Dieses 30 Jahre alte Fossil enthüllt einen Flugsaurier mit „fleischigen Zähnen“ im Gaumen

Jahrelang lag es unbemerkt in einer Sammlung, doch jetzt sorgt ein privater Fund aus Süddeutschland für wissenschaftliches Kopfzerbrechen. Forscher haben einen archaischen Vogel untersucht, der eigentlich ein Flugsaurier war – und entdeckten Details im Maul, die uns zeigen, warum Vögel überhaupt fliegen können.

Wir alle wissen, dass Fliegen enorm viel Energie kostet. Ein einziger Flügelschlag verbrennt mehr Kalorien als mancher Dauerlauf. Die Natur musste also extreme Lösungen finden, um aus dem Futter maximal viel Energie herauszuholen. Doch was man jetzt über den Urahn aller Vögel herausgefunden hat, stellt selbst die gängige Lehrmeinung auf den Kopf.

Der Zufall, der die Wissenschaft veränderte

Manchmal sind es die unauffälligsten Funde, die die größten Enthüllungen bringen. Denken Sie nur an das Fossil, das 1990 in der Nähe von Solnhofen von einem Hobbyforscher entdeckt wurde – ein Fund, der erst über 30 Jahre später in die Hände seriöser Forscher gelangte.

Was die Forscher sahen, hätte nicht sein dürfen

Als die Experten des Field Museums in Chicago begannen, die oberste Kalksteinschicht vorsichtig abzutragen, begannen die Probleme. Hauptautorin Jingmai O’Connor berichtet: „Ich erinnere mich, dass sie mich riefen und sagten: ‚Jingmai, wir haben etwas Seltsames gefunden, komm mal her‘.“

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Was sie dort sahen, passte nicht in die gängigen Modelle. Es waren winzige Anzeichen, die auf Strukturen hindeuteten, die man heute nur schwer mit einem Dinosaurier in Verbindung bringt. **Diese Entdeckung verschiebt, wann bestimmte „Vogel“-Merkmale entstanden sind.**

Die „fleischigen Zähne“ im Gaumen

Der absolute Schocker lag im Maul des Tieres. Stellen Sie sich vor, Ihre Zunge hätte keine Knochen – oder besser gesagt: Stellen Sie sich vor, Ihr Gaumen wäre mit winzigen, fleischigen Kegeln übersät. Genau das fanden die Forscher beim Archeopteryx.

Diese Strukturen nennt man Mundpapillen. Sie sind bei heutigen Vögeln essenziell, denn sie fungieren wie kleine Rutschen:

  • Sie leiten die Nahrung direkt in den Rachen.
  • Sie verhindern, dass die Beute in der Luftröhre stecken bleibt – ein riesiges Problem, wenn man gleichzeitig atmet und fliegt.

Es ist, als hätte der Urvogel quasi eine eingebaute, automatische Schluckhilfe besessen, die ihm half, die nötigen Kalorien für den Flug zu sammeln. **Das ist der Grund, warum heutige Vögel so effizient fressen.**

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Ein Knochen, der alles verändert

Doch damit nicht genug. Die Wissenschaftler fanden im Schädelbereich noch einen winzigen Knochensplitter, der sich als Zungenknochen entpuppte. Während wir Menschen keine Knochen in der Zunge haben, benötigen Vögel sie für die Flexibilität und Muskelanhaftung.

Dieser Fund beim 150 Millionen Jahre alten Archeopteryx, der damals im heutigen Bayern lebte, beweist: Viele Spezialisierungen, die wir heute für moderne Vögel halten, sind tief im Dinosaurier-Erbe verwurzelt.

Was bedeutet das für uns? Forscher können nun anhand dieser Mundstrukturen präziser entscheiden, ob ein Fossil tatsächlich zur Vogelgruppe zählt. Es ist, als hätte die Natur uns einen geheimen Checkliste für die Abstammungslinie hinterlassen.

Dieser Flugsaurier war eben nicht nur ein Dinosaurier, der Flügel bekam. Er war ein Spezialist, der wusste, wie man überlebt, indem man jeder Mahlzeit alles abtrotzt.

Was denken Sie: Welche modernen Vogeleigenschaften halten Sie noch für pure Zufälle des Überlebens, und welche sind vielleicht auch auf diese alten Mechanismen zurückzuführen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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