Stellen Sie sich vor: Sie sind CEO, besitzen ein eigenes Importunternehmen in Tokyo, und Ihre Mitarbeiter putzen in Ihrer Abwesenheit die Büros. Erst dachten Sie, es sei eine bizarre, neue Respektbekundung. Dann verstand ich die tiefere, eiskalte Wahrheit über japanische Arbeitskultur und Glaubwürdigkeit.
Was ich als frischgebackener Unternehmer in Japan sah – speziell beim Thema Kleidung und Hierarchie –, hat meine jahrzehntelang gelernten deutschen Business-Regeln komplett auf den Kopf gestellt. Wenn Sie denken, in Deutschland sind die Regeln streng, warten Sie ab, bis Sie gesehen haben, wie hier Uniformen wirklich funktionieren. Hier erfahren Sie, was Sie sofort falsch machen, wenn Sie heute in ein japanisches Meeting gehen würden.
Die Stille Regel: Flip-Flops im Startup? Sofortige Sanktion?
Als ich vor zehn Jahren nach Fukuoka kam, ging es nur um die Sprache und Logistik. Mode war mir egal. Doch die japanische Bürokultur zwang mich, Kleidung als eine Art Waffe neu zu bewerten. Hier zählt nicht, was Sie können, sondern wie Sie gefühlt werden, bevor Sie überhaupt ein Wort gesagt haben.
Die Uniformen, die Position verraten
In den meisten deutschen Unternehmen herrscht beim Dresscode eine pazifistische Stimmung – solange man nicht gerade bei der Bank sitzt. In Japan ist das anders. Kleidung ist eine klare Sprache:
- Im Tech-Startup war die Atmosphäre locker, ABER: Ein Ingenieur in Flip-Flops kassierte eine offizielle Verwarnung. Das war mein erster Schreckmoment.
- Beim Transportunternehmen trugen Fahrer die Jacke über Hemd und Krawatte. Der Helmfarbcode? Er zeigte den exakten Dienstgrad an – vom Lagerarbeiter bis zum Abteilungsleiter.
- Selbst im Familienbetrieb meiner Frau: Die Frauen im Büro tragen eigene Uniformen, die Männer, die im Außendienst sind, tragen Anzüge. Keine Wahl.
In den Niederlanden kann man im Job nonchalant sein. In Japan ist Uniformität gleichbedeutend mit Vertrauen.

Mein Chef-Outfit: Flexibilität oder Rebellion?
Als ich 2020 meine eigene Firma gründete, stand ich vor dem größten Problem: Was trägt der Chef? Im Lager muss ich schwere Sachen heben können, aber beim Kunden muss ich Seriosität ausstrahlen. Cargohosen auf der einen Seite, Maßanzug auf der anderen.
Das Geheimnis, das mir Japan beibrachte, ist dieses: Individualität wird hier nicht gefeiert, sondern misstrauisch beäugt. Ein lauter Akzent oder ein extravagantes Namensschild? Das kann schnell als Egoismus ausgelegt werden. Das Kollektiv steht über allem.
Der Ärmel-Trick: Das Signal, das niemand versteht
Ich mache es seit Jahren: Ich kremple meine Ärmel hoch – das ganze Jahr über, auch wenn die Heizung im Büro auf Hochtouren läuft. Warum?
Es ist praktisch, weil mir Hemden selten passen. Aber wichtiger ist der psychologische Effekt:
- Es signalisiert Stärke und die Bereitschaft zur sofortigen Aktion.
- Es zeigt, dass ich mich nicht von Formalitäten einschränken lasse.
- Es katapultiert mich in eine Denkweise, die nur auf das beste Ergebnis fokussiert ist.
Das ist mein persönlicher Hack, um die mentale Schwere abzulegen, die in diesem Kulturkreis oft auf den Verantwortlichen lastet.

Der Schockfaktor: Putzen gehört zur Führungsaufgabe
Das war der Punkt, an dem ich wirklich dachte, ich müsste zurück in die Niederlande ziehen. Ich verließ das Büro früh, um einen wichtigen Anruf zu erledigen. Als ich wiederkam, berichteten mir Mitarbeiter, sie hätten die Toiletten geputzt und die Böden geschrubbt.
Zuerst war ich empört. Das ist doch nicht die Aufgabe des CEOs oder der Büroangestellten!
Doch meine Mitarbeiter waren irritiert, dass *ich* nicht mit angepackt hatte. Ihre Botschaft war klar: Gemeinsame Verantwortung endet nicht an der Bürotür. Wenn etwas im Raum ist, das gemacht werden muss, zählt mein Rang nicht. Diese tiefe Verankerung der Gruppennormen ist in der deutschen Arbeitswelt kaum vorstellbar.
Was Sie jetzt mitnehmen sollten
Es gibt keine Patentlösung für Japan, keine goldene Regel, die Sie aus dem Flugzeug werfen können. Aber es gibt eine Priorität: Anpassung. Wer versucht, seine westliche Freiheit hier lautstark durchzusetzen, scheitert leise im Hintergrund.
Es ist unglaublich hier, solange man lernt, die Grenzen zwischen der eigenen Kultur und der neuen, tief verwurzelten japanischen Struktur zu respektieren und zu bespielen.
Jetzt frage ich Sie: Wenn Ihr Chef morgen früh die Kaffeemaschine putzen würde statt Ihnen Anweisungen zu geben – wäre das bei uns ein Zeichen von Respekt oder von Schwäche? Schreiben Sie es in die Kommentare!









