Dieses 2-Wochen-Trip hat mich meinen sicheren Job gekostet – heute lebe ich in Ecuador

Sie starren jeden Montag auf die gleiche triste Bürowand und träumen von einem Leben, das nach tropischen Früchten und Abenteuer schmeckt? Genau so fühlte ich mich auch. Viele sagen, Auswandern sei ein radikaler Sprung ins kalte Wasser. Aber ich zeige Ihnen, wie ein kurzer Urlaub vor acht Jahren mein Leben komplett umgekrempelt hat und warum Ihr jetziger Job Sie vielleicht mehr kostet, als Sie denken.

Ich war Mitte 20, lebte in Toronto und dachte, mein Leben als Redakteurin bei einem Lifestyle-Magazin wäre gesichert. Dann kam Medellín. Zwei Wochen – nicht mehr – haben gereicht, um meinen inneren Kompass neu auszurichten. Es waren nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern die Atmosphäre: die Musik, die Farben, die ungezwungene Art der Menschen.

Der Auslöser: Warum zwei Wochen alles veränderten

Als ich zurück in Kanada war, ließ mich das Gefühl von Medellín nicht los. Es war, als hätte man mir kurz die Augen für eine ganz andere Art zu leben geöffnet. Die Entscheidung stand fest: Ich kündige und werde freie Autorin, um nach Südamerika zu ziehen.

Ich musste meinen Komfortzone verlassen, bevor sie mich komplett einengte.

Die nächsten zwei Jahre nutzte ich, um hart zu sparen und ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Als ich dann in Kolumbien ankam, war das Ziel klar: eintauchen, arbeiten, Spanisch lernen. Heute, acht Jahre später, lebe ich in Ecuador und die Karriere läuft – aber ich habe hart für die Fehler gearbeitet, die ich heute rückblickend vermeiden würde.

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Was damals funktionierte (und Sie jetzt schon tun können)

Kreative Berufe sind von Natur aus unsicher. Egal ob Corona, die nächste Krise oder neue Technologien wie KI – die Stetigkeit fehlt. Deshalb habe ich einen Sicherheitsanker gebaut, den viele bei ihrem Plan vergessen:

  • Finanzielle Puffer: Ich habe über ein Jahr lang alle Lebenshaltungskosten (damals etwa 7.500 Euro) angespart. Wer träumt, muss auch planen können.
  • Die 3-Kriterien-Regel: Nur Aufträge angenommen, die gleichzeitig Spaß machen, sinnvoll und gut bezahlt sind. Eine Balance, die mir heute noch hilft, schlechte Projekte abzulehnen.
  • Lokales Eintauchen: Morgens Kundenarbeit erledigen, nachmittags die grünen Kaffeehügel erkunden. Diese Trennung hielt mich motiviert.

Viele scheitern an der Illusion der sofortigen Perfektion. Für mich war es harte Arbeit, die sich ausgezahlt hat, weil ich mir erlaubte, langsam zu starten.

Der größte Fehler: Ich habe das Spanische ignoriert

Heute spreche ich Spanisch auf mittlerem Niveau. Für meine Arbeit als Reiseautorin, die auf Interviews basiert, ist das oft ein Hindernis. Der Fehler lag darin, dass ich die Sprache lernen wollte, während ich arbeitete.

Mein Rat: Wenn Sie in ein Land ziehen, widmen Sie die ersten 3-6 Monate fast ausschließlich der Sprache. Das beschleunigt alles andere exponentiell.

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Drei Dinge, die ich heute anders machen würde

Im Rückblick sind wir immer schlauer, besonders wenn der Alltag in Deutschland oder Österreich immer noch von Stau und überfüllten Supermärkten geprägt ist. Hier sind meine wichtigsten Korrekturen:

1. Geben Sie aktiv etwas zurück

Als digitale Nomadin verdient man in Wirtschaft A und gibt in Wirtschaft B aus. Dieses Ungleichgewicht fühlte sich nicht immer richtig an, obwohl es finanziell klug war. Wenn Sie sich in einer neuen Gemeinschaft niederlassen, sollten Sie sich auch engagieren.

  • Bieten Sie Ihre Fähigkeiten ehrenamtlich an.
  • Unterstützen Sie lokale Initiativen, nicht nur internationale Ketten.

2. Zeigen Sie Ihre Arbeit – und zwar früher!

Jahrelang dachte ich, meine Arbeit spricht für sich. Falsch gedacht. Erst als ich ein richtiges Online-Portfolio erstellte, öffneten sich Türen zu großen Projekten, die ich jahrelang nur im Stillen beobachtet hatte. **Die Hemmschwelle, sich selbst zu präsentieren, kostet Sie Aufträge und Sichtbarkeit.** Gehen Sie aktiv auf Wunschpublikationen zu!

3. Nutzen Sie die Freelancer-Freiheit bewusster

Klar, es gibt keine bezahlten Urlaubstage und keine Krankenversicherung, die automatisch greift. Aber die Freiheit – wann, wo und wie ich arbeite – ist unbezahlbar. Ich würde mir raten, diese Flexibilität noch radikaler zu nutzen, statt aus alter Gewohnheit immer nur auf die nächste Deadline hinzuarbeiten. Reisen Sie mehr, wenn Sie gerade flexibel sind!

Der Traum, der vor zehn Jahren in Medellín begann, war nicht perfekt geplant. Aber er ist heute meine Realität: Ich bin Mitte 30, glücklich mit meiner Karriere und lebe dort, wo die Luft besser schmeckt. Es geht nicht darum, Hals über Kopf zu kündigen, sondern darum, den Mut zu finden, den ersten kleinen Schritt aus der Bequemlichkeit zu wagen.

Haben Sie auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt, alles hinter sich zu lassen, oder halten Sie Ihr aktuelles Leben für zu sicher, um es aufzugeben? Teilen Sie Ihre Erfahrungen!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

Artikel: 1800

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