Wir dachten, wir hätten alle guten Karten verteilt, oder? Die Suche nach einer zweiten Heimat, einem echten Zwilling unseres blauen Planeten, fühlt sich oft an wie die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen des Universums. Doch genau jetzt, dank Daten eines längst stillgelegten Teleskops, steht ein Kandidat im Rampenlicht, der uns alle überrascht. Viele Experten halten diese Entdeckung für einen Zufallstreffer, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es ist Zeit, die Welt wieder neu zu betrachten.
Das Kepler-Geheimnis: Warum tote Technik Gold liefert
Das Kepler-Weltraumteleskop sammelt seit 2018 keinen neuen Input mehr. Seine Mission ist vorbei, die Festplatten sind – theoretisch – voll. Genau das macht die Sache so faszinierend: Forscher wühlen sich noch immer durch Berge alter Daten, die zwischen 2009 und 2018 gesammelt wurden. Sie fischen nach Signalen, die beim ersten Durchgang durchgerutscht sind.
In meiner Praxis als jemand, der die Entwicklung der Exoplaneten-Forschung verfolgt, sehe ich oft, wie aktuelle Entdeckungen alles überschatten. Aber hier? Hier reden wir von einem Fund, der beinahe vergessen worden wäre.
HD 137010 b: Das Paradebeispiel, das keiner sehen wollte
Der neue Kandidat heißt HD 137010 b. Was ihn von anderen potenziell bewohnbaren Funden unterscheidet, ist seine Nähe und seine Größe. Er ist erdähnlich – und das ist wichtig, denn Masse ist oft der erste Filter für Leben.
Das ist der Schock: Dieser Planet umkreist seinen Stern in einem Abstand, der dem unseren zur Sonne verdächtig ähnlich ist. Wir reden hier von einem potenziellen „Schwesterplaneten“, der nur etwa 150 Lichtjahre entfernt ist. Das ist kosmisch gesehen um die Ecke, besonders im Vergleich zu den Urgesteinen der Entdeckungen.

- Näher dran: Nur 150 Lichtjahre entfernt – das macht Folgeuntersuchungen viel einfacher.
- Größe zählt: Er ist erdgroß und damit ein Gesteinsplanet und kein Gasriese.
- Umlaufzeit: Er braucht vermutlich ein Jahr für eine Umrundung, exakt wie wir.
Warum die Forscher fast gezweifelt hätten
Stellen Sie sich das vor: Die Forscher sahen zunächst nur einen kurzen Schattenwurf. Ihr Stern verdunkelte sich für zehn Stunden – ein Zeichen, dass ein Planet davor vorbeizog. Zum Vergleich: Die Erde braucht etwa 13 Stunden, um vor unserer Sonne zu „huschen“.
Der Studienleiter Alexander Venner gab offen zu, dass das Team zuerst dachte, die Daten seien fehlerhaft. Manchmal klingen die Sensationen zu gut, um wahr zu sein. Sie mussten die Messungen doppelt und dreifach prüfen, bevor sie diesen Fund als „Paradebeispiel für einen Planetentransit“ bezeichnen konnten.
Hier liegt der Haken, den viele überlesen: Bislang gibt es nur diesen einen Transiteintrag. Für eine abschließende Bestätigung bräuchten Astronomen mehrere solcher Sichtungen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass HD 137010 b bewohnbar ist, liegt laut Modellrechnungen bei satten 40 Prozent.
Die Eiskugel-Gefahr: Was auf der Oberfläche wirklich lauert
Beweis hin oder her – Leben braucht flüssiges Wasser. Und hier kommt das Problem in unseren Breitengraden oft ins Spiel: Kälte. HD 137010 b bekommt von seinem Stern deutlich weniger Energie ab als wir von der Sonne.

Wenn Sie auf der Suche nach einer potenziellen Wärmeunterkunft sind, hilft nur die Atmosphäre.
Denken Sie an Ihren Wintermantel, den Sie im Januar in Berlin oder Wien anziehen, obwohl die Sonne scheint. Die Atmosphäre funktioniert ähnlich:
- Dicke Hülle (Bonus): Eine dicke CO2-Atmosphäre wirkt wie eine natürliche Heizdecke und könnte den Planeten auf angenehme Temperaturen bringen.
- Dünne Hülle (Problem): Eine dünne, erdähnliche Atmosphäre würde nichts halten. Der Planet wäre ein eisiger „Schneeball“.
Auch wenn wir hier in Deutschland gerade um die beste Dämmung für unsere Häuser ringen, läuft auf diesem Exoplaneten die ultimative Wette um die beste Klimahülle. Die Forscher sind vorsichtig optimistisch.
Fazit: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit
Die Jagd nach der zweiten Erde geht weiter, und sie wird durch „alte“ Daten aus dem Weltraumarchiv gespeist. HD 137010 b ist ein wichtiger Baustein, der uns zeigt, wie viele potenzielle Wohnorte wir vielleicht schon archiviert, aber noch nicht *gesehen* haben.
Was denken Sie: Sollten die Astronomen ihre besten Teleskope sofort auf diesen erdnahen Kandidaten richten, oder ist es sinnvoller, weiter im Ozean der Kepler-Daten zu fischen?









