Du sitzt morgens beim ersten Kaffee, scrollst durch die Nachrichten und fragst deinen digitalen Assistenten nach dem aktuellen Wetterbericht oder einer schnellen Zusammenfassung des gestrigen Spiels. Und plötzlich: Die Antwort ist komplett falsch. Oder noch schlimmer: Sie klingt plausibel, ist aber frei erfunden. Genau dieses Phänomen hat es jetzt offiziell in unseren Wortschatz geschafft, und es ist ein wichtiger Weckruf für uns alle.
„Halluzinieren“ wurde in den Niederlanden und Belgien zum Wort des Jahres gekürt. Dabei reden wir nicht von Visionen, wenn wir Kaffee trinken. Wir sprechen über die Fähigkeit von Künstlicher Intelligenz, schlichtweg Fakten zu erfinden. Und wenn du dachtest, das sei nur ein harmloses digitales Ärgernis, solltest du besser weiterlesen. Viele übersehen, wie sehr uns das bereits beeinflusst.
Warum „Halluzinieren“ wichtiger ist als „Hangmatbeleggen“
Normalerweise wird das Wort des Jahres durch öffentliche Abstimmungen gewählt. Dieses Mal jedoch hat die Redaktion von Van Dale entschieden: keine Abstimmung nötig. Warum das so plötzlich und entschieden kam? Weil die Verbreitung von KI-generierten Falschinformationen so rasant ist, dass wir Zeit verloren haben.

In meiner Praxis habe ich selbst beobachtet, wie Menschen auf Basis von KI-generierten Texten falsche Entscheidungen getroffen haben – sei es bei der Urlaubsplanung oder bei der Recherche für wichtige Unterlagen. KI spricht mit überzeugender Sicherheit, selbst wenn sie grammatikalisch korrekte Lügen produziert. Das ist der Kern des Problems.
Die Täuschung: Wenn Fakten nur Ideen sind
Was genau passiert, wenn ein großes Sprachmodell „halluziniert“? Es versucht nicht, dich zu täuschen. Es versucht lediglich, das nächste logische Wort in einer Sequenz vorherzusagen, basierend auf den Mustern, mit denen es trainiert wurde. Manchmal sind die wahrscheinlichsten Muster eben erfunden.
Stell dir das wie einen brillanten Improvisationsschauspieler vor: Er hat alle Bücher der Welt gelesen, kann aber, wenn er keine Fakten findet, einfach eine perfekt klingende Szene erfinden, die plausibel klingt. Doch anders als ein Schauspieler kann die KI unser tägliches Leben beeinflussen.
- Die KI greift auf statistische Wahrscheinlichkeit zurück, nicht auf die Datenbank-Adresse der Wahrheit.
- Die Lügen klingen oft besser als die langweilige Wahrheit.
- Im Gegensatz zu früheren Wörtern des Jahres (wie „Graaiflatie“ 2023 oder „Klimaatklever“ 2022) adressiert dies eine grundlegende Funktion unserer neuen Werkzeuge.
Dein Sofort-Schutzschild gegen KI-Lügen
Wir können KI nicht verbannen, aber wir können lernen, ihr kritischer zu begegnen. Gerade wenn du in Deutschland oder Österreich recherchierst, wo die Standards hoch sind, ist dieser Misstrauensvorschuss wichtig. Denn anders als bei einem Zeitungsfehler, der korrigiert wird, verbreiten sich KI-Halluzinationen sofort und unkontrolliert.

Hier ist mein bester Tipp, den viele Content-Konsumenten übersehen:
Der „Quellen-Check-Trick“: Fordere die KI aktiv dazu auf, ihre Quellen in Klammern oder als nummerierte Liste anzugeben. Wenn die KI dann spezifische Links oder Bücher nennt, recherchiere diese EINE Quelle nach. Wenn sie nur allgemeine Phrasen liefert wie „Studien zeigen“, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie gerade fantasiert hat.
Wir müssen lernen, dass die Geschwindigkeit, mit der KI antwortet, nicht gleichbedeutend mit der Richtigkeit der Antwort ist. Sei skeptisch, besonders wenn die Antwort zu perfekt erscheint.
Das Wort „Halluzinieren“ ist somit weniger eine Modeerscheinung, sondern eine Warnflagge. Wir müssen jetzt lernen, unsere eigenen Filter zu kalibrieren, bevor diese digitalen Fabrikate unsere Realität komplett verschleiern. Wie oft bist du selbst schon auf eine glatt gelogene KI-Antwort hereingefallen, ohne es zu merken?









