Der Schockmoment, der mich nach 13 Jahren Freiheit zwang, mein „Traumleben“ wegzuwerfen

Sie dachten, Sie wüssten, was wahre Freiheit bedeutet? Ich habe 13 Jahre lang auf sechs Kontinenten gelebt, um festzustellen, dass das, was wir als Abenteuer verkaufen, im Grunde eine perfekte Falle ist. Wenn Sie gerade planen, Ihren Job zu kündigen, um um die Welt zu reisen, lesen Sie das jetzt. Es geht nicht um das Ziel, es geht um den Moment, in dem Sie merken, dass Sie alles für nichts eingetauscht haben.

Das 13-jährige Sabbatical: Warum ich nie zurück wollte

Im Jahr 2010 startete es als ein leichtes, lockeres Sabbatical mit meinem Partner. Wir liebten die Schweiz, doch der Plan sah vor, kurz nach Neuseeland zu gehen, ein bisschen Geld zu machen und dann Australien und Asien zu sehen. Wir dachten, danach käme das „echte“ Erwachsenenleben an der US-Ostküste. Pustekuchen.

Die Wahrheit ist: Das Leben zog uns mit sich. Weil Instagram noch nicht einmal existierte, war das Entdecken von Gleichgesinnten ein analoges Erlebnis. Wir trafen andere Rucksacktouristen in Hostels, die uns von Working-Holiday-Visa und dem Unterrichten in Südkorea erzählten. Plötzlich war der vorgezeichnete Weg nicht mehr der einzige.

Zwanziger im Rausch: Jeder Tag war ein neuer Stempel im Pass

Wir verbrachten die Zeit als ein Wirbelwind: Roadtrips im australischen Outback, Tauchkurse auf den Philippinen, das Feilschen auf Märkten in Taipeh. Selbst die Arbeitstage fühlten sich wie ein Bonus an, weil der Hintergrund jeden Morgen neu war. Ich habe damals geschworen: Dieses freie Leben, gebaut auf minimaler Verantwortung, gebe ich nie wieder auf.

In meinen Zwanzigern war Verpflichtung das schlimmste Wort. Heute verstehe ich, dass Verpflichtung ein Anker sein kann.

Der Schockmoment, der mich nach 13 Jahren Freiheit zwang, mein

Der Bruch: Als Litauen die Illusion zerstörte

Fünf Jahre Mexiko, dann kam der große Umschwung: Covid-19 hat uns 2021 nach Osteuropa gespült. Unser Ziel? Eine kleine Stadt in Litauen.

Der Sommer dort war magisch – lange Tage, fast 30 Grad und Seen so weit das Auge reicht. Aber dann kam der Oktober. Oder besser gesagt, der fast sofortige Winter. Mitte Oktober saß ich um acht Uhr morgens in der Küche, trank Kaffee und starrte in die Dunkelheit. Die Sonne ging einfach nicht auf.

Genau das war der Knackpunkt, der mich innerlich zerbrach. Es war nicht nur das Wetter. Es war die Erkenntnis:

  • Ich hatte keine echten Bindungen an diesem Ort.
  • Ich hatte niemanden, den ich mitten in dieser Kälte anrufen konnte, weil mir die Decke auf den Kopf fiel.
  • Die totale Freiheit wurde zur erdrückenden Isolation.

Mit 35 Jahren fühlte sich die Verantwortungslosigkeit plötzlich nicht mehr abenteuerlich an, sondern haltlos.

Der Stolperstein: Die Rückkehr in die Heimat

Als der Partner ein Jobangebot aus Seattle bekam, wehrten wir es zuerst ab. Schließlich hatte ich 13 Jahre lang gebetsmühlenartig verkündet: Keine Rückkehr in die USA! Das klang nach einer Kapitulation vor dem „normalen“ Leben.

Der Schockmoment, der mich nach 13 Jahren Freiheit zwang, mein

Doch als Mitte April in Litauen erneut ein Schneesturm tobte, platze der Knoten. Wir setzten uns hin und analysierten die Situation. New York war Heimat, aber Seattle fühlte sich fast wie ein neues, fremdes Land an – vielleicht war das der Trick, um den Stolz zu umgehen.

Was die Heimat plötzlich so lebenswert machte

Die größte Hürde war mein eigenes Ego. Wie erkläre ich Freunden und Followern, dass die große Globetrotterin scheitert und heimkehrt? Es fühlte sich nach einem massiven Rückschritt an.

Doch es war die beste Entscheidung seit dem Start des Sabbaticals. Die Leichtigkeit, sich auf Englisch verständlich zu machen, einen Handwerker zu bestellen oder einfach einen Klempner anzurufen, war überwältigend. Kulturelle Bequemlichkeit ist ein unterschätzter Luxus. Aber der größte Gewinn waren die tiefen, bedeutungsvollen Freundschaften, die man nur bauen kann, wenn man bleibt.

Seit zwei Jahren leben wir nun in Seattle. Es ist nicht perfekt – das habe ich auf Reisen gelernt, dass nirgendwo das Paradies ist. Aber im Moment ist es besser als jeder Sonnenaufgang über einem fremden See, den ich alleine verbracht habe.

Haben Sie auch schon einmal mitten im größten Abenteuer gemerkt, dass Sie lieber nach Hause wollen? Erzählen Sie uns, was Sie an Ihren Wurzeln hält – oder was Sie dazu gebracht hat, sie abzuschneiden!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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