Sie kennen das Gefühl: Die Packung ist leer, der Entschluss steht, und doch lauert da diese unglaubliche Sehnsucht nach dem ersten Zug, nach dem Ritual. Nach über 20 Jahren im ewigen Aufhör-Zyklus musste ich feststellen, dass bloße Angst und Willenskraft reine Illusionen sind, wenn es darum geht, eine tief verwurzelte Angewohnheit wirklich loszuwerden.
Wenn Sie wie ich seit Jahren mit dem Gedanken spielen, endlich Schluss zu machen, aber immer wieder in die Falle tappen – selbst wenn gesundheitliche Warnungen (wie bei mir die Diabetes-Diagnose) laut schreien – dann sollten Sie jetzt weiterlesen. Denn die Lösung fand ich nicht im Verbot, sondern im Gegenteil.
Das Gift in meiner „glamourösen Rüstung“
Meine Beziehung zur Zigarette begann mit 16, untermalt von rebellischer Musik und dem 1,80 Euro teuren Päckchen Kool 100 Milds. Es war reine Folklore. Doch über die Jahre wurde die Kippe mehr als nur Nikotin. Ich habe es so empfunden: Sie war mein Kostüm, meine schnelle Abkürzung, wenn ich mich dramatisch oder stark inszenieren musste. Ein tragisches Accessoire.
Was viele nicht sehen: Rauchen ist oft ein soziales Schmiermittel. Die tiefgreifendsten Gespräche führte ich nicht am Küchentisch, sondern im Dunst eines Aschenbechers. Die gemeinsame Geste des Anzündens schafft eine **unmittelbare, fast körperliche Nähe**.
Der kulturelle Wandel, den wir ignorierten
Erinnern Sie sich noch, wie das war? Mitte der 2000er änderte sich alles. Plötzlich wurde das, was cool war, gesellschaftlich geächtet. Rauchverbote in Bars, das Verschwinden aus Filmen – plötzlich war es nicht mehr rebellisch, sondern nur noch einsam und verboten.

Als bei mir 27 die Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde, sah ich rot: Die Gesundheitsschlinge zog sich zu. Ich schmiss die letzte Schachtel in die Toilette. Ein Moment der Klarheit. Dachte ich zumindest.
Die Falle des heimlichen Rückfalls
Das Problem ist nicht der gelegentliche Ausrutscher. Das Problem ist die **Scham**, die ihn begleitet. Ich war jahrelang rückfällig, aber es waren keine „ganzen“ Rückfälle. Es waren diese heimlichen Akte:
- Der Zug in der dunklen Chicagoer Gasse, versteckt hinter Müllcontainern.
- Die eine Zigarette mit dem Kollegen, dem ich vertraute, dass er schweigt.
- Das Gefühl von früher auf dem Balkon am Mädels-Trip in Saugatuck, Michigan.
In diesen Momenten fühlte ich mich nostalgisch und total selbstverurteilend zugleich. Ich liebte das Gefühl – und hasste mich dafür, so wenig Disziplin zu haben, um es abzulegen.
Der radikale Schritt: Erlaubnis statt Kampf
Mit 46 begriff ich: Ich habe 20 Jahre lang versucht, etwas zu verbieten, das ich innerlich immer noch „liebe“. Dieser Kampf zehrt mehr Energie, als er hält. Ich musste die Psychologie umdrehen. Statt Selbstanklage brauchte ich eine **neue Selbstbestimmung**.

Mein neuer Deal, den ich seit Neujahr zementiert habe, klingt im ersten Moment absurd, bricht aber alle alten Muster:
Ich erlaube mir eine Zigarette – aber nur maximal eine pro Monat.
Und ganz wichtig: Wenn ich sie mir nehme, dann nicht mehr versteckt. Keine Flucht mehr hinter Mülltonnen. Kein schlechtes Gewissen, während ich meinen Partner anlüge. Wenn ich handle, dann bewusst und ohne Heimlichkeit.
Die Theorie dahinter: Wenn das Laster nicht mehr das **verbotene Gold** ist, sondern nur noch eine seltene, bewusste Entscheidung, verliert es seine hypnotische Anziehungskraft. Es wird vom Kostüm zur gelegentlichen Serviette.
Diese bewusste Entscheidung hat meine Sehnsucht bereits massiv gedämpft. Denn die wahre Macht der Sucht liegt im Geheimnis und in der Rebellion. Wenn dieses Geheimnis wegfällt, bleibt nur noch die Frage: Brauche ich das wirklich?
Was ist Ihr größter Fehlschlag beim Aufhören gewesen – war es der körperliche Entzug oder doch die verlorene soziale Geste?









