Dieses himmlische Spektakel überstrahlt jede Rakete – und fast alle sehen es nicht

Die Böller sind gezündet, der Sekt ist geleert und der Rauch beginnt sich zu lichten. Genau jetzt, um Mitternacht an Silvester, machen die meisten Deutschen den größten Fehler: Sie gehen wieder rein. Dabei liegt das wahre, kostenlose Feuerwerk direkt über unseren Köpfen – und es ist viel beeindruckender als jede laute Knallerei.

Ich habe es selbst beobachtet: Sobald der ohrenbetäubende Lärm der ersten Raketen verebbt, kehren die Menschen den Sternen den Rücken zu. Aber genau dann enthüllt der Winterhimmel seine ganze Pracht. Wenn du weißt, wonach du suchen musst, siehst du ein Schauspiel, das dein Wohnzimmerlicht sofort irrelevant macht.

Das unsichtbare Sechseck: Was die Stadtlichter meist verdecken

Viele glauben, der Nachthimmel sei im Winter grau und leer. Falsch gedacht. Viele der hellsten Sterne, die wir im Winter sehen können, bilden eine faszinierende Figur, das Wintersechseck. Es ist das kosmische Kontrastprogramm zur Böllerei.

Die Hauptdarsteller, die wirklich leuchten

Dieses Sechseck besteht aus sechs gigantischen Sternen. Stell dir vor: Kapella, Aldebaran, Rigel, Sirius (der hellste Stern überhaupt!), Prokyon und Pollux. An Silvester wird das Ganze noch besser:

  • Der fast volle Mond mischt sich unter die Sterne im Stier.
  • Der Planet Jupiter strahlt wie ein Scheinwerfer in den Zwillingen.

Ich rate dir: Wirf einen schnellen Blick nach Südosten, bevor du dich wieder dem Fernseher zuwendest. Diese Himmelskörper sind bereits da, sie brauchen keinen Zünder.

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Der kosmische Geheimtipp: Das musst du mit dem Fernglas finden

Die Böller lenken von den wirklich fernen Wundern ab. Wenn du dein altes, vielleicht verstaubtes Fernglas vom letzten Urlaub in die Hand nimmst, kannst du Details sehen, die selbst erfahrene Beobachter beeindrucken.

Orion: Der Jäger und sein verstecktes Juwel

Der Orion ist fast immer leicht zu finden. Seine drei Gürtelsterne sind ein Wahrzeichen. Aber schau tiefer:

Genau in der Mitte seines „Schwertes“ findest du einen verschwommenen Fleck. Das ist der Große Orionnebel. Stell dir vor: Gas und Staub, Tausende Lichtjahre entfernt, wo neue Sterne entstehen. Das ist kein Feuerwerk, das ist kosmische Fabrikation!

Die Krippe – und warum sie nichts mit Weihnachten zu tun hat

Wenn du vom hellen Orion aus etwas nach links wanderst, landest du beim Sternbild Krebs. Dort wartet die „Krippe“ (oder lateinisch: Praesepe).

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Der Mythos dahinter ist kurios: Es ist nicht die Futterkrippe für die Weihnachtsgeschichte. Vielmehr ist es laut griechischer Mythologie der Futtertrog zweier Maultiere, die den Gott Dionysos trugen. Eine schöne Anekdote für deine Freunde, wenn du ihnen das nächste Mal das Teleskop zeigst!

Der ultimative Lifehack für dein Silvester-Viewing

Wenn du wirklich das Beste sehen willst, musst du dich von jeglicher Lichtverschmutzung entfernen. In einer hell erleuchteten Stadt siehst du maximal die hellsten drei Sterne. Aber in einer dunklen Ecke – vielleicht auf dem Land oder beim Wandern im Umland – siehst du das schimmernde Band der Milchstraße.

Dieses Band zieht sich quer durch den Himmel. Wir blicken dabei in die Scheibe unserer eigenen Galaxie. Mit einem Fernglas siehst du dann die Milliarden einzelner Sterne, die dieses Leuchten erzeugen. Es ist der beste Beweis dafür, wie klein unsere Silvester-Feuerwerke im großen Ganzen sind.

Also, das nächste Mal, wenn alle drinnen sind, mach die Tür auf, schau kurz in die Kälte und erinnere dich: Während wir Knallerbsen zünden, tanzt das Universum draußen!

Welches Sternbild ist dein persönlicher Favorit am Winterhimmel, das die meisten deiner Bekannten gar nicht kennen?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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