Die meisten Gäste meiner alkoholfreien Partys sind NICHT nüchtern – und das ist der Clou.

Sie denken, alkoholfreie Events ziehen nur Askese-Enthusiasten an? Falsch gedacht. Ich veranstalte Pop-up-Partys in New York, die sich anfühlen wie echtes Nachtleben – nur eben ohne Kater-Garantie. Was dabei wirklich schockiert: Über 75 Prozent meiner Gäste trinken regelmäßig Alkohol. Warum kommen sie trotzdem zu mir?

Wenn Sie denken, alkoholfreie Nächte sind nur etwas für Yoga-Gruppen und Meditations-Jünger, müssen Sie das hier lesen. Ich bin Sam Bail, und was ich in den letzten drei Jahren über den Durst moderner Millennials und der Gen Z gelernt habe, wird Ihre Sicht auf das Ausgehen komplett verändern.

Das größte Missverständnis über „Dry“ Socializing

Als ich vor drei Jahren meine Idee für Bright Nights Social entwickelte, wollte ich einfach nur tanzen gehen, ohne morgens wie ein Wrack aufzuwachen. Keine Wellness-Szene, keine Dogmen. Nur Musik und Kontakte.

Ich startete mit Pop-ups, mietete abends Cafés und machte sie zur Bar – nur eben ohne Gin Tonic als Hauptdarsteller. Der Erfolg war sofort da, aber was mich umgehauen hat, war die Altersstruktur und das Trinkverhalten der Besucher.

Warum (leicht) Beschwipste zu Ihnen kommen

Die Leute kommen nicht, weil sie abstinent leben müssen. Sie kommen, weil sie eine Pause brauchen, in der **Trinken nicht der Standard ist**. Sehen Sie es so: Es ist wie ein Restaurant, das seine Speisekarte für einen Abend komplett umstellt, aber die Gäste kommen trotzdem wegen der Atmosphäre, nicht nur wegen der Gurke.

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  • Der Kater-Faktor: Viele junge Berufstätige hassen den Tag danach mehr als den Drink selbst.
  • Kostenfalle: In New York kosten Cocktails schnell mal 17 Euro. Das Geld sparen sie lieber für Erlebnisse.
  • Soziale Müdigkeit: Sie wollen Kontakte knüpfen, ohne dass Alkohol die einzige Gesprächsgrundlage ist.

Ich bin 40 und habe die intensive Party-Phase hinter mir. Aber die jungen Leute heute fühlen genauso: Sie wollen ab und zu trinken, aber nicht JEDES Mal, wenn sie ausgehen.

Mehr Erlebnis, weniger Flüssigkeit

Dieser Trend geht weit über meine Partys hinaus. Schauen Sie sich um – gerade in Metropolen wie Berlin oder München explodiert die Nachfrage nach Aktivitäten, die man „nebenbei“ macht. Töpfern, Backkurse, Strick-Events.

Die Leute haben realisiert: Ein Erlebnis generiert eine bessere Erinnerung als drei Drinks, die man am nächsten Tag sowieso vergisst. Bei uns gab es kürzlich einen Bagel-Back-Kurs und eine Tanznacht mit DJs. Der Unterschied? Die Leute sind präsent und nicht nur betrunken.

Der unterschätzte Einfluss von THC und neuen Drinks

Ein weiterer Trend, den ich beobachte, ist die Verschiebung weg von reinem Alkohol hin zu anderen Substanzen – vor allem legales THC, das in diesen Kreisen boomt. Ich serviere es nicht, aber die Gäste kommen oft schon „auf Temperatur“ von THC-Getränken.

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Sie empfinden THC als kontrollierbarer bei sozialer Angst als Alkohol. Während funktionale Getränke (mit Ashwagandha oder Nootropika) noch skeptisch beäugt werden, experimentiert die Generation gerade aktiv damit, **was ihr Körper wirklich braucht, um sozial locker zu sein**.

Viele Konsumenten probieren aktuell, ob sie die Dosis THC reduzieren können, weil sie merken, dass auch hier ein „Zuviel“ existiert.

Der Trick, wie Sie jede Party rocken (ohne Zwang)

Das größte Learning: Alkoholfrei muss sich nicht nach Verzicht anfühlen. Es muss sich nach Option anfühlen. Wenn Sie das nächste Mal selbst eine Feier organisieren, nutzen Sie diesen Hack:

  1. Die Misch-Strategie: Bieten Sie mindestens 50 % hochwertige alkoholfreie Alternativen an – aber platzieren Sie diese genauso attraktiv wie die alkoholischen Optionen. Keine traurige Wasserflasche in der Ecke.
  2. Fokus auf die Aktivität: Planen Sie ein Spiel, eine gemeinschaftliche Aufgabe oder eine Musik-Challenge. Das lenkt den Fokus weg vom Glas.
  3. Keine Fragen zulassen: Machen Sie es zur Norm, dass niemand nachbohrt, was Sie gerade trinken. Die Leute werden es respektieren, wenn Sie es selbst entspannt behandeln.

Am Ende geht es nicht darum, wer nüchtern ist. Es geht darum, dass Sie am nächsten Tag funktionieren wollen, während Sie trotzdem Ihren Spaß haben. Das alkoholfreie Nachtleben ist nicht nur für Abstinenzler. Es ist für jeden, der eine bessere Balance im Feiern sucht.

Was denken Sie? Ist die Suche nach „Mäßigung“ das neue „Exzess“? Diskutieren Sie mit!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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