Dieses staatliche Amt ist 205 Jahre alt – und die Briten reden nicht darüber.

Stellen Sie sich vor, Sie blicken auf die Weltmeere hinaus und denken, die Briten hätten in Sachen Seefahrt immer das Sagen gehabt. Wir Deutschen neigen dazu, historische Wettrennen mit unserer eigenen Vergangenheit zu vergleichen. Aber hier liegt ein Schock, den die meisten europäischen Nachbarn – ja, auch die Briten – heimlich für sich behalten:

Frankreich besitzt den ältesten offiziellen Marinedienst der Welt, und das schon seit 205 Jahren länger als die Briten ihren eigenen. Es ist ein stiller Gigant, der direkt unter unserer Nase operiert und über 11 Millionen Quadratkilometer Ozean wacht. Wenn Sie das nächste Mal eine Seekarte benutzen oder von schnellem Internet träumen, sollten Sie wissen, wer dahinter steckt.

Der stille Wächter der 11 Millionen Quadratkilometer

Es geht um das SHOM (Service hydrographique et océanographique de la marine) – das Hydrographische und Ozeanographische Amt der Marine. Ein Name, der klingt, als würde er Staub in irgendeinem Ministeriumsarchiv ansammeln. Doch in meiner Recherche habe ich festgestellt: Dieses Amt ist das Nervenzentrum der französischen Seemacht.

Viele übersehen diesen Apparat, der dem Verteidigungsministerium unterstellt ist. Aber das SHOM liefert die Referenzdaten, die nicht nur zivile Kapitäne brauchen, sondern die auch für Militäroperationen unter und über Wasser entscheidend sind.

Drei Aufgaben, die über Souveränität entscheiden

Das Spielfeld des SHOM ist gigantisch – es deckt die zweitgrößte Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) der Welt ab. Was genau tun sie dort unten in der Tiefe?

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  • Nationales Kartenwerk: Sie vermessen den Meeresboden, lokalisieren Gefahren. Ohne diese Daten sind unsere Häfen nicht sicher und Routen reine Glücksspiele.
  • Verteidigungsstütze: Jedes U-Boot, jede amphibische Landung – alles hängt von einer präzisen Kenntnis des Unterwasser-Geländes ab, die das SHOM liefert. In diesen angespannten Zeiten ist das kein Nebenschauplatz.
  • Klimakampf: Küstenschutz, Erosion, die Folgen des Klimawandels – die Ozeandaten sind das Entscheidungswerkzeug für die Regierung.

Merken Sie sich diesen Punkt: Wissen über den Meeresboden ist in der heutigen Geopolitik so wertvoll wie Öl.

Wenn Kupferstiche auf Drohnen treffen

Die maritime Welt rast. Während das SHOM seine Ursprünge bis ins Jahr 1720 zurückverfolgen kann (der Vorgänger wurde damals gegründet), mussten sie sich modernisieren. Wer dachte, Hydrographie sei nur das Radieren von alten Seekarten, liegt falsch.

Ich war überrascht, als ich sah, welche Hightech-Werkzeuge sie sich kürzlich zugelegt haben. Sie setzen auf Autonomie, um Daten schneller und billiger zu sammeln.

Die neuen Unterwasser-Agenten

Hier kommen die heimlichen Helden ins Spiel, die zeigen, wie die Zukunft aussieht:

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  1. DriX H-9 (Oberflächendrohne): Ein autonomes Schiff aus Frankreich, das unermüdlich den Meeresboden kartiert, während das Mutterschiff komplexere Aufgaben übernimmt. Weniger Crew, weniger Sprit, mehr Daten.
  2. NemoSens (Mikro-U-Boot): Ein kleines Wunderwerk, das sich in die schwer zugänglichen Küstenzonen schleichen kann, wo große Schiffe nicht hinkommen.

Diese Geräte sind keine Spielzeuge. Sie ermöglichen einen Beweis des Kontinuums: Weg von der punktuellen Vermessung hin zur permanenten, dichten Datenerfassung.

Praktischer Lifehack: Wenn Sie in Deutschland Ihr Smart Home schützen wollen, denken Sie an Kameras. Im maritimen Bereich ist die neue Verteidigungslinie die kontinuierliche Tiefenmessung. Fehlende Daten sind hier die Einladung für jedes politische oder ökonomische Risiko. Der französische Staat investiert massiv, um nicht von ausländischen Messungen abhängig zu sein – ein klares Zeichen für Souveränität.

Der historische Vorsprung, den niemand kennt

Hier wird es kurios, besonders im Vergleich zum Vereinigten Königreich, das oft mit der Royal Navy gleichgesetzt wird. Während das britische Hydrographische Amt erst 1795 offiziell entstand, um die Expansion des Empire zu stützen, hat Frankreich schon fast ein Jahrhundert früher begonnen, seine Karten zu perfektionieren.

Es ist diese ununterbrochene Linie von 1720 bis heute, die Frankreich diesen Titel sichert. Von Kupferstichplatten zu KI-gestützten autonomen Systemen – die Mission bleibt dieselbe: Die See kennen, um sie zu beherrschen.

Was denken Sie? Ist diese Fähigkeit, die Tiefen des Meeres zu kennen, in der heutigen Zeit wichtiger als die Stärke unserer digitalen Netzwerke?

Philip Wienberg
Philip Wienberg

Co-founded Germany's first alcohol-free craft beer brand in 2018. Now a freelance Copywriter & Creative Director with 15+ years in top German ad agencies. Led teams of 30+ creatives, winning 100+ awards together - some even for real work, not just the award circuit.

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