Gerade als wir dachten, wir wüssten, was auf unserem Planeten kreucht und fleucht, kommt die Schocknachricht aus der Wissenschaft: Fast 200 neue Pflanzen und Pilze wurden im letzten Jahr benannt – und die meisten von ihnen stehen bereits am Rande des Abgrunds. Das ist die bittere Wahrheit, die Ihnen Ihr lokaler Gartencenter verschweigt.
Stellen Sie sich vor, Sie entdecken eine völlig neue Orchideenart, nur um festzustellen, dass sie in drei Jahren verschwunden sein könnte. Genau das passiert gerade. Die Tatsache, dass wir neue Spezies benennen, während menschliche Aktivitäten die Natur „bis zur Ausrottung erodieren“, ist ein Schlag ins Gesicht. Sie müssen wissen, was hier gerade passiert, bevor diese Wunder der Natur nur noch Fotos sind.
Warum wir Spezies benennen müssen, die wir noch nicht kennen
Wissenschaftler der Royal Botanic Gardens Kew und ihre Partner haben die ersten 10 Spezies des Jahres 2025 vorgestellt. Das Kernproblem ist simpel: Man kann nicht schützen, was man nicht kennt. Ohne einen wissenschaftlichen Namen sind diese Überlebenskünstler für uns praktisch nicht existent.
Dr. Martin Cheek fasst es präzise zusammen: Wir riskieren, die Systeme zu demontieren, die unser eigenes Leben auf der Erde stützen. Wenn Sie denken, das betrifft nur exotische Regenwälder, täuschen Sie sich. Die Geschwindigkeit des Verlusts ist atemberaubend.
Der Schrecken: Pilze, die Spinnen in „Zombies“ verwandeln
Beginnen wir mit dem gruseligsten Fund, der garantiert für Gesprächsstoff sorgt: Purpureocillium atlanticum. Dieser Pilz, entdeckt im Atlantischen Regenwald Brasiliens, gehört zu einer Gruppe, die Wirte regelrecht übernimmt.

Was passiert? Der Pilz infiziert die Spinne, übernimmt die Kontrolle über ihr Nervensystem und zwingt sie, sich an einen strategischen Ort zu klettern. Dort stirbt die Spinne, und aus ihrem Kadaver wächst der Fruchtkörper des Pilzes heraus, der dann Sporen freisetzt.
- Er bricht aus dem Kopf oder dem Mund des Opfers aus.
- Er stellt sicher, dass die Sporen an der optimalen Stelle verteilt werden.
- Viele dieser Arten sind für uns völlig harmlos, aber die Vorstellung ist verstörend.
Ein Feuerdämon und Orchideen, die betrügen
Die neuen Entdeckungen sind nicht alle düster. Manche sind einfach nur spektakulär – aber leider genauso bedroht.
Die „Feuerdämon“-Blume
In Peru entdeckte man Aphelandra calciferi, einen Busch, der durch seine leuchtend rot-orangefarbenen Blüten sofort ins Auge sticht. Wissenschaftler nannten sie nach Calcifer aus „Das wandelnde Schloss“ – ein schöner Name für eine Pflanze, deren Lebensraum rasant schwindet.
Die Orchidee, die Mücken imitiert
Die andine Orchidee Telipogon cruentilabrum ist ein Meister der Täuschung. Ihre gelben Blüten mit blutroten Äderchen imitieren weibliche Fliegen, um Männchen anzulocken – eine Falle für die Fortpflanzung. Ironischerweise liegt ihr eigenes Habitat in Ecuador schon mehrheitlich brach, oft dezimiert durch den Hunger nach Rohstoffen.
Tipps für den bewussten Umgang: Was wir jetzt tun können
Dieser Bericht ist ein Weckruf, besonders wenn Sie Wert auf Ihren nächsten Wanderurlaub oder einfach nur auf eine intakte Natur legen. Hier ist, wie Sie diese Funde im Hinterkopf behalten können, auch wenn Sie nicht gerade Taxonomie studieren:

1. Die Gefahr des Sammelns: Viele dieser Arten, wie der neu klassifizierte „lebende Stein“ (Lithops gracilidelineata subsp. mopane) oder das Schneeglöckchen Galanthus subalpinus, werden durch illegalen Handel oder unnötige Sammelei dezimiert. Kaufen Sie niemals Pflanzen aus unbekannten Quellen.
2. Wo liegt der Fokus? Interessanterweise stammen viele Funde aus Gebieten, die durch den Klimawandel und Abholzung extrem unter Druck stehen, wie die Philippinen oder Indonesien. Wenn Sie im Baumarkt nach exotischen Palmen schauen, bedenken Sie, dass der einzige bekannte Standort einer neuen Art (wie die Adonidia zibabaoa) von Taifunen bedroht ist.
3. Die unsichtbare Welt: Glauben Sie, Sie kennen Pilze? Viele der neuen Funde sind Endophyten – eigentlich Pilze, die im Inneren von Graswurzeln leben, wie Magnaporthiopsis stipae. Sie kümmern sich um das Ökosystem, das wir gedankenlos versiegeln.
Fazit: Benennen ist der erste Schritt zur Rettung
Die Wissenschaft hat uns 200 neue Gründe gegeben, die Natur zu respektieren. Aber die Tatsache, dass eine der spektakulärsten Entdeckungen – die Zombie-Spinne – bereits in einem bedrohten Wald vorkommt, zeigt, wie knapp die Zeit ist. Wir sind im Wettlauf gegen die Ausrottung.
Welche dieser neuen, teilweise bedrohten Arten hätten Sie am liebsten einmal in der freien Natur gesehen, bevor sie vielleicht verschwinden?









