Stellen Sie sich vor, Sie werfen einen Stein und er fliegt plötzlich eine unerwartete Kurve, weil der Boden unter ihm verzerrt ist. Genau so etwas passiert im Universum um Schwarze Löcher. Lange galt es als unmöglich, diese extremsten Verzerrungen der Raumzeit direkt zu beobachten. Aber Forscher haben nun das Unsichtbare sichtbar gemacht – und es ist viel dramatischer, als wir dachten.
Warum ist das wichtig für Sie? Weil diese Entdeckung eine der fundamentalsten Theorien der Physik – Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie – nach einem Jahrhundert eindrucksvoll bestätigt. Wir reden hier nicht über Laborphysik, sondern über das Verstehen, wie unser Kosmos wirklich tickt. Verpassen Sie nicht, was diese tanzenden Scheiben über unsere Realität verraten.
Die unsichtbare Wäscheleine: Was das Schwarze Loch wirklich macht
Wenn Schwarze Löcher rotieren, ziehen sie alles mit sich – nicht nur Materie, sondern buchstäblich die Struktur der Raumzeit selbst. Dieses Phänomen nennt man „Frame Dragging“ oder „Lense-Thirring-Effekt“ (die Idee stammt von Einstein aus dem Jahr 1913!).
Man muss sich das vorstellen wie einen gigantischen Strudel im Ozean: Wenn Sie einen kleinen Korken in die Nähe bringen, wird er nicht nur angezogen, sondern in Rotation versetzt. Der Physiker Cosmo Insera beschreibt es so: „Es ist wie ein rotierender Kreisel in Wasser, der einen Wirbel erzeugt.“
Der kosmische Tanz, der alle 20 Tage stoppt und startet
Das Aha-Erlebnis kam bei der Beobachtung einer sogenannten Gezeitenzerstörung (TDE) in der Galaxie LEDA 145386, 400 Millionen Lichtjahre entfernt. Ein Stern kam dem supermassiven Schwarzen Loch zu nah und wurde zerrissen. Die Überreste bildeten eine Akkretionsscheibe und sendeten Materie als Jet mit fast Lichtgeschwindigkeit aus.

Mithilfe von Satelliten und riesigen Radioteleskopen (wie dem VLA) stellten die Forscher fest, dass diese Scheibe und der Jet **im perfekten Gleichklang** oszillieren.
- Der X-Ray-Ausstoß schwankt im Rhythmus von nur 19,6 Tagen.
- Diese Schwankungen betreffen die Helligkeit um das 10-fache – ein extrem seltener, regelmäßiger Vorgang.
- Beide Phänomene – Scheibe und Jet – bewegen sich synchron, was auf einen gemeinsamen „Motor“ hindeutet.
Warum die Helligkeit um das 10-Fache schwankt
Viele neigen dazu anzunehmen, dass die Helligkeitsänderungen nur durch das „Einfangen“ von Materie im Schwarzen Loch erklärt werden können. Aber die Intensitätsschwankungen von Faktor 10 sind zu drastisch.
Was die Astronomen jetzt sehen, ist die **optische Täuschung** dieser Schwingung. Stellen Sie sich vor, Sie sehen eine tanzende Lampe aus der Ferne. Wenn der Tänzer von Ihnen wegkippt, erscheint er dunkler, nicht weil er weniger leuchtet, sondern weil Sie weniger Fläche sehen.
So funktioniert es hier:
- X-Strahlen: Die tatsächliche Helligkeit des Materials ändert sich durch die Kippbewegung (Präzession).
- Radiowellen: Hier spielt der Doppler-Effekt eine Rolle. Wenn sich der Jet auf uns zubewegt, wirkt er stärker, wenn er sich wegbewegt, schwächer.
Der Haken: Es dreht sich langsamer als gedacht
Interessanterweise deutet die Periodenlänge von 19,6 Tagen darauf hin, dass dieses Schwarze Loch (Millionen Mal schwerer als unsere Sonne) **relativ langsam rotiert**. Die Forscher schätzen seine Rotationsgeschwindigkeit nur auf etwa 11 bis 35 Prozent der maximal möglichen Geschwindigkeit.

Das lehrt uns: Selbst bei diesen „gemäßigten“ Geschwindigkeiten ist der Frame-Dragging-Effekt stark genug, um die kosmische Szene dramatisch zu beeinflussen und sichtbar zu werden.
Ihr neues Wissen: Ein neues Muster für zukünftige Entdeckungen
Bisher suchten Forscher oft nach stabilen Signalen. Was bei LEDA 145386 anders war: massive, kurzfristige Fluktuationen. Genau diese Instabilität war der Schlüssel.
Der praktische Rat für bessere Forschung: Die Forscher empfehlen nun, gezielt nach X-Ray-Variationen bei ähnlichen Objekten Ausschau zu halten und diese sofort mit hochfrequenten Radiowellen zu koppeln. Wer dachte, das Universum wäre statisch, liegt falsch. Gerade die unregelmäßigen Schreie von Galaxien verraten uns die tiefsten Geheimnisse.
Die Bestätigung von Einsteins Vorhersagungen nach 100 Jahren klingt vielleicht nach alter Physik, aber die Methode, sie zu finden, ist brandneu und eröffnet uns ein neues Fenster auf das Chaos im Herzen jeder Galaxie. Ein Schwarzes Loch ist eben kein stiller Endpunkt, sondern der mächtigste Tänzer des Universums.
Welche anderen „versteckten“ Eigenschaften der Raumzeit werden wir als Nächstes durch das Beobachten von zerstörten Sternen aufdecken? Teilen Sie Ihre Gedanken dazu!









