Dieser geheime Kern der Erde wird gerade weich – und das ist keine Science-Fiction

Stellen Sie sich vor, Sie verlassen sich seit Jahren auf eine massive Stahlbetonwand, nur um zu erfahren, dass sie im Inneren langsam zu warmer Butter wird. Genau das passiert gerade im tiefsten Inneren unseres Planeten. Wissenschaftler haben eine Entdeckung gemacht, die unser Verständnis vom Erdinneren auf den Kopf stellt, und das hat direkte Konsequenzen für das, was uns alle schützt – unser Magnetfeld.

Was wir jahrzehntelang als unerschütterlich starren, festen Eisenkern im Zentrum der Erde kannten, verhält sich unter extremem Druck und Hitze völlig anders. Wenn Sie sich fragen, warum Sie diesen Artikel lesen sollten: Denn diese „Erweichung“ könnte der Schlüssel dafür sein, warum unser Planet überhaupt ein schützendes Magnetfeld besitzt, das uns vor gefährlicher Sonnenstrahlung abschirmt. Ignorieren Sie das nicht!

Die eiserne Lüge: Warum der Kern nicht wirklich fest ist

Der Erdkern ist extrem. Wir reden hier von mehr als 3 Millionen Atmosphären Druck und Temperaturen, die mit denen der Sonnenoberfläche vergleichbar sind. Man dachte, Eisen und leichte Elemente bilden dort eine unbewegliche Kugel.

Aber Seismologen haben schon lange seltsame Anomalien bemerkt. Schallwellen, die durch das Erdinnere reisen, verhalten sich dort merkwürdig. Sie verlangsamen sich ungewöhnlich stark, fast so, als würden sie durch etwas viel Flexibleres als reines Metall reisen. Wie kann etwas gleichzeitig fest und doch so „schmierig“ sein?

Der ungebetene Gast: Was Carbon heimlich verändert

Die Erklärung kam nun aus China, und sie ist verblüffend. Es geht nicht nur um reines Eisen. Bei diesen absurden Bedingungen verhält sich das im Kern eingeschlossene Kohlenstoff (Carbon) nicht wie ein fester Bestandteil, sondern wie ein „dynamischer Störfaktor“.

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Was genau passiert? Die Stahl-Carbon-Legierung tritt in eine sogenannte superionische Phase ein. Das ist der entscheidende Punkt:

  • Das Eisen-Gitter bleibt zwar stabil und fest.
  • Die winzigen Kohlenstoffatome aber werden hypermobil.

Stellen Sie sich das vor wie einen sehr geordneten Tanzboden (das Eisen), über den Hunderte von Kindern (die Kohlenstoffatome) völlig frei und schnell herumrennen, ohne die eigentliche Struktur zu zerstören. Diese unkontrollierte Bewegung der Kohlenstoffatome nimmt dem gesamten Material dramatisch die Steifigkeit.

Das Experiment, das niemand nachmachen will

Diese Theorie zu beweisen, war eine gigantische Herausforderung. Wie simuliert man den Erdkern im Labor? Man kann nicht einfach einen Bohrer ansetzen.

Die Forscher nutzten eine spezielle Stoßkompressionsanlage. Sie feuerten Proben von Eisen und Kohlenstoff mit unfassbaren 7 Kilometern pro Sekunde ab! Das erzeugte kurzzeitig Drücke von 140 Gigapascal und 2.600 Kelvin.

Das Ergebnis? Die Messergebnisse zeigten eine drastische Abnahme der Scherwellengeschwindigkeit – exakt das, was die Erdbebenwellen seit Jahren andeuteten. Es war der experimentelle Beweis für einen Kern, der intern „erweicht“.

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Mehr als nur Gestein: Der Einfluss auf unser Magnetfeld

Bisher dachte man, das Magnetfeld (der Geodynamo) werde hauptsächlich durch Hitze- und chemische Konvektion erzeugt. Jetzt kommt eine neue Energiequelle ins Spiel, die viele übersehen haben.

Die ständige, schnelle Diffusion der Kohlenstoffatome durch das Eisennetzwerk im Kern ist eine massive Quelle energetischer Bewegung. Die Forscherin Yuqian Huang bemerkte: „Diese atomare Diffusion im Inneren ist uns bisher verborgene Energiequelle.“

Was das für uns bedeutet:

  • Die bisherigen Modelle des Erdinneren waren zu statisch.
  • Die Lebensdauer und Stärke unseres Magnetfeldes könnte von dieser internen Atom-Migration abhängen.

Verstehen wir diese neue, weichere Struktur des Kerns, verstehen wir besser, wie unser Schutzschild gegen kosmische Strahlung funktioniert – und wie es sich in geologischen Zeiträumen verändern könnte. Diese Entdeckung verlagert unseren Blick von einem starren Erdinneren hin zu einem hochkomplexen, dynamischen System.

Welche anderen Geheimnisse verbirgt sich noch im tiefsten Inneren unseres Planeten, die wir durch falsche Annahmen bisher übersehen haben? Teilen Sie Ihre Gedanken dazu in den Kommentaren!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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