Dieses eine Detail beim Autofahren stiehlt Ihnen Sekunden – und Sie merken es nicht

Sie kennen das vielleicht: Auf der langen Fahrt in den Urlaub oder dem täglichen Pendeln wird das Gespräch im Auto schnell intensiv. Ob mit dem Beifahrer oder über die Freisprechanlage – wir reden, um die Zeit totzuschlagen. Doch was viele unterschätzen: Dieses scheinbar harmlose Plaudern kann Ihre Augenbewegungen drastisch verlangsamen. Und genau diese Verzögerung kann zwischen einer Schrecksekunde und einem echten Crash entscheiden.

Japanische Forscher haben nun einen speziellen Effekt aufgedeckt, der zeigt, wie stark unsere Kognition unter der Last des Sprechens leidet. Es geht nicht nur um die gedankliche Ablenkung, die wir kennen. Es geht um die reine **mechanische Verzögerung** Ihrer wichtigsten Sinneswahrnehmung: dem Sehen.

Der heimliche Bremsklotz: Warum Reden Ihre Augen verlangsamt

Wir verlassen uns beim Fahren zu fast 90 Prozent auf visuelle Informationen. Wenn Sie sprechen, beanspruchen Sie kognitive Ressourcen massiv. Das Problem ist: Ihr Gehirn priorisiert die Sprachproduktion über die blitzschnelle Verarbeitung visueller Reize.

Das Team um Shintaro Uehara von der Fujita Health University hat das im Fachmagazin „PLOS One“ belegt. Sie stellten Probanden auf die Probe, schnell auf verschiedene Ziele zu blicken – einmal beim Sprechen, einmal beim Zuhören und einmal in kompletter Ruhe.

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Die drei verlorenen Millisekunden, die Leben kosten

Die Ergebnisse waren ernüchternd. Beim Sprechen traten bei allen Teilnehmern deutliche Verzögerungen in drei kritischen Phasen auf:

  • Reaktionszeit: Die Zeit, die vergeht, bis Ihre Augen überhaupt auf ein neues Gefahrensignal reagieren.
  • Bewegungszeit: Die Dauer, um den Blick von A nach B zu bewegen.
  • Anpassungszeit: Die Zeit, um den Blick scharf auf das neue Ziel zu fixieren.

Diese Verzögerungen sind für Sie selbst im Bruchteil einer Sekunde nicht spürbar. Sie fühlen sich normal schnell. Aber im Straßenverkehr, besonders wenn in der Stadt in Deutschland z.B. plötzlich ein Radfahrer in den toten Winkel huscht, summieren sich diese verlorenen Momente zu viel Zeit.

Freisprecher sind nicht die Lösung

Viele Autofahrer in Deutschland denken, sie seien durch Headsets oder Freisprechanlagen auf der sicheren Seite. Denken Sie noch einmal nach!

Der Knackpunkt liegt laut den Forschern nicht in der akustischen Ablenkung (also dem Zuhören), sondern in der **kognitiven Anstrengung, die eigene verbale Antwort zu formulieren**. Ob Sie zu Ihrem Partner auf dem Beifahrersitz sprechen oder mit dem Kollegen telefonieren – die Anstrengung beim Formulieren zwingt Ihr Gehirn, die Blicksteuerung herunterzuschalten.

Im Prinzip nimmt die Sprachgenerierung Ressourcen weg, die sonst für die **frühzeitige visuelle Verarbeitung** des Geschehens auf der Straße reserviert wären. Das bedeutet: Sie nehmen Gefahr später wahr, als Sie es ohne Gespräch täten.

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Der Nicht-Obvious-Tipp für Ihre nächste Fahrt

Natürlich beeinflussen viele Dinge die Fahrleistung – Müdigkeit, Stress, Radio. Aber während Sie Müdigkeit aktiv steuern können (durch Pausen), ist die Sprech-Ablenkung ein heimtückisches Dauerproblem.

Mein Rat aus der Praxis: Wenn Sie auf einer unbekannten Strecke unterwegs sind oder die Verkehrsdichte hoch ist (z.B. im Berufsverkehr in Hamburg oder München), schalten Sie das Telefonat stumm und sagen Sie Ihrem Gesprächspartner ehrlich: „Ich muss mich kurz konzentrieren, wir reden später.“

Akzeptieren Sie, dass Ihr Gehirn nicht gleichzeitig ein komplexes Gespräch führen und die Umgebung mit maximaler Geschwindigkeit scannen kann. Im Zweifelsfall zählt jeder Millimeter Bremsweg, den Sie durch unnötiges Quatschen verlieren.

Haben Sie schon einmal bemerkt, dass Sie nach einem langen Telefongespräch plötzlich verwirrt sind, wo Sie gerade abgebogen sind, obwohl Sie doch aufgepasst haben? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, wie Gespräche Ihre Konzentration im Verkehr beeinflussen!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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