Stell dir vor, du sitzt seit über zwei Jahrzehnten in einem Wassertank in einem Universitätslabor, wirst jährlich den staunenden Studenten gezeigt und gilt dabei als einfaches Biologie-Lehrmittel. Dann stellst du fest: Dieses unscheinbare Tier ist älter, als du dachtest, und könnte das Geheimnis der Langlebigkeit in sich tragen. Genau das ist gerade mit einem Organismus passiert, den die Forscher beinahe übersehen hätten.
Wir reden hier nicht von einer Schildkröte oder einer Muschel. Es geht um einen Wurm, genauer gesagt einen Schnurwurm (Bootlace Worm), der nun offiziell den Altersrekord für seine Art pulverisiert hat. Wenn du dachtest, du kennst die Langlebigkeits-Champions, lies weiter. Denn dieser Fund ändert die Spielregeln für die gesamte Altersforschung.
Der heimliche Methusalem im Klassenzimmer
Forscher haben diesen speziellen Wurm, den sie intern nur „B“ nennen, aus seinem jahrzehntelangen Dasein erweckt, um ihn wissenschaftlich zu vermessen. Was sie fanden, ließ sie zweimal hinschauen.
DNA-Test bestätigt das Unfassbare
Zuerst die Fakten: Man holte „B“ aus seinem Becken. Ausgestreckt maß er unglaubliche **einen Meter Länge** – eine beeindruckende Erscheinung für ein Tier, das die meiste Zeit im Sand verbringt. Dann kam der entscheidende Schritt: eine kleine Gewebeprobe für die DNA-Analyse.

Das Ergebnis? Die genetische Sequenz stimmte zu über 99 Prozent mit der Art Baseodiscus punnetti überein. Die morphologischen Merkmale (Kopfform, Augenstellung) hatten es schon angedeutet, aber die Gene lieferten den Beweis. Endlich wusste man genau, womit man es zu tun hatte.
Wie man 26 Jahre zählt, wenn es keine Geburtsurkunde gibt
Der wahre Geniestreich lag nicht in der Biologie, sondern im Archivschrank der Uni-Verwaltung. Wie misst man das Alter? Man braucht menschliche Dokumente – und hier wird es spannend.
- 1996–1998: Der Wurm wurde in der Nähe des Friday Harbor Laboratories der University of Washington gesammelt.
- Bis 1998: Er zog in ein Salzwasseraquarium an der UNC Chapel Hill.
- 2005: Bei der Auflösung des alten Beckens rettete ein Wissenschaftler den Wurm und seine Mitbewohner aus dem Sand und verfrachtete sie in ein neues Becken in Maine.
- Danach: Regelmäßige Umzüge mit dem Labor nach Virginia, wo „B“ jedes Jahr für Studenten zur Anschauung diente.
Da der Wurm auch im Februar 2025 noch lebte, wurde das Alter von „mindestens 26 Jahren“ offiziell bestätigt. Im Vergleich dazu: Die längste bisher bestätigte Lebensdauer eines Schnurwurms lag bei **drei Jahren**! „B“ übertrifft diesen Rekord um das Neunfache.
Warum dieser Wurm unsere Denkweise über Altern sprengt
Vergiss, was du über die Lebensdauer von wirbellosen Meerestieren wusstest. Forscher schreiben selbst, dass dieser Wert die bekannte maximale Lebensspanne dieser gesamten Tierklasse **“um Größenordnungen erweitert“**. Und das ist eine Untertreibung!

Wir reden hier von einem Tier, das möglicherweise schon als Erwachsener gesammelt wurde. Die wahre Zahl könnte also noch höher liegen. **Dies etabliert den Schnurwurm quasi in der gleichen Liga wie die echten Langlebigkeits-Giganten** der Meere, wie Riesenmuscheln (über 500 Jahre) oder Tiefseeröhrenwürmer (über 300 Jahre).
Für uns hier in Deutschland oder Österreich, wo wir vielleicht über die Haltbarkeit von Lagergemüse im Keller nachdenken, mag das abstrakt klingen. Aber die Langlebigkeitsforschung sieht das anders. Chloe Goodsell, eine der beteiligten Forscherinnen, betont, dass die Mechanismen solcher extrem langlebigen Tiere uns helfen können, die Alterungsvorgänge bei Säugetieren – uns eingeschlossen – besser zu verstehen.
Der praktische Nutzen: Was du mitnehmen solltest
Auch wenn du keinen eigenen Meterlangen Wurm im Keller hältst: Die Lektion ist klar. Wir unterschätzen systematisch die Widerstandsfähigkeit einfacher Organismen. Wenn du das nächste Mal ein kleines, unscheinbares Tier im Garten beobachtest, denk daran, dass es vielleicht seit Jahren unbemerkt seine eigenen biochemischen Geheimnisse bewahrt.
Der Tipp für deinen Alltag: Ähnlich wie dieser Wurm durch zufällige Umzüge überlebte, solltest du bei Gartengeräten oder Werkzeugen, die du lange nicht benutzt hast (speziell jetzt vor dem Sommer, wenn viel im Schuppen lag), immer eine **zusätzliche Kontrolle auf Feuchtigkeitsschäden** durchführen. Oft sind es die unscheinbaren Langzeitprobleme, die massive Schäden verursachen, weil sie unbeobachtet bleiben.
Die Natur hält uns ständig Dinge vor, die wir für kurzlebig halten, obwohl sie es nicht sind. Was ist das älteste, unscheinbare Ding in deinem Haushalt, das du nie hinterfragt hast?









