Niemand hat es seit 50 Jahren mehr geschafft: Das können wir jetzt fast wieder verlieren

Erinnern Sie sich noch an die Mondlandungen? Klar, die Bilder kennt jeder. Aber wussten Sie, dass wir seit 1972 – also vor über einem halben Jahrhundert – es nicht mehr geschafft haben, einen Menschen *wirklich* weit weg von der Erde zu schicken? Wir kreisen brav um unsere Heimat, aber der große Sprung? Fehlanzeige. Jetzt, wo die NASA mit Artemis II kurz davorsteht, diese Scharte auszuwetzen, erleben wir gerade, wie fragil dieses Wissen eigentlich ist.

Viele glauben, die Raumfahrt sei ein Selbstläufer. Aber ich habe mir die jüngsten Rückschläge angesehen und eines gelernt: Alte Meistertechnik ist nicht einfach durch eine neue Generation von Ingenieuren zu ersetzen. Gerade jetzt, wo Europa auf seinen ersten Fußabdruck hofft, drohen technische Pannen den Zeitplan komplett zu sprengen. Und das betrifft nicht nur die NASA.

Die 50-Jahre-Blockade: Warum wir den Mond vergessen hatten

Als Eugene Cernan 1972 den Mond verließ, hinterließ er eine Plakette mit einem Versprechen. Ein Versprechen, dass die Erforschung weitergeht. Tja, das Versprechen wurde eher zu einer sehr langen Parkpause. Seitdem fliegen Astronauten nur noch im Nahbereich – einmal Tag ein Mal aus, einmal Tag ein Mal ein. Der tiefe Weltraum? Nur noch für Roboter.

Die Rückkehr ist kompliziert. Es ist nicht einfach, ein altes Rezept neu zu backen. Die „Artemis II“ Mission soll die Crew in die Nähe des Mondes bringen, aber vorher muss die Technik beweisen, dass sie das überhaupt noch kann. Und genau hier sehe ich die ersten Risse.

Der Knackpunkt: Helium statt Wasserstoff-Druck

Schauen Sie sich die jüngsten Probeläufe an Cape Canaveral an. Da geht es nicht um komplizierte Sternenkarten. Es geht um Flüssigkeiten. Bei den Generalproben der riesigen SLS-Rakete gab es massive Probleme beim Betanken mit tiefkaltem Sauerstoff und Wasserstoff – die Mischung ist so explosiv wie ein alter Benzinkanister.

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Aber das wirklich Ärgerliche, und das übersehen viele beim Blick auf die Schlagzeilen, war der Druck. Konkret ging es um **flüssiges Helium**. Das ist zwar kein Brennstoff, aber es hält die Triebwerke der Oberstufe auf Temperatur und erzeugt Druck. Wenn das nicht klappt, stoppt der Countdown.

Ich dachte mir: Bekanntes Problem, oder? Falsch. Genau dieses Helium-Versagen hat im letzten Jahr schon den unbemannten Flug „Artemis I“ um Monate verzögert. Wir reden hier über hochkomplexes, altes Wissen, das in den letzten Jahrzehnten offenbar nicht mehr intensiv geübt wurde. Es ist, als würden Sie versuchen, einen alten VW Käfer nach 50 Jahren Standzeit ohne Handbuch zu starten.

  • Zeitdruck ist der Feind: Das nächste Startfenster öffnet sich Anfang April. Die Reparaturen müssen schnell durchgezogen werden.
  • Die Crew repräsentiert Neuheiten: Victor Glover (erster schwarzer Astronaut um den Mond), Christina Koch (erste Frau) und Jeremy Hansen (erster Kanadier!). Die NASA setzt bewusst ein neues Zeichen gegen die alte „weiße Männer“-Ära.
  • Vier statt drei: Im Gegensatz zu Apollo nehmen vier Leute teil. Das muss die „Orion“-Kapsel leisten.

Der Orbit-TÜV: Warum Umkreisen wichtiger ist als Landen

Bevor es richtig losgeht, steht ein absurder Test an: Die Crew fliegt erst einmal eine Runde um die Erde. 24 Stunden. Der Grund? Ein **großer System-Check im Orbit** – und ein Check der Astronauten selbst. Wie verhält sich die Technik, wenn sie warm ist? Wie fühlen wir uns?

Der wichtigste Manöverpunkt in dieser Phase ist das Andocken. Die „Orion“-Kapsel muss sich von der Raketenstufe abkoppeln, sich um 180 Grad drehen und wieder andocken. Dies demonstriert die Fähigkeit, zukünftig in Mondumlaufbahnen an andere Module anzukoppeln. **Für Europa ist das die Nagelprobe**, denn unser Servicemodul (ESM) liefert quasi den nötigen Antrieb für den Mondflug.

Europas Platz am Mond

Das ESM kommt von der ESA. Wir sind also tief involviert. Und die Ambitionen sind hoch: ESA-Chef Josef Aschbacher sagt klar: „Europa wünscht sich den Fußabdruck eines seiner Astronauten noch vor Ende dieses Jahrzehnts.“

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Das bedeutet, spätestens 2028 könnte ein Deutscher wie Matthias Maurer oder Alexander Gerst auf dem Mond stehen. Aber dafür muss jetzt erst einmal das Servicemodul (das hinter der Kapsel sitzt und alles mit Energie, Luft und Wasser versorgt) seinen Job machen. Wichtig zu wissen: Das ESM wird nach jedem Flug zur Erde hin verglühen und im Pazifik versenkt. Für Europas Raumfahrtindustrie bedeutet das: Es gibt Arbeit für jede Mission.

Der Blick zurück und die Landung

Kommandant Reid Wiseman sagte es salopp: Er hofft, dass sie von Houston „Go“ für den Mond bekommen – Worte, die zuletzt 1972 fielen, kurz bevor er geboren wurde. Das ist die emotionale Brücke.

Diese „Artemis“-Crew ist mit der ISS groß geworden, nicht mit der „Apollo“-Ära. Sie sehen den Mond anders. Flugdirektor Jeff Radigan erklärte es bildhaft für uns Bodenständige: Aus 10.000 km Entfernung sieht der Mond aus wie ein Basketball, den man mit ausgestrecktem Arm hält. Man kann gerade noch die Krater erkennen. **Das ist weiter weg als jeder Mensch zuvor war.**

Wenn alles klappt, trennt sich kurz vor der Rückkehr das Servicemodul, verglüht. Die Kapsel „Integrity“ bremst mit Hitzeschild und Fallschirmen ab, um vor der Küste Kaliforniens im Pazifik zu landen. Selbst die Kapsel soll wiederverwendet werden.

Die große Frage bleibt: Werden wir diese verlorene Fähigkeit wirklich zurückgewinnen, oder sind wir bei der nächsten Krise wieder auf dem Stand von 1972 festgefahren? Was denken Sie, wird die Artemis II Mission beweisen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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