anfangs war es genau das, was Instagram versprach: Der Kaffee mit Bergblick, das Gefühl, dem Alltag entkommen zu sein. Und ja, die Kosten waren niedrig. Wir kauften unseren Van 2018 für rund 40.000 Euro und steckten weitere 8.600 Euro in den Umbau, hauptsächlich für die Solaranlage – damals unsere Lebensader.
Unsere Fixkosten waren lächerlich gering. Die monatliche Rate für den Van, Versicherung und Benzin für lange Strecken lagen oft unter 700 Euro. Wir schliefen auf öffentlichen Flächen, zahlten keinen Cent für Stellplätze. Unter dem Strich lagen die Lebenshaltungskosten bei unter 860 Euro monatlich.
Der heimliche Preis: Stress auf vier Rädern
Doch was die Social-Media-Posts verschweigen, ist der ständige psychische Tribut. Wissen Sie, wie sich das anfühlt, wenn Ihr gesamtes Hab und Gut in einer Blechdose sitzt, die bei jedem Schlagloch ächzt?

- Diebstahlangst: Alles war immer ein potenzielles Ziel.
- Instabilität: Ein falscher Baumstumpf konnte Reparaturen nötig machen, die teuer waren.
- Keine Privatsphäre: Der Nachbar ist entweder der Bauer, dem das Feld gehört, oder der Polizist, der Sie wegschicken will.
Besonders nach Beginn der Pandemie wurde es schmerzhaft. Mit unserem auswärtigen Kennzeichen fühlten wir uns beim Einkaufen wie die Staatsfeinde Nummer eins. Man kann nicht sesshaft wirken, wenn das Zuhause selbst als temporär abgestempelt ist.
Der Sprung ins Tiny House: Der Schock der Sesshaftigkeit
Nach zwei Jahren waren wir ausgebrannt von der Jagd nach dem nächsten sicheren Stellplatz. Wir tauschten die Räder gegen vier Wände und zogen in unser 37 Quadratmeter großes Tiny House.
Der unmittelbare Komfortgewinn war enorm: Fließendes Wasser, Strom, der nicht vom Sonnenschein abhing, und genug Platz, um ohne Ellbogenchecks zu kochen. Aber dann kam der Schock, den kaum jemand thematisiert.
Warum das Tiny House teurer wurde
Wo beim Van die Kosten für den Stellplatz wegfielen, mussten wir jetzt Nebenkosten zahlen, die es in sich hatten. Die Rate, Miete für das Grundstück und die nun anfallenden Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas, Internet) explodierten förmlich.
Unsere Rechnung sah plötzlich so aus: Die monatlichen Wohnungskosten waren doppelt so hoch wie die Van-Rate – und die Van-Rate mussten wir oft noch weiter abzahlen. Hinzu kam die Anschaffung eines Alltagsautos, weil wir ja nun fest standen.

Was wir gewannen, war ein Gefühl von Zugehörigkeit – Nachbarn, die man kennt, ein eigener kleiner Garten. Was wir verloren, war diese extreme finanzielle Flexibilität. Wir mussten lernen, uns festzulegen.
Der wichtigste Unterschied: Was „Zuhause“ wirklich bedeutet
Wenn ich mich entscheiden müsste? Das Haus gewinnt. Nicht weil es einfacher ist, sondern weil es sich echt anfühlt. Im Van fühlt sich jede Bewegung wie Flucht an, im Tiny House fühlt sich die Ruhe wie ein verdientes Ankommen an.
Mein wichtigster Hack: Die Freiheit des Van-Lebens entsteht erst durch die tiefen Ruhephasen dazwischen. Ohne den festen Boden zum Zurückkehren wird die ständige Bewegung zu einem sinnlosen Pendeln.
Ich vermisse den Schnee von der Einfahrt schaufeln zu müssen, um sofort in wärmere Gefilde zu fahren. Aber ich möchte nicht mehr jedes Mal darauf warten, dass die Nachbarshunde um 3 Uhr morgens auf dem Feld nebenan loslegen.
Man tauscht den Stress des Ungewissen gegen den Stress der Verpflichtung. Welche Lebensweise würden Sie wählen, wenn Sie wüssten, dass Sie immer mit dem Wetter und den Nachbarn leben müssen – egal ob auf vier Rädern oder vier Wänden?








