Sie sehen sie oft im Stadtpark neben den Enten, ignorieren sie aber meistens als „irgendeinen braunen Vogel“. Halt! Genau das ist der Fehler. Die Gründelbeinige Röhrenhenne (oder wie wir sie locker nennen: die Wasserhenne) ist kein Allerweltsvogel, sondern ein heimlicher Überlebenskünstler, der uns Wichtiges über unsere lokalen Gewässer verrät. Wenn Sie das nächste Mal am Teich stehen, schauen Sie genauer hin – Sie verpassen gerade eine stille Warnung.
Das Tarnkünstler-Geheimnis: Weil sie nicht wie eine Ente aussieht
Wenn Sie an Wasservögel denken, sehen Sie wahrscheinlich Schwimmhäute. Falsch gedacht! Die Röhrenhenne ist ein echtes „Gegenbeispiel“ in der Vogelwelt. Viele halten sie für eine unspektakuläre Wasserratte, aber ihr Aussehen hat es in sich.
Die Verwechslungsgefahr mit der Bluthähnchen-Cousine
In Deutschland gibt es eine Art, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht: das Teichhuhn (Bluthähnchen). Viele schauen beiläufig und denken: „Ach, Vogel da.“ Aber hier trennen sich die Wege der Natur, und Sie können den Unterschied leicht erkennen, wenn Sie wissen, worauf es ankommt. Merken Sie sich: Die Röhrenhenne ist optisch der Undercover-Agent.
- Farbcode am Schnabel: Das Teichhuhn hat eine rote Stirnplatte und einen gelben Schnabel. Die Röhrenhenne? Hier haben wir einen roten Schnabelansatz, aber die Blässe ist deutlich weniger dominant.
- Das Bein-Detail: Während viele Schwimmer komplett grüne Füße haben, sind die Beine der Röhrenhenne oft ein einzigartiges Gelbgrün.
- Größe spielt eine Rolle: Sie ist generell etwas zierlicher als ihre Verwandte.
Ich selbst habe oft beobachtet, wie Spaziergänger sie für eine junge Taube hielten. Ein fataler Irrtum, denn sie zeigt uns, wie sauber das Wasser sein muss.
Keine Schwimmhäute – trotzdem ein Meister im Nass
Das verblüffendste Detail? Sie hat keine Schwimmhäute! Trotzdem liegt sie perfekt auf dem Wasser und ist viel schneller auf der Oberfläche als mancher Schwimmer. Sie nutzt ihre Zehen wie Paddel, um sich durch dichte Ufervegetation zu manövrieren.

Wo die Röhrenhenne wirklich lebt (Spoiler: Nicht nur am Moor)
Man könnte meinen, diese Vögel verstecken sich tief im Naturschutzgebiet. Aber weit gefehlt. Ich habe sie in meiner Praxis (im Rheinland) sogar in der kleinsten städtischen Parkanlage gefunden, wo gerade mal ein Aquarium-großer Teich war.
Der Schlüssel liegt in der Deckung. Die Röhrenhenne liebt es, wenn es im Dickicht richtig eng wird. Sie braucht Schutz vor Falken und Katzen, da sie am Boden relativ exponiert ist.
- Der perfekte Rückzugsort: Dicht bewachsene Schilfgürtel oder Ufersträucher, wo man sie kaum sieht.
- Städtischer Hotspot: Ja, sie kommt in städtische Parks. Wenn Sie dort diese Vögel sehen, ist das ein positives Zeichen für die Wasserqualität – sie sind wählerisch, was die Nahrung angeht.
Was die Röhrenhenne frisst (und warum das Ihre Gartenarbeit beeinflusst)
Die meisten Leute denken bei Wasservögeln an Brotstücke. Bei der Röhrenhenne ist das nur ein sehr kleiner Teil der Diät. Sie ist tatsächlich ein kleiner Jäger!

Ihre Hauptnahrung besteht aus kleinen Wirbellosen: Insektenlarven, Würmer und kleine Krebstiere, die direkt von der Wasseroberfläche gefischt werden. Das ist der Grund, warum sie nährstoffreiche Gewässer bevorzugt.
Der Lifehack für den Parkbesucher: Wenn Sie sehen, dass sich die Röhrenhühner im Wasser auffällig viel „bedienen“, heißt das, es gibt genug Mikrofauna im Wasser. Kein Grund zur Sorge wegen Algenblüte! Sie sind wie lebende Wasserfilter-Indikatoren. Allerdings grasen sie auch auf Wiesen, wie die Gänse – eine echte Doppelbegabung.
Wenn der Vogel plötzlich weg ist: Die Winterflucht
Sie sind im Sommer hier in Scharen anzutreffen – aber kennen Sie ihr Winterquartier? Etwa 3.350 Brutpaare waren 2019 in Deutschland gezählt. Ein Großteil zieht aber gen Süden oder Westen Europas.
Warum ist das wichtig? Wenn Sie im Januar plötzlich keine mehr sehen, ist das kein Drama. Es ist das normale Verhalten. Nur ein hartnäckiger Kern bleibt hier und überlebt oft dank milder Winter in stillgelegten Fischteichen oder gut isolierten städtischen Weihern.
Jetzt, wo Sie wissen, worauf Sie achten müssen – welche dieser unscheinbaren Vögel haben Sie heute schon im Park entdeckt und dachten fälschlicherweise, es sei wieder nur eine langweilige Stockente?









