Dieses Himmelswunder sehen Sie NICHT – Forscher warnen vor Social-Media-Lüge

Sie haben wahrscheinlich die aufregenden Ankündigungen in Ihrem Feed gesehen: Die Kometen-Sensation 3I/ATLAS rast auf die Erde zu, und bald können wir sie mit bloßem Auge bestaunen. Falsch gedacht. Wenn Sie jetzt nach draußen gehen und den Himmel absuchen, verschwenden Sie nur Ihre wertvolle Zeit.

Wir stehen kurz vor dem engsten Vorbeiflug der interstellaren Kometen 3I/ATLAS an unserem Planeten. Doch während das Internet mit beeindruckenden Aufnahmen überflutet wird, sagen Wissenschaftler: Finger weg vom Teleskop, wenn Sie keine halbe Nacht damit verbringen wollen. Hier erfahren Sie, warum die meisten Fotos, die Sie gerade sehen, reine Schönfärberei sind und was Sie wirklich erwarten können.

Der Hype um 3I/ATLAS: Warum der „Drive-by“ enttäuscht

Die Aufregung ist riesig: Die Kometen 3I/ATLAS ist erst der dritte bekannte Besucher aus dem tiefen interstellaren Raum, der unser Sonnensystem kreuzt. Manche munkeln sogar, es könnte sich um eine Art fremdartige Sonde handeln – aber lassen wir die Spekulation beiseite und schauen auf die harten Fakten.

Faktencheck: Wie nah kommt er uns wirklich?

Die Zahlen klingen beeindruckend: Am 19. Dezember erreichen wir den Punkt der maximalen Annäherung. Aber was bedeutet das für uns in Deutschland oder Österreich? Nicht viel, was die Sichtbarkeit angeht.

  • Aktuell (Stand 12. Dezember) sind es noch 271 Millionen Kilometer Distanz.
  • In den Tagen des Maximums verringert sich diese Strecke nur noch um winzige Fraktionen. Es ist kein dramatischer Vorbeiflug am nächsten Nachbarshaus.
  • Danach zieht der Brocken schnell weiter, um 2026 Jupiter einen Besuch abzustatten.

Der entscheidende Punkt: Die Bahn ist zwar nah im kosmischen Maßstab, aber viel zu weit entfernt für das bloße Auge. Ignorieren Sie daher die Stimmen, die Ihnen versprechen, er sei so hell wie Venus.

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Die Wahrheit hinter den „Meisterwerken“ der Astro-Fotografie

Ich habe mir einige der aktuell kursierenden Bilder der Kometenschweife angesehen. Und seien wir ehrlich: Was Sie da sehen, ist eher das Ergebnis von tausend Fließbandarbeiten als von einem Schnappschuss.

So wird die Illusion erzeugt

Wenn Sie den Kometen mit einem Hobby-Teleskop suchen, werden Sie bestenfalls einen unscharfen, schwachen Lichtpunkt entdecken. Die prachtvollen Bilder erfordern eine Technik, die Hobbyisten selten beherrschen (oder von der sie nicht sprechen):

  • Es müssen hunderte Einzelaufnahmen über Stunden hinweg gesammelt werden.
  • Diese Bilder werden nachträglich verschärft und kombiniert, was die Farben und Konturen stark verändert.
  • Wissenschaftler selbst äußern sich skeptisch, ob die Darstellung mancher Aufnahmen noch die Realität widerspiegelt.

Das ist wie beim Hochglanzprospekt Ihres neuen Autos: Das Testmodell sieht immer besser aus als das, was Sie später in der Einfahrt parken.

Praktischer Tipp: Wenn Sie es trotzdem versuchen wollen

Sie wollen es nicht glauben und der Gelegenheitsbeobachtung nicht widerstehen? Gut, dann machen Sie es richtig. Aber vergessen Sie nicht: Handy rauslegen bringt nichts, Sie brauchen ernstes Gerät.

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Für eine minimale Chance, das Kometen-Kernchen als winzigen Fleck zu erhaschen, benötigen Sie mindestens ein Teleskop mit 120 mm Öffnung. Suchen Sie in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember. Richten Sie Ihr Gerät etwa 10 bis 15 Grad über und rechts vom Mond aus, kurz nachdem der Mond aufgegangen ist (meistens zwischen 1 und 2 Uhr nachts).

Merke: Die Kometenhelligkeit liegt aktuell bei etwa 11. bis 12. Magnituden. Das ist fast das Äquivalent eines sehr dunklen Sterns, den Sie nicht mit dem bloßen Auge sehen.

Was jetzt am Himmel wirklich zählt

Vergessen wir den überteuerten Hype um diese interstellare Dame. Wir haben im Sonnensystem genug eigene Spektakel zu bieten, die man ohne Spezialeffekte beobachten kann.

Kürzlich gab es Warnungen, dass selbst diese 3I/ATLAS Gefahr laufen könnte, von einem heftigen Sonnenausbruch mit Plasma getroffen zu werden – was ihr noch mehr Materie kosten würde.

Erzählen Sie mal ehrlich: Haben Sie die beeindruckenden Bilder von 3I/ATLAS auch erst für bare Münze genommen, bevor Sie davon gelesen haben, wie viel Arbeit da drinsteckt? Lassen Sie uns in den Kommentaren wissen, wer von Ihnen schon vergeblich in den Himmel gestarrt hat!

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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