Sie denken, Ihre Heizkostenabrechnung im Januar ist ein Schock? Warten Sie, bis Sie erfahren, wo in Deutschland die Luft so kalt wird, dass selbst der Atem sofort gefriert. Im Funtensee in den bayerischen Alpen wurde ein Wert gemessen, der selbst hartgesottene Österreicher erschaudern lässt – fast minus 46 Grad!
Doch hier kommt der Haken, der viele Meteorologen bis heute rätseln lässt und der die Region seltsam aussehen lässt: Trotz dieses Kälterekords taucht der See in keiner offiziellen Statistik als der kälteste Ort auf. Warum? Und was hat das mit einer mysteriösen Baumgrenze zu tun, die gegen jede Logik verstößt?
Der Suppenteller-Effekt: Wie die Berge einen Luft-Tiefkühlschrank bauen
Der Funtensee liegt auf rund 1600 Metern Höhe, ist aber fast vollständig von über 2000 Meter hohen Gipfeln eingekesselt. Stell dir das vor wie eine riesige Schüssel, die darauf wartet, gefüllt zu werden.
Der erste Trick: Der See selbst versickert im Karstgestein. Er hat keinen normalen Abfluss. Stattdessen ist er von einer Art Schwelle umgeben, die mindestens 100 Meter höher liegt als das Wasser. Kalte Luft hat hier einen perfekten Auffangbehälter.
Der zweite Faktor ist die Lichtlosigkeit. Im Winter steht die Sonne so tief, dass dieser Kessel nur wenige Stunden täglich direkt beschienen wird. Das bedeutet: Die gespeicherte Wärme kann nicht entweichen.

Die drei Zutaten für teuflische Kälte
Meteorologen sprechen von einem perfekten Sturm, wenn diese drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Windstille: Die eisige Luft muss am See „liegen“ bleiben und darf nicht weggetragen werden.
- Wolkenlosigkeit: Nur so kann die Körperwärme der Erde ungehindert ins All abstrahlen.
- Schneeauflage: Liegt Schnee auf dem gefrorenen See, wird die Luft darüber nicht einmal durch die Bodenwärme erwärmt.
Wenn Ranger Josef Egger diese Mischung sieht, weiß er: Jetzt wird es ungemütlich. Die kalte Luft fließt wie ein unsichtbarer Wasserfall die Berghänge hinunter und sammelt sich unten im Becken. Das ist die klassische Inversionswetterlage, nur extrem.
Das Birken-Rätsel: Die Sache mit dem Wald, der nicht wachsen will
Beim Klettern rund um den Funtensee fällt mir etwas auf, das ich so noch nie gesehen habe: Es gibt eine doppelte Baumgrenze, die keinen Sinn ergibt. Direkt am See wachsen keine Bäume. Erst weiter oben, wo die Luft eigentlich noch kälter ist, fängt der Wald wieder an!
Man könnte meinen, die eisige Kälte tötet die Bäume ab. Das ist die einfache Erklärung, die viele sofort akzeptieren. Aber die Historie liefert einen pikanten Gegenvorschlag:
Hunderte Jahre lang trieben Bauern ihr Vieh hierher. Die Theorie besagt: Die Menschen haben den Wald für Weideflächen gerodet, und Ziegen oder Kühe haben dann jeden kleinen Setzling aufgefressen. Die Kälte wäre dann nur ein sekundärer Effekt.
Mein Fazit als jemand, der schon viel in den Alpen gesehen hat: Wahrscheinlich ist es beides. Aber die Tatsache, dass dort, wo die Kaltluft nachweislich abfließt (etwa 100 Meter höher), wieder Bäume stehen, macht mich skeptisch gegenüber der reinen Rodungs-Theorie. Die Kälte formt diese Landschaft, nicht nur die Bauern.

Warum der Funtensee nicht offiziell der Kältemeister ist
Wenn minus 45,9 Grad gemessen wurden – warum steht dann Wolnzach-Hüll in Oberbayern (minus 37,8 Grad 1929) im offiziellen Buch des Deutschen Wetterdienstes (DWD)?
Hier kommt die typisch deutsche Bürokratie ins Spiel. Die Messung am Funtensee 2001 stammte von einer privaten Wetterstation, die nur wenige Meter versetzt von der offiziellen DWD-Station stand. Schon zwei Meter Höhenunterschied können hier den Unterschied zwischen Rekord und „nichts Besonderes“ ausmachen.
Wichtig: Der Funtensee ist aufgrund seiner exponierten Lage einfach zu speziell. Er repräsentiert nicht die „repräsentative“ Kälte, die der DWD für gesamt Deutschland messen will. Es ist eine kalte Nische, kein Standard.
Für dich als Leser bedeutet das: Es könnte in irgendeinem anderen bayrischen, unbewachten Hochtal noch kälter sein. Aber solange dort keine anerkannte Messstation steht, gilt der Rekord formal nur für diesen einen, windgeschützten Kältesee.
Was denkst du? Sollten wir diese eisigen, geheimen Täler offiziell vermessen oder ist es spannender, wenn die extremsten Orte der Republik ein Geheimnis bleiben?









