Sieben Jahre nach der Hochzeit wieder ins Kinderzimmer ziehen? Klingt nach Rückschritt. Als wir nach London die Mietpreise nicht mehr stemmen konnten, war die Rückkehr ins Haus meiner Eltern die reinste Notlösung. Wir wollten sparen, aber emotional fühlte es sich an, als hätten wir versagt. Doch mitten im Chaos fand ich durch einfaches Gärtnern etwas, das unsere Beziehung zu meinen Eltern neu definierte und uns half, überhaupt wieder auf die Beine zu kommen.
Viele sehen es als Scheitern an, aber wir brauchten diesen Schritt. Die Mieten in unserer Ecke von London fraßen alles auf. Die Entscheidung, die frisch erarbeitete Unabhängigkeit für ein Jahr aufzugeben, war hart. Wir packten unsere Sachen zusammen und nahmen nur das Wichtigste mit: Unsere riesige Sammlung an Zimmerpflanzen. Diese grünen Mitbringsel wurden unser heimlicher Anker.
Weg vom Chaos: Wie ein Hobby Routine schuf
Als wir einzogen, herrschte bei uns innerlich Verunsicherung. Wir bewarben uns auf Jobs, suchten nach Krediten und starrten auf Budgettabellen. Nichts fühlte sich kontrollierbar an. Die Pflanzen waren das Gegenteil davon – sie verlangten nur eines:

- Beständige Aufmerksamkeit.
- Regelmäßiges Umtopfen.
- Die richtige Menge Licht.
Jeden Morgen startete ich mit dem Kaffeekochen und dem Kontrollgang zu meinen grünen Schützlingen. Wenn ich sah, wie die rankenden Efeus ihre neuen Triebe zeigten, gab mir das das Gefühl: Ich kann diese Ding hier managen. Und wenn ich das kann, schaffe ich auch die Jobsuche.
Der unerwartete Dschungel im Elternhaus
Mein Vater fand unsere Monstera anfangs amüsant: „Ist das hier ein Mini-Dschungel geworden?“, fragte er ungläubig, als er die überwucherten Fensterbänke sah. Anfangs waren die Pflanzen nur mein persönlicher Stressballast. Dann passierte das Wunder.
Meine Mutter, die gerade viel im Homeoffice arbeitete, fing an, mir beim Kaffeekochen Gesellschaft zu leisten. Plötzlich inspizierten wir gemeinsam, welche Pflanze einen neuen Topf brauchte oder ob die Ficus-Blätter genug Licht abbekamen. **Diese kleinen, harmlosen Gartengespräche öffneten Türen.**
Mehr als nur Blätter: Die Konversationen, die niemand erwartet hat
Was als schnelle Fragerei über Dünger begann, wurde zum täglichen Ritual. Wir redeten über die Pflanzen, aber plötzlich sprachen wir über unsere Ehe, meine wahren Zukunftsängste und darüber, wie es ist, wenn die Kinder erwachsen werden. Es war eine Nähe entstanden, die in den sieben Jahren davor im eigenen Haushalt gefehlt hatte.

Der Trick war, dass das Thema Pflanze eine Art neutralen Boden bot. Man redet nicht einfach über die tiefsten Sorgen, aber über die Pflege einer seltenen Sukkulente schon. Das machte uns verletzlich, aber auf eine sichere Weise. Das Hobby wurde zur Brücke.
Der praktische Nutzen, den Sie nicht ignorieren dürfen
Viele von uns in Deutschland sind heute finanziell angespannt oder erleben eine große Veränderung. Wir suchen nach Halt. Wenn Sie merken, dass Sie die Kontrolle verlieren, suchen Sie sich ein Hobby, das einen extrem langsamen, sichtbaren Fortschritt bietet. Sie müssen nicht gleich zurück zu den Eltern ziehen, aber Sie brauchen etwas, das Ihnen Kontinuität gibt, wenn der Rest Ihres Lebens wackelt. **Die Pflanze stirbt nicht, wenn Sie eine Stunde später den Gießkanne nehmen.** Das ist das Gegenteil von dem Stress, den der deutsche Alltag oft erzeugt.
Wir haben mittlerweile genug gespart und stehen kurz vor dem Umzug in unser eigenes kleines Reich. Wir werden nicht alle Pflanzen mitnehmen können. Mein Vater hat aber schon gedroht, dass wir welche zurücklassen sollen, damit der Platz nicht zu leer wirkt. Ich nehme nicht nur das Eigenheim mit, sondern das Wissen: Manchmal ist der größte Schritt nach vorne ein bewusster Schritt zurück – vorausgesetzt, man gießt richtig.
Haben Sie ein Hobby, das Ihnen in schweren Zeiten Halt gegeben hat? Erzählen Sie uns, wie Ihr persönlicher „Dschungel“ aussah!









