Der „Macher“ brach zusammen: Was Wolfgang Grupp nach seinem Suizidversuch jetzt gesteht

Sie kennen ihn als das Bollwerk der deutschen Industrie: Wolfgang Grupp, das Gesicht von Trigema, immer mit klaren Ansagen pro Standort Deutschland. Ein Mann, der den Mindestlohn eine „Schande“ nannte und dessen Unternehmen zu 100 Prozent in Deutschland fertigt. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Abgrund, den der 83-Jährige nun erstmals öffentlich thematisiert hat. Es ist eine Geschichte, die zeigt: Selbst die scheinbar Stärksten können zerbrechen, wenn die Last des Lebens zu groß wird.

Im Sommer 2025 schockierte Grupp die Öffentlichkeit mit der Nachricht: Altersdepressionen, ein Suizidversuch mit der Waffe, Krankenhaus. Das Bild des unverwüstlichen Unternehmers zerbrach über Nacht. Jetzt, acht Monate später, saß er mit Ex-Linken-Chef Gregor Gysi auf der Bühne – und sprach Klartext über das, was ihn an den Rand trieb.

Das nagende Gefühl: „Werde ich überhaupt noch gebraucht?“

Viele erfolgreiche Menschen kennen das: Sobald das Vermächtnis gesichert und die Zügel abgegeben sind (Grupp übergab Trigema Anfang 2024 an seine Kinder), entsteht ein Vakuum. Genau hier setzte laut Grupp das Problem ein.

In dem Gespräch machte er deutlich, dass der Entschluss, die Verantwortung abzugeben, nicht nur Erleichterung brachte. Er stellte sich eine Frage, die ihm wohl keinen Schlaf mehr ließ:

  • „Werde ich überhaupt noch gebraucht?“
  • Der Verlust der täglichen Geschäftigkeit nagte an seinem Selbstwertgefühl.
  • Er bereut diese Tat zutiefst und wünscht sich, sie ungeschehen machen zu können.

Das ist die dunkle Seite des „Ruhestands“: Wenn der Sinn verloren geht. Wir sehen das oft im deutschen Mittelstand, wenn der Fokus auf die Nachfolge verschiebt.

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Die körperlichen Narben sind geblieben

So sehr er seine Tat heute auch bereut – der Körper vergisst nicht. Obwohl Grupp betont, dass der fehlgeschlagene Versuch „Vorsehung“ gewesen sei, spürt der 83-Jährige die Konsequenzen noch heute. Und die sind konkreter, als man denkt.

Ich habe mir notiert, welche direkten Folgen der Vorfall für ihn hatte:

  • Er kämpft weiterhin mit Hörproblemen.
  • Als direkte Konsequenz hat er seinen Jagdschein abgegeben – ein symbolischer Schnitt.

Aber es gibt auch einen Kontrastpunkt: Er sagt, er könne das Leben wieder genießen. Das ist die Nachricht, die jetzt zählt.

Die „schlimmste Zeit“ fand früher statt

Spannend wurde es, als er über seine Jugend sprach. Denn die Zeit nach der Schocknachricht war nicht die härteste, die er erlebte. Grupp erinnerte sich an seine Internatszeit.

Jesuiteninternat: Ein Ort der Strenge

Die Zeit im jesuitischen Internat bezeichnete erungslos als „meine schlimmste Zeit“. Heimweh und vermutlich die strenge Erziehung prägten diese Jahre massiv. Keine schöne Anekdote für die Süddeutsche, das können wir festhalten.

Der wilde Ausbruch in Köln

Völlig anders sah es mit seinem anschließenden Studium in Köln aus. Wenn Sie an die strenge schwäbische Unternehmerfamilie denken: Grupp nutzte die Freiheit wie ein frisch befreiter Vogel.

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Er saß kaum in Vorlesungen. Sein Vater hatte ihm alles ermöglicht, was das Herz begehrt – eine 3-Zimmer-Wohnung, Sportwagen und sogar ein eigenes Reitpferd. Das war der pure Kontrast zu der Disziplin, die ihn später im Betrieb erwartete.

Die Ära Grupp: Ein Lebenswerk gefestigt in Krisen

Diese sorglose Phase endete abrupt 1969, als er in den elterlichen Betrieb einstieg. Von da an formte er Trigema zu dem, was es heute ist: ein Symbol für Qualität im deutschen Textilsektor.

Er hielt an klaren Standards fest, wie der Ablehnung des Niedriglohns. Das war seine Philosophie. Nun liegt die Verantwortung bei der nächsten Generation.

Dieses Geständnis von Wolfgang Grupp ist ein wichtiges Echo für alle, die glauben, Erfolg sei immer gleichbedeutend mit innerem Frieden.

Was denken Sie: Ist das Gefühl der „Nicht-mehr-gebraucht-Werdens“ das größte Risiko für erfolgreiche Unternehmer, sobald sie kürzertreten?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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