Dieser neue Erd-Zwilling ist laut Forschern 20x näher – und doch kaum mehr als ein Schock

Stellen Sie sich vor: Mitten in der Nacht sehen Sie in den Himmel, und da, nur einen Katzensprung entfernt (astronomisch gesehen), existiert ein Planet, der fast ein perfektes Abbild unserer Erde sein könnte. Genau das ist gerade passiert – allerdings mit einem massiven Haken, den Ihnen die Schlagzeilen verschweigen.

Während wir hierzulande vielleicht gerade über die nächste Stromrechnung oder das Wetter im Herbst nachdenken, haben Astronomen eine potenzielle zweite Heimat entdeckt. Doch ich sage Ihnen direkt: Bevor Sie Ihre Koffer packen, müssen Sie wissen, was die Forscher selbst anfangs für einen Datenfehler hielten. Diese Entdeckung ist faszinierend, aber sie kommt mit einer düsteren Warnung.

Der Kepler-Fund, der erst ignoriert wurde

Das alteingesessene Kepler-Weltraumteleskop, das offiziell seit 2018 im Ruhestand ist, liefert uns immer noch Überraschungen liefert. Es ist wie das Ausmisten alter Fotos – plötzlich findet man Gold.

Ein internationales Team hat nun einen Planetenkandidaten identifiziert, der auf den Namen HD 137010 b hört. Was macht ihn so besonders im Vergleich zum bereits bekannten Kepler-186f, dem ersten erdähnlichen Zwilling?

Näher, heller, potenziell bewohnbarer?

Hier kommt der Teil, der selbst Wissenschaftler zögern ließ. HD 137010 b soll nicht nur erdgroß sein, er umkreist seinen Stern in einem ähnlichen Abstand wie wir die Sonne. Das ist die Eintrittskarte für die bewohnbare Zone.

Dieser neue Erd-Zwilling ist laut Forschern 20x näher – und doch kaum mehr als ein Schock - image 1

  • Nähe: Der Stern ist nur etwa 150 Lichtjahre entfernt. Das ist im kosmischen Maßstab fast schon die Nachbarschaft.
  • Helligkeit: Er ist sage und schreibe 20-mal heller als der Stern des Kepler-186f.
  • Umlaufzeit: Er benötigt ungefähr ein Jahr für eine Umrundung – perfekt synchronisiert mit uns.

Ich habe mir die Daten angesehen und das Fazit ist klar: Während wir in Deutschland sparen, um vielleicht einmal in den Urlaub zu fliegen, haben wir hier einen potenziellen Nachbarn, der uns sofort ins Auge sticht. Aber Vorsicht, die Datenlage ist dünn.

Der Stolperstein: Warum „Kandidat“ bedeutet: Nicht sicher

Das größte Problem bei dieser Sensation? Man hat den Planeten bisher nur einmal gesehen. Stellen Sie sich vor, Sie sollen eine Lotto-Ziehung bestätigen, nachdem nur einmal die Kugeln gerollt sind. Unmöglich!

Die Forscher sahen, wie der Stern für zehn Stunden im Schatten verschwand. Das ist der klassische Planetentransit. Aber das Team um Alexander Venner hat zugegeben: Sie konnten es kaum glauben, denn sie brauchten mehrere solcher Vorbeizieher, um sicher zu sein.

Das ist der Trick: Ein einzelner Transit reicht nicht, um einen Planeten zu bestätigen. Das macht HD 137010 b zu einem hochinteressanten, aber unbestätigten Gast.

Dieser neue Erd-Zwilling ist laut Forschern 20x näher – und doch kaum mehr als ein Schock - image 2

Die Temperaturfalle: Eis oder Wasser?

Selbst wenn der Planet dort residiert, wo es theoretisch warm genug sein könnte – das Licht seines Sterns ist für uns ein wichtiger Maßstab. HD 137010 b empfängt deutlich weniger Licht als die Erde von unserer Sonne.

Die Folge? Unser Gehirn malt sofort Bilder von eisigen Landschaften. Modellrechnungen geben dem Planeten eine 40-prozentige Chance, *tatsächlich* in der perfekten Zone zu sein. Aber hier kommt die Atmosphären-Frage, die alles entscheidet:

  • Szenario A (Die Decke): Wenn dieser Himmelskörper eine dicke Atmosphäre, reich an Kohlendioxid, besitzt, könnte diese als verlängerte Heizmatte wirken. Flüssiges Wasser wäre möglich.
  • Szenario B (Der Schneeball): Mit einer dünnen, erdähnlichen Hülle würde der Planet sofort zu einem gefrorenen „Schneeball“ erstarren. Vergessen Sie den Urlaub dort.

Wichtig zu wissen: Wir haben zwar tolle Teleskope, aber wir können derzeit nur die Dichte der Atmosphäre aus der Ferne erahnen. Wir wissen, wie viel Licht er bekommt, aber nicht, wie viel Wärme er festhalten kann.

Was uns die Kepler-Daten noch lehren

Es ist erstaunlich, dass diese alten Daten, die Jahre im All gesammelt wurden, uns heute noch so tiefgehende Informationen liefern. Es zeigt, wie wichtig es ist, Datenarchive nicht einfach abzuschreiben. Viele scheinbar erledigte Projekte bergen noch unentdeckte Schätze. Das ist doch faszinierend, oder?

Wenn Sie das nächste Mal in den Nachthimmel blicken, denken Sie daran: Dort draußen wartet möglicherweise ein Zwilling der Erde, der nur darauf wartet, dass wir die richtige Atmosphäre finden, um ihn von einem Eisbrocken zu unterscheiden. Was würden Sie tun, wenn wir wüssten, dass dort Wasser fließt – würden Sie hoffen, dass es Trinkwasser ist?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1361

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert