Ärzte fanden Weg: Vergessen Sie die Lunge – das ist die neue Sauerstoff-Brücke

Stellen Sie sich vor, Sie müssten erst durch den Hintern atmen, um Luft zu bekommen. Klingt nach einem schlechten Witz aus dem Studium, nicht wahr? Viele Ärzte halten diese Vorstellung immer noch für absurd. Doch ein Team um den japanischen Forscher Takanori Takebe hat eine Methode entwickelt, die genau das versucht – und die in der Corona-Krise bitter nötig gewesen wäre.

Wenn die Lunge versagt, wird oft jeder Atemzug zur Qual. Beatmungsgeräte sind knapp, und die mechanische Beatmung ist brutal für den Körper. Genau hier setzt die Idee an, die klingt, als käme sie direkt aus einem Science-Fiction-Film: Sauerstoff über den Darm aufnehmen. Warum Sie das wissen sollten? Weil es das Potenzial hat, die Notfallmedizin komplett umzukrempeln, wenn herkömmliche Methoden versagen.

Von der Fisch-Inspiration zur Ig-Nobelpreis-Forschung

Die Inspiration dafür war so unerwartet wie genial. Takebe, eigentlich spezialisiert auf den Magen-Darm-Trakt, erinnerte sich an einen Süßwasserfisch, den Schlammpeitzger. Dieser Kerl kann tatsächlich Sauerstoff über seinen Darm ziehen. Was für uns nach Tiergarten klingt, wurde für Takebe zur Obsession, nachdem sein eigener Vater beatmet werden musste.

Der Versuch mit Schweinen und die Flüssigkeit, die kein Wasser ist

Die Forschergruppe entwickelte eine spezielle Sauerstoffträgerflüssigkeit, Perfluorodecalin. Bei Tierversuchen mit Schweinen und Mäusen sah man, was passierte: Die Sauerstoffsättigung im Blut stieg an, messbar! Diese Leistung brachte dem Team prompt den Ig-Nobelpreis ein – der Preis für Forschung, die erst lacht, dann nachdenkt.

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  • Takebes Dankesrede: Er bedankte sich augenzwinkernd dafür, dass man an das Potenzial des Darms geglaubt hat.
  • Die Flüssigkeit fungiert quasi als Sauerstoff-Schwamm im Körper, statt über die Lungenbläschen zu gehen.
  • Der Fisch gab den Anstoß: Ein echtes Beispiel aus der Natur für diese Methode.

Der Härtetest am Menschen: Wo hört der Spaß auf?

Man kann nicht einfach drauf los pumpen. Die erste Studie am Menschen war daher logischerweise ein Sicherheitstest. 27 gesunde Männer hielten die spezielle Flüssigkeit rektal verabreicht für eine Stunde im Körper.

Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber auch ernüchternd zugleich. Bis zu 1000 Milliliter waren gut verträglich. Aber Achtung: Bei höheren Dosen setzten die Nebenwirkungen ein. Vier von sechs Probanden berichteten über spürbare Bauchschmerzen.

Was bisher fehlt, ist der klare Beweis, dass die Sauerstoffaufnahme so effizient ist wie bei den Tieren. Die Sicherheit ist da, die große Atmung noch nicht bewiesen. Was bedeutet das für uns in Deutschland, wenn nächste Grippewelle oder eine neue Pandemie kommt?

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Praktischer Blickwinkel: Was kommt als Nächstes?

Experten sind aktuell noch geteilter Meinung. Einige Lungenärzte bleiben skeptisch und betonen die Überlegenheit der natürlichen Lungenfunktion – das ist absolut nachvollziehbar.

Doch der Clou liegt im Detail: Es geht nicht darum, die Lunge zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Denken Sie an eine Art „Emergency-Bypass“ für kurze, kritische Momente – etwa bei komplizierten Narkosen oder akuten Schocksituationen, wo jede Minute zählt.

Takebe selbst sieht es als Ergänzung. Bevor diese Methode den Weg in die Krankenhäuser im Kanton Zürich oder bei uns findet, braucht es zwingend eine zweite Testphase, diesmal mit sauerstoffangereicherter Flüssigkeit und echten Patienten.

Was denken Sie? Würden Sie diese Methode bei einem akuten Notfall akzeptieren, wenn die Lunge versagt? Oder ist das eine Grenze, die die moderne Medizin besser nicht überschreitet?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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